Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Bensberg am 20.10.1695
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenzakten 1147
Die Friedensverhandlungen laufen gut, obwohl die Friedenskonferenz auf das Monatsende verschoben werden musste. JWs Verhandlungspartnern ist bereits bekannt, was Graf Kinsky im Namen des Kaisers über einen Kompromiss geschrieben hat; JW bittet daher um ausdrückliche Richtigstellung durch den Kaiser und ein Verbot weiterer Korrespondenzen zu diesem Thema durch den Grafen Kinsky. – Ist erleichtert über EMTs Erklärung für das angebliche Wissen des Schellerer (über JWs Friedensverhandlungen). – Bittet um rasche Entscheidung über eine Materie (wohl die Verheiratung Josephs I.), zu der er Schreiben des Pater Wiser beilegt. – Hat bezüglich der Heirat des Prinzen Gian Gastone bereits früher vom Entschluss des Großherzogs berichtet, dass die Güter immer nur an einen jüngeren Sohn fallen und nicht mit dem Großherzogtum vereinigt werden sollen. Wie wenig Landgraf Georg die Schwägerin heiraten will, geht klar hervor aus seinen Reden in Wien und den lächerlichen Bedingungen, die er gestellt hat. Die Ehe zwischen der Schwägerin und dem Prinzen Gian Gastone wäre die lange gesuchte Möglichkeit, den Großherzog an das Kaiserhaus zu binden. – Landgraf Philipp von Hessen-Darmstadt möchte nicht wegen seiner Apanage gegen seinen Bruder prozessieren; JW dankt in seinem Namen für die zugesagten 6.000 Gulden und die Winterquartiere.
000120. octobris 950002copia 0003Allerdurchleüchtigiste, großmächtigiste römische 0004Kayserin etc. 0005Zue schuldigister aller vnterthänigister beantwohrtung ewer 0006kayserlichen Mayestät allergnädigsten handtbrieflein vom 8ten dises, verhallte 0007gehorsambist nicht, daß so vil daß fridensnegotium0008betrifft, alles gott ob annoch in gar guetem standt ist, ohn- 0009erachtet wegen der zueruckmarch der hessisch lunen0010burgisch und brandenburgischen trouppen durch das0011luzenburgische nach ihren quartieren die con0012ferents bis gegen endt dieses monats hat mussen0013zue mererer sicherheit und secretierung des0014negotii auffgeschoben werden, eß seye dan, daß der 0015jüngstere vnglückhllich erlittene schaden deß veteranischen 0016corpo, am aller mehristen aber die wegen eines aequiva0017lendts durch den Kinski nacher Schweden geschrieben0018er affirmativa und zwahren nomine caesaris, alß auff 0019welche sie sich fuessen werden, absonderlich dahe es schon0020bei ihnen esclattieret und handel und grosse s0021chwurichkeit und difficulteten, so schwehr zue su0022perieren liechen, so Tiberius vmb demehr praesumiert, vnd 0023mit desto mehrerem grundt vnd fundament beförchtet, alß 0024sie schon wissenschafft von dieser resolution0025haben und also nicht davon abzubringen sein werden, eß seye 0026dan ich konne ihnen von ihro Maiestet dem Keiser das0027contrarium auffweisen, vnd glauben mir ewer kayserliche Mayestät, 0028daß Tiberiodie correspondents, so der Kinski in0029Schweden sovihl diese materi anbetrifft nicht
0030wenigen seiner negotiation praejudicirt, vnd 0031währe meines wenigisten erachten nöttig, wan man anderst 0032nicht daß gantze werck verderben will, eben darumb weilen 0033der Kinski nichts von meiner negotiation weis und0034auch nicht wissen solle, daß derselbe hinfuro0035in dieser materi gahr nichts mehr auch nur0036im geringsten handele, sonsten wirdt eben durch die 0037vnwißenheit der Kinski, dabey es dan sein vngehinderte 0038verbleiben haben muß, mir die sowohl incaminirte sach völlig 0039verderbt. Bitte dahero vmb gottes willen vnterthänigst ihme 0040alles correspondieren in dieser materie, eß seye auch, wohin 0041eß imer wolle, in gnaden zue inhibiren, vnd bin ich gahr 0042nicht hoffärtig drauff, daß auff dieße weiße daß meiner 0043seits so heilig gehalltene secretum heruorscheine, mich im 0044übrigen auff meine vorige in dieser materia an ewer 0045kayserliche Mayestät abgelaßene vnterthänigiste berichtere, mit 0046dero gnädigster erlaubnuß gehorsambist beziehent, vnd mei- 0047ne in hac materia darinnen vnterthänigst enthalltene 0048bitte anhero alle widerhollendt. Sonsten ist mir wohl 0049vnerhört lieb gewesen von ewer kayserlichen Mayestät anjezo zue 0050vernehmmen, worinnen deß Schellerers praetendierte- vnd 0051geprogelte wißenschafft von diesem ganzen negotio 0052entstehet, vnd werde ich mich dero gnädigstem befelch ge- 0053meeß hierinfahlß gehorsambist verhallten, vnd gegen 0054alle dergelichen leüthen auff mein laugnen fallen, 0055daß ich möchte schwartz werden. Deß Pater Wisers
0056betreffent, geruhen ewer kayserliche Mayestät auß neben gehenden 0057beylagen allergnädigst zue ersehen, waß derselbe an mich 0058so wohl, alß an meinen Hoff Cantzlern derentwillen schreibet, 0059warauff ich ewer kayserlichen Mayestät allergnädigste fernere, vnd 0060schleünige resolution in aller vnterthänigkeit erwahrte. 0061Meinen schwagern den Prencipe Gastone di Toscana betreffend 0062muß ich mich zwahrn in allem contentieren, wie eß ewer 0063kayserliche Mayestät haben wollen, wan dieselbe aber allergnädigst zue- 0064ruckhdenkhen wollen, auff weme die vom herrn Groß- 0065herzogen von mir vnterthänigst überschribene resolution, 0066daß nehmblichen die güeter allezeit auff einen cadeten fallen 0067sollten, vnd nimmermehr dem großherzogthumb incorpo- 0068riert werden, so werden sye sich annoch gnädigst erinneren, 0069von weme dan diese difficultet ewer kayserlichen Mayestät beyge- 0070bracht worden seye, vnd villeicht die alienation vnd opinia- 0071tretet deß Kinßky, nicht so gahr lehr mehr finden; basta! 0072Ich bitte nur dieses, daß ewer kayserliche Mayestät mir allergnädigst ver- 0073sprechen wollen, daß sye wenigstens in dießem heurathß 0074weesen, nicht allein nicht hinderlich sein wollten, sondern den- 0075selben auch nit vngehrne sehen, nachdemahlen sye doch sich vor 0076den liebsten Prencipe Giovanni Gastone reputation halber 0077nicht impegnieren können, noch wollen, vnd daß wanß (wie 0078ewer kayserliche Mayestät ich vnterthänigst hiernechst klahr erweisen 0079werde) mit dem Lanndtgraffen Georgen völlig auß ist, come 0080effettivamente è, sye alßdan, wie dieselbe mit Parma, 0081nach deß herren Herzogen von Modena abstandt, auch gethan,
0082obgemeintem meinem herrn schwagern ebenfahlß verhülfflich zu disem 0083heürath sein wollen, so bin ich gantz consolieret, vnd content. 0084Nun darauff zu khommen, daß es mit dem Lanndtgraffen 0085auß seye, erlauben mir ewer kayserliche Mayestät allergnädigst zuemell- 0086den, primo daß zu einem heürath der consensus mutuus von 0087ihme, vnd ihr requiriret werde, waß sye anlangt, obwohlen 0088sye es nicht positivè abgeschlagen, so hat sye auch doch noch 0089nicht darin verwilligen wollen, ergo so ist es bey ihrer seiten 0090noch khein impegnio dahe, waß secundo ihn anlangt, laßen 0091sich ewer kayserliche Mayestät nur informieren, waß er in der statt 0092Wien von dieser heürath selbsten geredet, auch gegen mei- 0093nen brudern dem Pfaltzgraffen Carl, vnd dem Landtgraffen 0094Philipps seinem aigenen brudern gemelldet, so werden sye 0095clarè sehen, daß er sye nicht mag, ergo so seindt ewer kayserliche 0096Mayestät seiner seiten außer allem impegnio. Vnd ist gewiß, 0097daß ihrer beyder humor è diametro sich contrariieren, vnd 0098also nur eine vnglückhseelige ehe gestifftet würde, vnd 0099waß heißen anders des Lanndtgraffen lächerliches propo- 0100sitiones, daß er nehmblich mit der condition sye zue nehmmen 0101sich endtlichen resolvieren wurde, wan sye ihme erstlich 0102maister ließe sein über alle ihre güetter, oder daß ihro 0103Mayestät ihme so eine großen pension gebeten, daß er ihrer 0104güeter nicht vonnöthen, alßdan wollte er sich wohl endt- 0105lich resolvieren, 3 oder höchstens 6 tag im ganzen jahr 0106bey ihr zuebleiben, aber auch nicht mehr, vnd laßen sich auch 0107ewer kayserliche Mayestät vnterthänigst referieren, die schöne entrev- 0108ue, vnd complimenten, so er bey meiner schwägerin gehabt, 0109so in nichts anders, alß einen tieffen reverenz im eintreffen, 0110stillschwaigen, schawung auß dem fenster, ohne ichtwas zuereden, 0111angstschweiß, vnd einer ebenmäßigen tieffen reverenz
0112im zueruckhgehen auß ihrem zimmer bestanden. Waß dieses 0113nun vor beyderseitige indicia zue einer mutuellen inclina- 0114tion seye, laße ich ewer kayserliche Mayestät selbsten allergnädigst 0115höchsterleücht judiciren, muß also villmehr auß allen dero- 0116selben angefüehrten ragioni nur dieses schliesen, daß 0117ewer kayserliche Mayestät diesen heürath, weiß nicht aus waß vhr- 0118sachen, nachdemahlen meine vnterthänigst überschriebene 0119vnwiderlegliche argumenta mit ragioni nicht vmbge- 0120stoßen werden können, nicht gehrne sehen, so ich ja gahr nicht 0121hoffen will, dahe doch dieselbe den grösten vortheil dabey 0122vnvermeinlich haben. Man thuett ja alles vnd bemühet 0123sich so vill den Großherzogen in ihro Mayestät des Kaysers 0124interesse zueziehen, vnd wurde große spesen anwenden, 0125wan man eß erlangen könnte, vnd anjezo dahe es ihro Mayestät 0126ohne die geringste spese vmbsonsten, vnd ohne einzige gefahr 0127in händen haben, will man nicht, vnd suechet es villmehr 0128zue hinderen, vnd daß solle nicht heischen der schwägerin 0129leges vorschreiben, vnd sye alß ein pupill zue tractiren. 0130Ich gebe mich gehrn gefangen, dan daß ist mir zu hoch, 0131haben also hierüber nichts anders zuethuen, alß ewer kayserliche 0132Mayestät allervnterthänigst zuebitten, vnd durch alles, waß ihnen 0133im himmel, vnd auff erden am liebsten ist, auffs höchste zue 0134conjuriren, meiner hieroben angezogener, in höchster billich- 0135kheit bestehender bitte allergnädigst in allem zue willfahren, 0136vnd mich ehistens durch dero gnädigstes hanndtbriefflein damit 0137zue consolieren. 0138Waß den Lanndtgraffen Philipps anlanget, tragt derselbe
0139scheü gegen seinen brudern wegen deß ihme der religion halber 0140vorenthalltenen appanaggi zueklagen, derentwegen er 0141mich dan ersuechet, eß ewer kayserlichen Mayestät wie ich gethan vnter- 0142thänigist zue hinterbringen, vnd dieselbe vmb dero mäch- 0143tigiste protection zue implorieren, vnd noch weniger will 0144er sich in einen process derenthalben mit seinem bruder 0145einlassen, nachdemahlen alles auß anstifftung der mutter 0146geschiehet. Waß sonsten die religion anlanget, 0147bleibt er zwahrn beständig, allein muß man ihne, so vill 0148möglich hüeten, daß er nicht zue der frau mutter khombt, 0149alß welche ein großes ascendent über ihne hat, vnd können 0150ewer kayserliche Mayestät sonsten sicher glauben, daß er gewißlich so 0151guet catholisch ist, alß man sein khan. Wegen der ihme 0152gnädigst zuegelegten 6000 gulden vnd assignierten winder quar- 0153tieren erstatte ich in seinem nahmen vnterthänigst fueß- 0154fälligen dankh, vnd thun dieselbe damit ein krohn im 0155himmel verdienen, er aber wirdt suechen mit seinen 0156treüesten diensten vnd aigenem blueth zue demerie- 0157ren, vnd sich desto mehrer im glauben sich zue befästi- 0158gen, dan nicht alle haben die gnade, daß sye miserie 0159vnd hunger leiden wollen deß glaubens halber, wie eß 0160wohl sein sollte, eß heißet spiritus quidem promptus 0161est, caro autem infirma, daß also ewer kayserliche Mayestät 0162ein wenig compatieren müssen. 0163Sonst will ich hoffen, dero kräfftige recomendation 0164wegen der bewussten persohn an den herrn Teütschmaistern 0165werde einen gueten effect gebähren.
0166Sonsten habe ich nochmahlen wegen des ehrliche Christian Au- 0167gust zu Sachßen, wegen erlangung einiges bischthumb in den 0168kayserlichen Erblanden, biß daß er im Reich accomodirt ist, vnd ein 0169anders erhallt, nochmahlen v gehorsambste innständigiste er- 0170innerung thun wollen, mit vnterthänigster bitt, mir ein 0171gnädigst willfährige resolution ehistens zue überschickhen, 0172damit ihne in etwas consolieren könne. 0173Schließlichen allergnädigste frau, muß ich mit gantz be- 0174trüebestem herzen ewer kayserlichen Mayestät klagen, vnd mein 0175inniglichistes anligen zue dero gnädigsten füeßen, vnd mütter- 0176lichen schoß legen, mit vnterthänigster bitte, wegen deß 0177gemeinen weesens, vnd meines allergnädigsten liebsten 0178Kaysers, vnd herrn dienst, absonderlich in gegenwehr- 0179tigen frangenti nicht zue verlassen, sondern dero mächtig- 0180ste protection zue verleyhen. Eß ist jeder männigklich 0181bekhannt, mit waß prontezza, eüffer vnd willfährig- 0182kheit ich die, zue meiner hienidigen landen mehreren 0183sicherheit, vnd defension mit so großen kösten vnd mühe 0184geworbene- vnd biß dato richtig bezahlte, vnd erhalltene 0185ansehentliche mannschafft zue ihro kayserlichen Mayestät vnd des 0186gemeinen weesens dienst aller ohrten, wo man sye hin ver- 0187langet, emploiiren, vnd zu solchem ende, damit ich die 0188hännde so vill freyer hette, vmb selbige mit sicherheit 0189meiner hienidigen landen aller dienlicher ohrten, 0190hin verwenden zue können, auff einständiges ersuchen 0191vnd einrathen des König Wilhelm in Engellandt die 0192franzößischen contributionen mit dem feindt eingangen,
0193mit der vertröstung, versprechung- vnd hoffnung, so wohl 0194vom König, alß vom Marggraffen Louis von Baaden Liebdten, 0195daß ich nit allein vom kayserlichen magazin vor dieselbe so 0196winters, alß sommers mit brodt- vnd fourage (von welchen 0197mir wohl von dreyen campagnien hero bey 300.000 reichstaler ruckh- 0198ständig verblieben, vnd dardurch ein vnbeschreiblicher 0199schaden zuegefüeget worden, ohne daß ich selbigen ruckh- 0200stand, ohnerachtet meine cavallerie auff deß General Lieutenant 0201Marggraffen von Baaden Liebdten anstehen, noch vmb etliche 0202companien vermehret) annoch nicht, ja sogahr nicht ein- 0203mahl eine nöthige abrechnung gehaben können (sondern 0204nebenst 100.000 gulden subsidien von beyden craysen Schwaben- vnd 0205Franckhen) an welchen dieselbe mir auch noch ein zimb- 0206liches zuruckh stehen, vnd den selben zue zahlen, nebenst 0207den lauffenden ihrem gethanen versprechen schnur 0208strackhß zuewider, gäntzlich auch verwaigeren, 0209so mir dieselbe so lang zahlen wollten, alß ich meine 0210trouppen am oberen Rhein wurde agieren laßen, 0211auch mit gnugsamben, vnd nöthigen quartieren solte 0212gleichß anderen mit alliierten versehen werden. Darauff 0213habe ich alles obiges nicht allein eingangen, sondern 0214meine arme trouppen auch hinauf marchieren, vnd 0215in solche postierung dieße 3 oder 4 winter hindurch 0216auff deß Marggraffen disposition stellen laßen, all- 0217wohin kheiner von allen alliierten, sowohl der conti- 0218nuirlichen vnruhigen- vnd gefährlichen exponirung 0219von deß feindts macht halber, sondern auch daß an
0220selbigen ohrten nichts, ja so gahr khein rauhes fuetter 0221vor die pferde, vnd mit harter mühe etwas obtach vor die 0222den sommer hindurch starckh strappazierte mannschafft 0223zuegehaben gewesen, hat hingehen wollen. Nachdem ich 0224nun dieses alles mit freüden gethan, vnd gehofft diesen 0225winter hindurch einige billiche ergötzlichkeit in denen 0226so wohl meritierten quartieren zue finden, wirdt mir daß 0227eine sambt den anderen vnverhoffter dingen gäntzlichen 0228abgeschlagen, vnd mir meine abgemattete, vnd ruinirte 0229auch eüßerist strappazierte miliz wider naher haus 0230angewisen, mit dem vermellden jedoch, ich solle sye gegen 0231künfftigen früheling widerhinauff schickhen. Wie schmertz- 0232lich mir nun dieses contratempo fallet, lasse ich ewer kayserliche 0233Mayestät vmb demehr allergnädigst considerieren, alß ich ver- 0234hofft gehabt wegen meiner so uninteressierten, vnd 0235willigist gelaisteten treüesten diensten, wohe nicht eine 0236billiche recompens, wenigistens einige ergötzlichkeit der 0237quartieren zue erhallten, vnd daß man mir noch danckh 0238dauor weisen würdt. Ich habe dahero also gleich befohlen, 0239ohne weiteren anstandt abzue marchieren, alles zu eva- 0240cuiren, vnd sich hiehero zue verfüegen, allwoh ich 0241die trouppen zu erwehnung der den franzosen wider 0242weigernden contributionen (dan beydes zuebestreiten 0243gahr vnmöglich fallet) auff die gräntzen verlegen 0244werde, erfolglich nicht mehr im standt sein, selbige
0245anderwehrtig, wohe die noth es erfordern wirdt, emploiiren 0246zu können, khan auch solcher gestallten kheinen mann 0247mehr mißen, dan ich alles brauchen werde zur de- 0248fension meiner armen lannden. Bitte dahero ewer kayserliche Mayestät 0249allervnterthänigst dieselbe geruhen wollen, meinen armen 0250trouppen guete- vnd gnuegsambe quartier nebenst dem 0251richtig lauffenden- vnd verfloßenen brodt- vnd 0252fourage zuewegen zuebringen, oder aber an statt 0253der quartieren nebenst dem obgemellten lauffenden 0254vnd verfloßenen ruckhstandt vom brodt vnd fou- 0255ragen eine richtige wohl eingehende assignation 0256von 3 oder 400.000 gulden oder aber, wan man daß brodt 0257vnd fourage auffrechnen will, neben denen allergnädigst 0258zuegelegten 150.000 gulden vnd dem ruckhstandt der fourage 0259vnd brodt 6 oder 800.000 gulden an einem richtigen vnd sicheren 0260ohrt, allwo man mit der bezahlung nicht zuewahrten 0261vnd anderen nach lauffen muß, anzueweisen, so will 0262ich alle meine trouppen droben am Rhein stehen lassen, 0263vnd selbsten mit allem versehen, widrigen fahls wollen 0264mir ewer kayserliche Mayestät nicht vngnädig nehmmen, wan 0265ich meine trouppen herunter ziehe, solche mesures nehmme, 0266wodurch ich selbige, vnd mein armes landt salvie- 0267ren könne, vnd nimmermehr einigen mann abfolgen 0268lasse, so mich sicherlich vmb demehr in dem innersten 0269meines herzens betrüeben würde, alß ich niehe kheine
0270größere passion, vnd ambition gehabt, vnd noch 0271habe, dan in der thatt würcklich erzeigen zu können etc. 0272Benßberg den 20ten octobris 1695. 0273Postscriptum Meine hertzallerliebste gemahlin leget sich zue ewer 0274kayserlichen Mayestät füessen, vnd erstattet vor dero gnädigsten 0275grueß vnterthänigisten danckh, mit bitte, daß sich 0276ewer kayserliche Mayestät ihrenthalber nicht g die geringste 0277subjection machen wollen, sondern sye nach dero 0278gelegenheit begnädigen, absonderlich mit dem heürath 0279ihres brueders, so sye vor die gröste gnade achten wirdt, vnd 0280mit ihren treüesten diensten, vnd vnauffhörlichen 0281gebett abdienen. 0282An 0283ihre Mayestät die Kayserin 0284von 0285ihrer churfürstlichen Durchlaucht aigenhändig also abgangen.








