Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Linz am 02.10.1683
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Ich hab mit großen freüden aus ewer Durchlaucht gnädigem schreiben vom 25ten 3passato vernommen, das sie sich in guettem wohlstandt 4befinden, wie auch, das mein brueder Franz Liebden gelükhlich 5bey ewer Durchlaucht angelanget ist. Er hatt woll nit vhrsach zu 6danken, dan mihr woll leidt, das kein gelegenheit geben, das ihm 7hette meine lieb erzeigen können, wie ich es verlanget. Es 8ist gahr guett, das er nit selbsten auf Preßlaw vnd 9erwartet, bis alles ein wehnig beßer eingericht ist, welchs 10aus disem termin von Sankt Micheli gahr leicht geschen 11kan, das ewer Durchlaucht disfals ganz kein incomoditet haben 12werden vnd er noch woll etwas wirt konnen übrich haben. 13Der Schellerer ist noch hier, er wartet, bis ein mehrere 14richtichkeit wegen seiner hoffstatt gemacht wirt. Ich 15vernimme, als solten ewer Durchlaucht noch bey meinem bruder 16Wolfgang sehligen einigen gedancken auf einen gewißen Grau 17Gall zue einem hoffmeister gehabt haben, der soll in 18wehnig dagen hier her kommen, so werden ihn ihr Mayestät sehn, 19auch man sehn, was er vohr ein man ist. Wan ewer Durchlaucht
20diese intention hätten, so wollen sie mihr gnädigst befehlen, werde ich 21auch gahr gern cooperiren. Es kendt ihn noch niemandt, wan 22er kommen wirt, so wirt man beßer sehn, was hinter ihm ist, 23oder wan ewer Durchlaucht auf einen andren incliniren wollen, sie 24mihr es zue wißen duen, damit ich mich darnach wiße 25zue richten. Der Matenclot were beßer, das er noch etwas 26wartet oder hier her kähm, das er darnach zugleich mit 27dem Schellerer gehn könte. Sage ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh, das 28sie sich mit mihr so gnädig erfrewen wollen über die wider- 29kunft ihr Mayestät, meins Kaisers. Ihr Mayestät haben sich ein dag 30etlich nit gahr woll befunden, als wie zue Laxenburg, 31ist mihr aber nit gahr woll darbey gewesen, weilen vill 32von der hoffstatt die ruer vnd maligne fieber mit 33von Wien gebracht. Gottlob ist aber weiters niks gewesen, 34vnd seindt ihr Mayestät wider ganz woll auf, gott geb 35verners sein gnad. Wegen Regenschpurg ist noch niks resol- 36uirt, wan ich etwas werd hören, werd es ewer Durchlaucht vnterdehnigst berichten. 37Das Saxen wekh gangen, ist freilich nit guett, wan er nuhr 38sonst in der haubt sach guett bleibt, so geht es schon hin, 39wan er gleich iezt nit vill duet. Sag auch ewer Durchlaucht 40vnterdehnigsten dankh vohr die gnädichkeit, mit welchen sie meine recomendation 41angenommen, bin so viller gnaden nit werdt. Der Obrist
42Hoffmeister ist gahr gefährlich krankh an einem hizigen vnd malignen 43fieber, wehr nit gutt, wan er izt solt sterben. Heüt ist es zwar 44etwas beßer. Wan Frankreich sich etwas moderiren wolt, wehrs 45woll zue wüntschen, förcht aber sehr, es wert nit geschen. Ich 46due mich hiermit in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen, die ich sterben 47werde 48ewer Durchlaucht 49ganzergebenste trewgehorsamste dochter 50EMT 51Lins den 2ten octobris 168352Postscriptum Schike hierbey ein brief von Pater Marco, welchen 53er mihr bey seiner abreis geben.





