Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Linz am 09.10.1683

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Ich hab mit höchster consolation aus dero gnädigem schreiben vom 31ten dißes ersehen, das sich ewer Durchlaucht in guettem wohlstand 4befinden, gott gebe weiters sein gnad vnd erhalt 5ewer Durchlaucht ville iahren darbey. Sage auch vnterdehnigsten dankh, 6das ewer Durchlaucht sich mit mihr wegen der glükhligen zue- 7rukhkunft ihr Mayestät haben erfrewen wollen. Ihr Mayestät befinden 8sich gottlob ganz woll auf, dem sey vnentliger dankh, 9das so abgangen ist. Ich wüntsche von herzen, das ich ewer Durchlaucht 10balt etwas guetes von vnserer armee schreiben kund, 11es geht aber zimlich langsam her, vnd fangt das 12wetter ahn gahr kalt zue werden. Der König hatt 13niks wollen duen, bis die ganze armeé beysammen, 14welches langsamb her gangen, weil die fränkischen 15difficultirt zue marchiren. Der Göez ist aber 16selbsten hinunter es zue befördern, vnd der Waldekh 17ist hier. Dem duet man auch zueschprechen, er 18ist gahr krankh vnd matt, ist auch nimmer jung. 19Cuhrbeyern bleibt bestendig in seinem eifer, ihr Mayestät 20schreiben ihm vnd representiren ihm gnuech, das er sich


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21conseruiren soll, wan es nuhr ausgeb, wer freilich ein großer 22schad, wan ihm was geschen solt. Ich hoff, er werd ihr Mayestät volgen 23vnd sich in acht nemmen. Ist schad, das der Dering 24gestorben, der hatt vill in disem gedahn vnd duen könen, 25wahr gahr fleisig. Wan Frankhreich sich moderiren wolt 26vnd in Niderlant nit hendel anfangen, wehr 27woll zue wüntschen, aber ich förcht sehr, es 28werde nit geschen. Mein gröste consolation wehre 29woll, wann ich die gnad möchte haben, ewer Durchlaucht wider 30vnterdehnigst zue bedienen. Wan Brandenburg recht sich 31vnirete, wurd es vill dise reis auf Regenschpurg befördern, 32gott gebs. Es ist in disen coniuncturen auch nit 33guett, das der Obristhoffmeister gestorben, welches den 5ten 34dies geschen, doch gott weis alles zum besten, was er 35duet, weis er schon warumb vnd offt, was mihr 36meinen, das nit guett ist, ist zumb besten. Der geb 37ein gnade, das dise stell woll ersest werde. Die Königin 38in Schpanien schreibt mihr auch, das die Königin in Portugal 39so krankh ist, das also alles in suspenso bleibt. 40Sie ist woll in grosen sorgen, dan eben die schlimme 41zeitung vnsrer reis vnd der belegrung hinein kommen.


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42Izt wirt sie aber schon erfreüt sein mit der beßren. 43Meine kinder seindt auch woll ankummen vnd gottlob 44woll auf. Weil ich mich auch so guett befind vnd 45die capellen nuhr in haus vnd nit weit sey, 46werde morgen, wann es gott will, herführgehen, 47weil dise wochen die leste des jubileum ist, so 48wolte es gern verdienen. Ich due mich hiermit in 49ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen, die ich sterben werd 50ewer Durchlaucht 51vnterdehnigst trewgehorsamst dochter 52EMT 53Lins den 9ten octobris 1683