Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 15.09.1684
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Dero gnädige schreiben vom 1 dis wie auch vom 8ten 3vnterdehnigstem respect empfangen. Hatt mich von herzen 4erfreüdt, dero guetten wohlstandt zue vernemmen, 5der almechtige wolle sie verners conseruiren, damit 6ich die gnad balt genießen möge, ewer Durchlaucht vnterdehnigst 7zue bedienen, warnoch mich wohl vnauschprechlich 8verlanget. Wegen meiner brüder halt ich daruohr, izt 9werden schon beyde oder nuhr einer auf dem weg 10sein, also das vnotig erachte, weiters etwas disfals 11zue melden. Wegen das bruder Franz nit mehrer leütt 12aufgedrungen werden, als er erhalten kan, vnd keine 13subiecta, welche ihm nit allein schädlich, sondern auch 14nit nuzlich sein möchten, deßen können ewer Durchlaucht gehorsamst 15versichert sein, auch das niks geschen wirt, welches 16nit zuefohr ewer Durchlaucht gnädigen befehl darüber erwarten 17werde. Aber wegen des Heimans wirt es hart 18zue schiniren sein, vnd möchte ewer Durchlaucht dienst selbsten
19darbey leiden, wie ich schon öffters vnterdehnigst bericht hab, 20insonderheit in disen coniuncturen. Es hatt sich 21auch ein gwißer Arco angemeld zue einem 22Stallmeister, welchen ich aber abgefertigt, weil mihr 23wohl bewust, das ewer Durchlaucht ihn niemahlen bey meinem 24brudren gelitten aus gewißen vhrsachen, die ich nit 25schreiben derf. Ein Baron Schedliz hatt sich angemelt 26zum Jägermeister, den hör ich sehr loben, wan er doch 27einen haben soll, so möcht diser nit übel daugen. 28Der Minkewiz, so zue bruder Carl dise campagne 29gesolt, wolt auch gern Cammerer sein, das wirt 30bey dem stehn, wiefill er deren haben will. Er 31ist schon hier geweßen wie man vermeint, das 32regiment werde zue der armeé stoßen, hatt ein 33project gemacht wegen der esquipage, gahr gescheit 34vnd wirtlich, ist aber wider heim, bis man siht 35den ausgang mit Offen . Welche gutte zeitung, 36welche vns gott hoffentlich balt verleyen wirt, 37dan man von keinem sucurs der türken mehr 38hört. Die beyrschen sind schon ankommen vnd 2 newe attaques
39gemacht, so meinen alle, es werd nimmer lang 40dauren können. Bruder Carl hatt im willens, vns darmit 41zue erfrewen vnd so dan alles hir einzurichten, 42weswegen er verlangt, der Schellerer solle das gelt 43so lang hier behalten, welches auch geschen. Diser mensch 44meritirt woll etwas, dan er mit großer fleis vnd 45eifer sich zue diesem erbotten, vnd wan es darzu 46kommen wehre, mein bruder gewis woll mit ihm wehr 47bedient gewesen. Wan bruder Franz aber schon mit 48kammerern versehen, mues er halt gedult haben 49bis sich ein andre apertur vohr ihn ereigent. 50Wegen des Windischgräz hab ewer Durchlaucht schon mit vohriger 51post vnterdehnigst bericht, das ich nit zweifle, ihr Mayestät 52werden seine trewe dienst entweder mit diser, 53woh aber nit dis, doch mit andren gnaden erkennen 54vnd belohnen, werd auch nit vnterlaßen, ihn in 55allen gelegenheiten ihr Mayestät zue reccomendiren. 56Due mich hirmit in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen, 57die ich sterben werd 58ewer Durchlaucht 59vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 60EMT 61Wien den 15ten septembris 168462Hab gestren mein schuldichkeit nit abgelegt, 63weil ich vernem, der sprachmeister wert geschwinder 64kommen. Wan er ewer Durchlaucht nit gefalt, schiken in ewer Durchlaucht nuhr wider zurukh. 65Gestern ist Pater Marco wekh, Pater Hippolito ist zur armee, 66da er mit dieser condition hinauf geht.





