Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 19.11.1682
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Mit schuldigstem respect hab ich ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 8ten 3dis empfangen. Gott erhalte ewer Durchlaucht verners in dem 4guetten wohlstand, wie sie sich befinden, welchs mich woll 5über alles erfrewet hatt zue vernemmen. Wie 6es mit der preßlawischen sachen steht, werden ewer Durchlaucht 7von dem Schellerer gnädigst vernommen haben. Mich verwundert 8höchstens, das ewer Durchlaucht mit selbiger post keine schreiben 9von ihm empfangen haben, will ihn aber drüber 10fragen, waran der fehler geweßen. Was ewer Durchlaucht aber izt in 11der sag von Scheller vernommen, ist nötich das in höchstem 12secreto bleib vnd sie auch zue Rohm niks darum 13wißen, außer etwan mein bruder Liebden ganz allein vnd auch 14keiner von den seinigen, die dorten sein, damit es iah in 15der still bleibe, sonst wehr alles vmbsonst. Wegen 16des Deütschmeisters hab ich es auch ein große 17consolation darbey, das ehr izt getröst wirt sein. Ihr 18Mayestät haben es ihme auch nuhnmehro andeüten laßen vnd ihne
19beruefen. Wegen des Doctor Hueber ist mihr woll gahr leidt, aber 20der doht ist gahr natürlich geweßen, vnd ist der man auch 21vill verwahrlost worden, dan vnsre doctor nit haben 22dörfen zue ihm gehn vnd sein weib wahr auch krankh. 23Vnd die andren, die im haus krankh geweßen, sein 24gahr guett daruon kommen, dan man hatt bey 25barmherzige brüeder darzue genommen, sind woll 26auch gegen der lezt zue ihm kommen, ist aber 27schon zue schpaht geweßen, gott sey ihm genedig. 28Wegen des Docter Schorn, wehr er mihr zwar nit 29vnangenehm, aber wie woll er ein mahl zwei 30bey vns geblieben, wan ewer Durchlaucht verreist gewesen, so 31bin ich gottlob selbige zeit allezeit gesundt 32geweßen, das er so wehnich oder wehniger 33mein natur kent als die hiesigen. Auch wehr 34es hart, ihn der Erzherzogin zue nemmen, die 35gahr kein andren drunten haben. Ich hab aber 36vnterdeßen durch den Wirtz seine schriften laßen 37auslüftern, er hatt sie aber noch nit alle,
38dan es ist der eine vohrmunt nit hir, welcher den 39schlüßel darzu hatt. Ich will mirs aber darnach 40alles laßen herrein geben vnd es den hiesigen Doctoren 41geben, was den metodum anlangt vnd was ich alzeit 42gebraucht, damit sie es wißen. Des Beker bin ich 43woll versichret, das er auf dem weg folgen wirt, 44so vill es die zuestänt leiden werden, dan die seint 45nit allezeit geleich, dan dieser halt vill auf seine 46sachen, der Ilmeier auch, der ist auch ein gutter 47chimicus. Die Erzherzogin hatt heünt das fieber 48schpähter bekommen, ist ein quartana vnd 49ist heünt schlechter kummen, so hoff, es werde baldt 50ausbleiben. Ich due mich hirmit ewer Durchlaucht vnterdehnigst befehlen 51vnd werde sterben 52ewer Durchlaucht 53ganzergebenste trew gehorsamste 54dochter 55EMT 56Wien den 19ten novembris 1682




