Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 02.08.1685
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Das auf dero gnädige schreiben vom 10ten, 12ten vnd 20ten dis nit 3ehender meine vnterdehnigste beantwortung abgelegt, ist die hochzeit 4fest vnd jagen vrsach, so dise zeit hero gehalten worden, 5also hoffe, ewer Durchlaucht werden mihr solches in gnaden vergeben. 6Erfrewet mich von herzen, das ewer Durchlaucht sich in guettem 7wohlstandt befinden, derallmechtige wolle sie verners dar- 8bey conseruiren. Die Erzherzogin Maria Anna ist nuhnmehro 9auf der reis, wie ich heündt vernommen, gott geb, 10das sie die vollige gesuntheit erlangen möge. Ich 11hoffe woll vnd vntersteh mich, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue 12bitten, das sie meinem bruedren gnädigst erlauben wollen, 13auf ein post ritt zue ihrer abholung hier her zue 14kommen, wie mihr ewer Durchlaucht schon gnädigst einmahl geschrieben. 15Ich mues bekennen, das es mihr auch ein trost 16sein wurde, nach so villen iahrn ihn einmahl wider 17zue sehn, vnd gottweis, wan er dise gelegenheit solte versaumen, 18wan einmahl widerumb ein soliche wirt kommen. 191iunge mensch woll qualificirt gefunden werden, würden ihr Mayestät auch gern auf auf ihn 202refflexion machen
21Das ewer Durchlaucht die reis meiner brüeder Alexander vnd Fridrich 22iezt nit gnädigst aprobiren, mueß ich bekennen, das bey der 23vnpäßlichkeit des Bischoffen woll nötig, das mein bruder in 24der nehet, dan sonst bey dem fall vill sachen in gefahr 25verzogen zue werden, wie mihr mein bruder selber 26gesacht, also wirt er ohne zweifel ewer Durchlaucht gnädigen befehl vnterdehnigst 27gern gehorsamen. Die vhrsach, das sie hir das bey lager nit 28erwart, ist weil ich nit gewust, wie ewer Durchlaucht gnädigst befehlen 29würden das in cerimonialien mit dem Prinz Clement 30aus Beyern sich verhalten solten, vnd damit kein 31fehler begangen werde, so haben sie scinirt mit ihne 32zue concuriren. Die lehen betreffend ist mein vnterdehnigste vnmaßgeblige 33meinung geweßen, das der Deütschmeister solche in 34seiner durchreis alhier, wan er zue der armade geht, 35könte nemmen, doch steht alles zue ewer Durchlaucht gnädigstem befehl. 36Das er bis dato nit zue der armeé gangen, seint 37solche wichtige vhrsachen, das ihme soliches niemant 38vohr übel, wan ewer Durchlaucht aber werden dort ankommen 39sein, alsdan wehre ihm rüemlich seine reis, so vill 40es ewer Durchlaucht interesse aldorten, wahran gahr zue fill gelegen,
41erleidet, zue beförderen, dan er noch genuech zue duen 42wirt finden, das er sein guette conduite vnd valor 43wirt erzeigen können. Die cölnische vnd frankische völker 44seindt vohr 8 dagen hinunter, werden hoffentlich balt 45ankommen vnd guette dienst leisten. Zue Neüheüsel 46seint sie in füllung des graben. Die türken haben ihnen 47schon einmahl die gallerien abgebrent, seint aber 48wider bis auf den halben graben fertig, das sie balt 49hoffen den mineur anzuesezen. Die türken haben Gran 50belegert, welches aber woll versehen vnd ein brauer officir, 51des Fürst von Salm sein Obristleütnandt, mit 2000 52man darinen, warunter zwahr 300 vngeren. Er schreibt 53heraus von vohrgestren, das er sich gahr nit förchte 54vnd hoffe, so lang er lebe, wan gott nit etwas 55absonderligs verhengen solte, sollen die türken nichts von 56Gran bekommen. Der Herzoch wirt mit ein deil der 57armeh gehn, selbiges zue sucuriren, wan sie werden 58recht daruohr angagirt sein, die übrigen bey der 59armade belegerung laßen, gott geb sein gnad, das alles woll 60möge abgehen. Zue ewer Durchlaucht vohrhabende reis, welche mihr
61woll schmerzlich vohrkumb, weil ewer Durchlaucht sich dardurch weiter 62entfernen, wüntsche ich ewer Durchlaucht vnterdehnigst allen segen vnd glükh 63von gott, der wolle verleyen, das alles nach dero selbst 64eigenen verlangen möge abgehn. Wegen der andern saghen, so 65woll wegen Beyern als Starenberg, auch der übrichen sachen, 66werden ewer Durchlaucht mit vohriger post alle antwort erhalten 67haben, weßwohl weswegen ich ewer Durchlaucht nit weiter damit 68beheligen will. Sage ewer Durchlaucht auch vnterdehnigsten dankh vohr dero 69gnädige wuntsch so wohl zue meinem nahmen als meins 70Josephls geburz dag. Wünschte nuhr, das ich vnd er 71so glükhlich möchten sein, ewer Durchlaucht einige schuldige dienst 72leisten zue können. Bitt ewer Durchlaucht vnterdehnigst vmb vergebung, 73das er heünt nit seine gehorsamste danksagung ableget, 74ist einmahl meiner vergeßenheit schuld, das die 75brif im sakh vergeßen vnd nit hinauf geben, 76mit nechstem wirt er sein schuldichkeit ablegen. 77Due mich hirmit in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen vnd werde 78sterben ewer Durchlaucht 79vnterdehnigst trewgehorsamste dochter 80EMT 81Wien den 2ten august 168582Wegen des Windischgräz ist mihr leidt, das nit ehnder 83gewust, ihr Mayestät haben vohr dismahl nuhr 6 resoluirt, 84welche schon resoluirt geweßen, eh ich ewer Durchlaucht gnädiges schreiben empfangen, wie noch zwey andre, 85wan er eins mahl solt 8 haben. Wan sich aber einmahl diese zahl vermehren würde vnd der 3+








