Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 30.09.1677
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8
1Durchleüchtigster Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Ich verhoffe, sie werden mihr die küenheit vergeben, 3so ich in meinem vohrigen schreiben mich vnterfangen, 4ihr Durchlaucht vnterdehnigst zu bitten, das sie zue meinem 5vndt aller dero gehorsamsten kindern trost sich doch beßer conseruiren 6wollen vndt nicht alles so zu herzen nemmen vndt sich 7auch mit dem continuirligen schreiben insonderheit in 8der nacht nicht so vill bemüehen. Dieses ist aus trew 9kintliger affection geschen. Ist mir wohl ein großer trost 10bey dieser sorg, das aus dero gnädigen schreiben vom 15 dises 11dero guetten wohlstant vernommen, aber danoch continuiren 12die ängsten, bis ich hoffnung habe, das ihr Durchlaucht ihrer 13selbsten mehrers verschonen. Wegen der coaduitori würt 14nichts versaumet werden, allein meinen alle, Mihelich wie 15auch der Canzler Hoher, man solle sich mit der sachen 16nit übereilen, bis etwas mehrers von Rohm komen 17werde. Ihr Mayestät aber, mein gnädigster herr, seint gahr gnädig vndt 18eifrich selbsten darin, vndt bitte nachmahlen vnterdehnig, 19ihr Durchlaucht wohlen ohne sorge disfals sein. Was möglich sein 20wirt, wirt nit vnterlaßen werden. Habe auch die hoffnung 21zue dem allerhöchsten, das er dieses gnädigst verleyen 22wirt vndt die verhindernusen, die die menschen nit 23nemmen können, aus dem weg rauhmen wirt. Wegen 24meines brudern habe heütt auch widerumb ein vnterdehnigst 25anbringen gedahn bey ihr Mayestät, welche sich widerumb wie 26allezeit gahr gnädig bezeiget vndt gesacht, sie wolten schon sehn,
27man müese noch ein wehnig gedult haben (ich habe bin28aber der meinung, das ihr Mayestät den heirath von 29Lotteringen wollen vohrgehn laßen, eh sie hierin 30weiters resoluiren, welches doch diesen winter geschehn 31wirt. Vnterdeßen aber wirt der Hoher wie auch 32Pater Stettinger widerumb ein anwurf duen. Also 33vermeine zu erwarten, was sie vohr antwort 34bekommen werden vndt darnach weiters zu sehn, 35was darin zu duen sey. Auf dieses leztere bitte 36mihr nit zu antworten. Ich will auch iezt wider, 37so balt ich kan, mitt der Kaiserin reden, was sie 38vermeint, das weiters zu duen sey). Ich werde an 39meiner seit nichts versauhmen, was zu ihr Durchlaucht diensten 40gereichen kan. Ihr Mayestät haben mihr auch gnädigst anbefohlen, 41seinetwegen auch ihr Durchlaucht das fohrige zu widerholen wegen 42dero gesuntheit, das sie sich doch darin beßer in acht 43nemmen sollen. Sie sagen, wan ihr Durchlaucht widerumb 44ihme schreiben das des wegen, so wolle er ihr Durchlaucht schon 45widerumb ein fils schreiben, dan sie in eben so wohl verdient 46hetten als ihr Mayestät. Befehle mich weiters in dero beharlige 47gnade vndt werde sterben 48ihr Durchlaucht 49ganzergebenste trewgehor- 50samste dochter 51EMT 52Wien den 30 septembris 1677






