Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Linz am 04.12.1683

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Mit großem trost hab ich aus dero gnädigem schreiben vom 26ten pasato 3ewer Durchlaucht guetten wohlstant vernommen, der almächtige wolle 4sie verners darbey erhalten. Meine brüder seint auch gott 5lob frisch vnd gesunt ankommen, hab woll ein vnerhörte freüdt gehabt 6sie zue sehn vnd auch, das sie alle, die bey der armée 7gewesen, so gelobt haben, auch ihr Mayestät, mein gnädigster Kaiser, motu 8proprio meinen brudern Ludwich Liebden vnter andren zum General 9Wachtmeister declarirt, weil ihn der Herzoch von Lottring so sehr 10gelobt hatt vnd ihn dise campagne in den meristen 11occasionen dise sch scarge vertretten lasen, welches er fleisigst 12vnd dapfer gedan, der allmechtige gebe verners sein gnad. 13Wan ihr Mayestät Saxen vnd Brandenburg neben Beyern kunten auf 14Regenspurg bringen vnd auch etlige fürstlige, wurden ihr 15Mayestät gewis kein augenblikh versaumen hin zue gehn, aber dises 16steht noch in gahr weitem felt, gott ist aber alles möglich,


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17der kan es schiken, wan mihr zum wehnigsten glauben. Ich wurd 18woll ein vnauschprechlige freüdt haben, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue 19bedienen. Was der König in Polen vohr intention darbey hatt, 20das er die rebellen nit beißen will, können mihr alle nit 21capiren, die zeit wirt es lernen. Es ist ihm genuechsam 22demonstrirt worden, der herr kan halt auch nit duen, 23was er will, seine polaken sein meister vnd er mues 24duen, was sie wollen. Die schpanische brief werde fleisig bestellen. 25Was den Heyman anbelanget, hatt es zwar große bedenken, 26als ewer Durchlaucht hochsterleüchtet melden, aber hingegen hatt er 27dorten ein großen anhang vnd meinen ville, wan der Nostiz sehliger 28die vohrige wall durch ihn auch mit incaminirt hette, wie man 29ihnen niks geacht, so wehre die sachen beßer reusirt, das steht 30alles dahin. Das ist gewis, das wan man ihn ganz vor den kopf stost 31vnd disgustirt, er meinem bruder insonderheit im anfang große 32vngelegenheiten machen kan. Mein bruder ist informirt seiner person, 33also das, wan er gleich raht wer vnd man ihm disen fumo 34laßet, mein bruder, in dem er ihn kent, sich doch allezeit des Neanders 35raht bedienen kan vnd braucht entlich niks, als das er ihn 36anhört. Man kan den Gall gleichfals wegen dies informiren, das also


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37die lieb aller behielte vnd sich doch nit in gefahr sezen dörft, 38weil er sein einraten, wan es nit positiue gutt, nit zue volgen braucht. 39Zue dem, solte er einige imbroli oder vneinichkeiten 40machen, steht es meinem bruder allezeit frey ihme zue licenziren. 41Es ist halt am anfang vonöten, das so vill möglich er die 42affection nit allein von etligen, sondern von allen erhalte, welchs 43schwerlich geschen wirt, wan man dem Heyman nit einige bezeigung 44duen wirt, weil man den andern allen etwas gedahn hatt, auch 45vill im land vnd vill hier zuehoff vill auf den Heiman halten, 46welche man zugleich obligirt. Ist auch eins von den grösten bedenken, 47wan er sich nit woll hielte vnd man ihn müeste licenziren, 48wurd man dise eben so vnd villeicht mehr disgustiren, vermein 49aber von nein, dan aufs wehnigste hatt man gezeigt, das 50man gern alles duen wollen vnd dises aus seiner eignen schuldt 51geschen, doch steht alles zue ewer Durchlaucht gnädigstem befehl. Bericht auch ewer Durchlaucht 52vnterdehnigst, das in kurzem der Fürst von Dietrichstein wirt zue dem 53Obristhoffmeister erklert werden, ich hoff, gott werd ihm gnad 54geben, das er guette dinst duen wirt, dan er ein guetts gewißen vnd 55dem Kaiser trew ist. Mihr ist aber nit woll darbey, dan er 56mihr gewis wohl vnd mit großer lieb gedienet hatt, auch allezeit


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57gegen ewer Durchlaucht, meine brüder vnd das ganze haus sich woll affectionirt erzeigt. 58Ich hab ihm zwar gesacht, ich wir gleichwoll mit ihm vleißechen in meinen sachen59wie bis dato raht nemmen vnd mein vertrewen zue ihm haben, 60aber izt ist hart, wen ihr Mayestät mihr an sein stell geben. Die 61leüt sagen zwar, der Schlabata sey schon resoluirt, ihr Mayestät aber 62wißen selber noch nit recht wem. Es seint woll 10, die 63zue consideriren, haben aber alle ihre bedenken als eben 64diser Schlabata wegen seines podagra, das er nit alzeit wird 65dienen können, vnd andere müeßen supliren, welches mihr 66gahr vnglegen. Sonst ist er ein lieber man vnd das weib 67auch gahr fein vnd dugentsam. Sigmunt von Dietrichstein hatt 68eben so das podegra vnd wurd auch ??? die meiste dienst, von 69disem haus möchten sich ander beklagen, vnd auch andre conside- 70rationes, die ewer Durchlaucht selber schon wißen vnd ich nit gern schreiben 71due, sprechen dagegen. Carl von Wallenstein bedient die Kaiserin, möcht ihr verschmachen, 72wan man ihn von ihr nemet vnd auch, ewer Durchlaucht wisen schon was, darbey zu 73bedenken. Windischkräz hat das padagra, vnd ihr Mayestät werden ihn in andren 74sachen brauchen, das ich doch balt wider wekseln müest vnd ihr Mayestät seiner 75auch geling in schikungen möchten vonöten haben. Öting ist wegen seins weib, 76die ist luterisch, so kans nit sein. Breüner ist ein guetter mensch, 77aber schwach im geist, Mansfelt zu iung, Weisenwolf fahret vnd sein


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78weib ist auch gahr nasweis, mein iung Colorede erst Geheimer Raht 79vnd Gardihaubtman worden, ewer Durchlaucht kennen ihn. Bitt ewer Durchlaucht vnterdehnigst, sie80wollen mihr dero gnädigste meinung auch schreiben, damit ichs ihr Mayestät sagen 81könn, sie mögen den resoluiren, wen sie wollen, mihr ist ein ieder 82recht. Bitt vnterdehnigst, ihr Durchlaucht fraw muetter auch wegen dis zue 83vernemmen, hab nit zeit, ihr dises zue widerholen. 84Bitt auch vnterdehnigst mich zue entschuldigen, das nit schreib, 85die schpeis sein schon dah, sterbe 86ewer Durchlaucht 87vnterdehnigst gehorsamste dochter 88EMT 89Linz den 4ten decembris 1683