Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 07.11.1677

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtigster Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Ich bitte gehorsamist vmb vergebung, das mit vohriger 3post mein schuldigkeit nit hab abgelegt, ich hoffe, der 4Fürst werde meine entschuldigung abgelegt haben. Es erfreüdt 5mich zu vernemmen, das sich ihr Durchlaucht wohl befinden vndt 6das die comission in der coadiutori sach nach dero verlangen 7eingericht ist. Gott gebe, das ein guetter effect daraus 8erfolgen möge. Alhier befinden sich ihr Mayestät gottlob wohl auf. 9Haben die schweinhez, so aber noch nit recht von statten gehn 10will, dan das wetter nit guett vndt auch gahr zu vill 11gäker, das se die sau voneinander gehn. Haben dach etlige 12iagen gehabt. Vohr 14 dagen hatte einen caualir, einer von 13Nostiz, ein bach durch die große francösische stiuel, die man 14sacht das ein pistolen schuß aushalten, in den waden so 15stark gebißen, das er annoch würklich daruon zubett 16ligt vndt ein starkes wuntfieber darzu geschlagen, welches 17alle seine alte wunden, welche er diesen krieg bekommen, 18ernewert. Er hatt die sau mit einem kleinen degelen gefangen, 19aber ich höre, das ihr Durchlaucht nit allein die bachen, sondern die 20große schwein mit dem kleinen degelen fangen, welches mich 21in die grösten ängsten vndt sorgen von der welt sezet. Mihr 22ist ohne das wohl bekant, wie leicht ewer Durchlaucht sich wagen,


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23deswegen bitte vndterdehnig, ewer Durchlaucht wollen gnädigst consideriren, 24in was groß angste sie ihr Durchlaucht, mein geliebste fraw mutter, wie auch alle 25dero gehorsamste kinder sezen, vndt was vohr leidt sie bey vns 26allen veruhrsachen würden, wan, dah gott vohr sey, ein solliches vnglükh 27solte geschen, das sie vns alle dardurch ewich vnglüksehlich 28machen würden. Bitt nochmahlen ghorsam, mihr meine küenheit 29nit in vngnaden zu vermerken, geschicht einmahl aus andrib 30meiner trew kintligen deuotion, dan mihr an der wohlergehn 31vndt conseruirung alle mein wolfart hanget. Hatt mihr auch 32das exempel, welches auf selbigem iagen der Herzoch von 33Anhalt von seinem herrn vater erzelt, wie er von einer sau 34döttlich verwunt worden, das er auch das schwein auf ihm 35erschießen müeßen, also mein angst vermeret, das ich hoffe, 36ewer Durchlaucht werden mihr gnädig vergeben, das inen diese meine sorg gahns 37vorgedragen, als die ienige, so mitt trew schuldigstem respect 38vndt herz kintliger affection verharren wirt zu sein 39ewer Durchlaucht 40ganz ergebenste trewgehorsamste 41dochter bis in doht 42EMT 43Wien den 7 novembris 1677