Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 11.11.1677
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8
1Durchleüchtigster Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Es erfrewet mich von herzen, aus dero gnädigem schreiben vom 327 passato zu vernemen, das euer Durchlaucht sich annoch in guetten 4wohlstant befinden vndt sich darbey wollen conseruiren, 5gott gebe sein gnad darzu. Ich wüntsche von herzen, das ewer 6Durchlaucht bey diesem ihrem erwünschten vohrnemmen verbleiben 7vndt nit durch allzugroßen eifer selbiges vergeßen, 8hoffe auch, ewer Durchlaucht werden mihr die küenheit, so ich in 9vohrigem schreiben begangen, vergeben. Ihr Mayestät, mein gnädigster Kaiser, 10haben mihr auch anbefohlen, ewer Durchlaucht in seinen nahmen eben dieses 11zue errineren vndt das sie verlangen, das ewer Durchlaucht sich selbsten 12beßer conseruiren wolle, dan dardurch würden sie ihr Mayestät 13vndt dem publico den grösten dienst erweisen, ihr Durchlaucht, 14mein geliebsten fraw mutter, vndt vns arme kinder den gresten trost 15vndt glüksehlichkeit veruhrsachen. Bitte auch nachmahlens 16vnterdehnig, gegen dero gehorsam kindt keine danksagungen 17mehr zu erweisen vohr dasienige, was ohne das meine 18höchste schuldichkeit nit allein erfordert, sonderen mihr selbesten 19der höste trost von der welt wehre, wan die sache zue 20einem erwünschtem endt mögte gereichen, welches ich hoffe 21vndt von dem almechtigen iniglich bitte. Was anlanget 22die befreyung der quartir des herrn Cuhrfürsten Liebden, so haben 23ihr Mayestät mihr die gnädige antwort geben, es solte freilich bey 24ihrem wort verbleiben vndt wolten sie es nit gestatten.
25Solten sie aber wider verhoffen gewalt brauchen, so 26müeste man sehn, wie man sich deßen erwehre. Was ewer 27Durchlaucht gehorsamst vohrschlagen, wollen sie in bedacht zien vndt 28so vill möglich suechen, die sachen zu richten. Ich will 29aber den Schellerer zu mihr kommen laßen vndt von 30ihme sein meinung vernemmen, auch durch selbigen 31des Hohers seine erfragen laßen. Er ist gewißlich 32fleisich vndt emsich in ewer Durchlaucht diensten vndt duett 33gahr vill guettes, das ewer Durchlaucht woll versichert können 34sein, das sie einen trewen vndt fleisigen diener an 35ihme habe, der niks versaumet, was zu dero diensten 36gereichen kan. Wegen meines bruederen hab ich alleweil 37mehrere hoffnung, das nit lang mehr anstehn wirt 38vndt filleicht balder als man meinet. Der Pater Emerich 39ist die dag bey mihr gewesen, offerirt sich gewaltig, wie 40eifrig er sich der sach anemmen wolte, er wie auch der 41Hoher, dieweilen sie vermeinen, das es ihr Mayestät conueniens 42selbsten sey. Er gibt mihr guette hoffnung, sacht, nuhr 43ein kleine gedult soll man noch haben, gott gebe, das 44es balt geschen möge, welches von herzen wüntschet dieienige, 45so sterben wirt 46ewer Durchlaucht 47ganz ergebenste trewgehorsamste 48dochter 49EMT 50Wien den 11 novembris 1677






