Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 05.08.1711

Österreichisches Staatsarchiv Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Staatenabteilung, Palatina 48, Fasz. 1

KonzeptSchreiber

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1An 2herrn Churfürsten zu Pfalz 3den 5ten augusti 1711 4colatur cum postscriptum celsissimo 5Principi Trautsonio et 6excellissimo domino Comiti 7Wratsilavio. 8expeditur Zaunermeyr

9praemissis praemittendis 10Ich hab ab eüwer Liebden freünd- 11brüederlichen schreiben von 23ten 12passato ersehen, aus was beweg- 13ungs ursachen sie wegen ab- 14stellung der österreichischen veld- 15post eine abermahlige freünd- 16liche erinnerung thuen wollen, 17in meinung, das hierdurch der 18üblen nachfolge anderer hochen 19allierten, wie auch denen dessent- 20wegen besorgenden weitterungen 21auff vorseyenden waahltag, 22endlich auch der prostitution 23diser österreichischen veld-post vor- 24gebogen werden könntte. 25Wollte deroselben darüber in 26freündgdgenschwesterlichen ver- 27trawen einsmahlens vorläuf- 28fig ohnverhallten, das ich dißes 29werckh, darunter ich mir in 30abweßenheit des Königs meines 31herrn sohns allein ichtwas zu 32verhengen nicht wohl getrawe, 33mit dem hier bestellten königlichen


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34ministerio des nächstens be- 35rathschlagen, und dan den 36endtschluss des Prinzen von Savoyen 37Liebden zuesenden, vnd sie an- 38weisen werde, mit eüwer Liebden 39sich darunter zu vernemmen, und wan 40je das vom Graffen von Goes 41vorgeschlagene temperament noch 42weitters wollte verworffen werden 43in sachen ein endliches zumachen. 44Inmittelß bleibt mein vertrawen 45zu eüwer Liebden vest gesezt, sie 46werden in sachen darinne biß dahin nichts 47unternemmen, und schliesslich ver- 48sichert sein, das ich beständig verharre 49Wien den 5. augusti 1711


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50Postskriptum 51zum hand-brieffel an 52Churfürsten zu Pfalz 53vom 5ten augusti 1711 54expeditur Zaunermeyr

55Postskriptum 56Was sonsten eüwer Liebden in dem 57Postskriptum vom eodem dato jhrem schreiben 58wegen des von König in Pohlen 59und Churfürsten zu Sachßen 60anfangs verwaigerten, dochend- 61lich mit-beliebten kürzeren waahl 62termins beyruckhen, und das dise 63verlängerung vermuethlich aus der 64absicht seiner Liebden Chur-Prinzen 65bey vorstehender waahl eines 66römischen Kayßers zugleich zu einem 67römischen König zuerheben entstanden 68sein möchte, derentwillen eüwer 69Liebden sich auch auff die zu Rom 70machende muethmassung be- 71stärckhen, darab erkenne abermahlß zu meinem sonderbahren trost ihre grosse gegen mir vnd dem ertzhauß zu beständig zutragende grosse neigung,darumben sage dero- 72selben auch darfür freünd-schwesterlich danckh vnd73werde auch dem König meinem 74herrn sohn dise absonderliche 75freünd sorgfallt ig erinnerungen 76anzurühmen ohnvergessen sein. 77Die sach selbst aber belangend, 78wiewohlen in dergleichen fällen


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79nichts zu verachten, und die mueth- 80massung gemeiniglich für die 81wahrheit genommen zu werden pflegen; 82So gestehe doch eüwer Liebden offenhertzig das 83mich dises gar nichts anfichte, 84und ich alle deßhalben von Rom herkommende nachrichten vielmehr für müessige 85gedanckhen der römischen höfflinge alß eine wahrheit86hallte, auch dessen desto begrün- 87tere ursach habe, alß neben anderen bedencken in sachen, 88wie eüwer Liebden wohl erinneren, 89ohne deren herren churfürsten 90vorwüssen und einwilligung nichts 91geschehen kan, die heütige umbstände 92aber also beschaffen seind, das von 93keinem derenselben, das er ohne 94noth und nuzen, und mit gefahr 95einer allgemeinen zerrüttung 96darein gehelen wolle, aus seinen 97bekanntten ursachen vermuethet 98werden diese bewandtnuß auch das Königß in Pohlen Liebden nicht verborgen sein kan. Es verbleibet 99gleichwohlen eüwer Liebden das nicht allein100verdienst und lob, das sie mir 101hierunter ihre dißfallige sorg die erhaltene nachrichten102fälltige gedanckhen und was verborgen sein möchte zu meiner 103absonderlichen danckhnemmigkeit


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104in der enge eröffnen wollen, sondern ich ersuche dieselbe auch angelegentlich, mir ferners nichts zu verheelen, was ihro hierunter oder sonsten in dem wahlwerck zu kommen vnd mir einiges licht geben könte.105Dero dabenebens, wie in literis 106verbleibe. 107Wienn den 5. augusti 1711.


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108dato 5 augusti 1711

109An 110Churfürsten zu Pfaltz. 111den 5ten augusti 1711 112Postskriptum vom 5ten dito.