Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 03.06.1685

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, herzallerliebster herr vatter 2Ich bitt vnterdehnigst vmb vergebung, das ich bey vohriger 3post meine schuldichkeit verabsaumet hab, der 4liebe Pater Marco ist schuldich daran gewesen, welcher deselben 5dag den segen geben vnd bey mihr gewesen. Der Fürst 6von Dietrichstein wirt mein vnterdehnigste entschuldichung ausgericht 7haben. Zue dieser von gott geschikten verenderung due ich 8aus kintligem herzen ewer Durchlaucht allen segen von gott 9vnd alles erdenklige wollergehn gehorsamst anwüntschen. 10Freilich hett ich wüntschen mögen, das es zue einer 11andren zeit geschen, das dise gefarlige coniuncturen 12passiret wehren, vnd ich auch die consolation hette 13haben mögen, ewer Durchlaucht balt hier zue bedienen. Weil es 14aber gott anderst geschikt, so mues mich der gedult 15ergeben vnd hoffen, das schon noch balt wider 16möge die gelegenheit geben, disen trost zue genißen. 17Im übrigen hatt der güettichste gott in disem woll 18seine prouidenz gezeiget, in deme ales zueuohr aiusttirt


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19vnd der tractat annoch mit dem Cuhrfürst sehligen 20vohr seinem doht geschloßen worden, wie auch sich die regirung, 21das land vnd miliz so gleich submitirt. Also zweifle ich 22nitt, er werde verners seine gnad verleyen, das alles 23ohne contrasto möge vollent werden vnd ewer Durchlaucht dise 24dero newe landen vnd dignitet mit friden vnd 25aller glükhsehlichkeit possediren werden. Ewer Durchlaucht werden 26von ihr Mayestät, meinem gnädigsten Kaiser, vernemmen, was 27sie erachten, das weiters zue duen sey, welches heündt 28alles wirt expedirt werden. Wegen meines bruedren 29reis mues er freilich izt geduldt haben, bis man 30siht, ob Frankreich einigen moto duen werde oder nit. 31Dises wirt auch der Deütschmeister erwarten müeßen, 32wegen welchen der Stratman ewer Durchlaucht bey vohriger 33post wirt geschriben haben, aniezo aber wirt er müeßen 34gedult haben bis man sicht, wie es gehn wirt. Der 35Starenberg hatt sich woll gahr guett verhalten, vnd 36werden ihr Mayestät nit vnterlaßen, es gegenihm in 37gnaden zue erkennen. Die expedition wegen des Reichen- 38bach werden ewer Durchlaucht schon empfangen haben, dan ich sie 39noch von Neüstatt aus geschikt, der almechtige 40erhalt ewer Durchlaucht nuhr ihn bestendiger gesuntheit,


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41warin ich mit großen freüden vernommen, das sie 42sich so wohl befinden, das ihnen bey der großen hiz, so iezo 43ist, die weite reis nit schaden werde. Ich werde 44den almechtigen fleisig darumb bitten vnd bitten 45laßen. Schike hierbey zwey brief von Pater Marco vnd 46einen von Pater Hippolito wie auch die relation aus 47Engelandt wider zuerukh. Diser König könte auch 48vill bey diser sach duen, ihr Mayestät haben auch schon 49dem Tun deswegen schreiben laßen, aber vermeinen, es50wurde guett sein, wan ewer Durchlaucht auch iemandt 51dorthin schiketen, der dero interesse negotiret. 52Vnd möchte wie ihr Mayestät, der Stratman vnd alle, wie 53auch der Grau Carl von Wallenstein, welcher den hoff gahr 54woll kent, vermeinen, der Hamilton würde dorthin zum 55besten daugen. Ich kan ewer Durchlaucht nit genuech sagen, was 56mihr heündt der Könisekh gesacht, was dieser König 57vohr ein lieb vnd estima vohr ewer Durchlaucht hab wegen 58so villen freüntschafft vnd ciuilitet, so ewer Durchlaucht seinem 59brudern, dem verstorbenen König, in seinem exilio 60erzeiget haben. Er sagt, das wie er drinnen geweßen, 61hab er bey der tauel niemant asl ihr Mayestät des Kaiser 62vnd ewer Durchlaucht gesuntheit gedrunken vnd vner-


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63vnerhört vill von deroselben ausgeschprochen, das er 64kreftig glaub, wan die Königin solte sterben, wie 65dan die krankheit noch continuirt, er auf keine 66andre als meiner schwestern eine reflectiren 67werde. Ich kan auch nit vnterlaßen ewer Durchlaucht 68vnterdehnigst zue berichten, wie hier alle ministri ein 69freüt zeigen ob disem ewer Durchlaucht zuegestandnen glükh 70vnd sich alle offeriren, ales zue coperiren was 71sie könen, vom Fürsten bis auf alle andre, auch 72der Cardinal gleich auf Rohm geschriben vnd der 73schpanisch Bottschaffeter sich bede offerirt alle 74officia einzuewenden. Es haben auch ihr Mayestät vnd 75ich der verwittibten Königin in Schpanien die sach 76eifrigst reccomendirt. Sonst geht es gottlob mit 77meinen kindern beßer, die kleine bekombt ein zahn 78nach dem andren. Due mich hirmit in ewer Durchlaucht gnade 79vnterdehnigst befehlen vnd werde sterben 80ewer Durchlaucht 81vnterdehnigst trewgehorsamste dochter 82EMT 83Wien den 3ten junij 1685