Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 06.04.1709
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10
1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzlibster herr bruder 2Der herzuenahender geburzdag gibt mihr anlaß, dero Liebden von 3grundt meines herzen dern vnzahlbaar mitt allen 4selbst verlangten contento anzuwüntschen. Der almech- 5tige wolle dero Liebden mitt allen erdenkhligen segen, gnaden 6vndt glükhsehlichkeiten überheüfen, vmb welchs in nach 7meiner schwachen andacht instendig bitte. Mihr aber wolle er8gelegenheit geben, dero Liebden in der daht mer als mit 9worten meine bestendige schwesterlige lieb zue erweißen, 10mit deren ich bis ins grab verbleiben werde 11dero Liebden 12getreweste schwester 13Eleonora 14Wien den 6ten aprill 1709
15Postscriptum Auch, herzlibster herr bruder, bitte nochmahlen vmb vergebung, 16wan ich in mein lezten schreiben mich alzu offenherzich 17explicirt. Ist gewis geschen aus lautter lieb vndt 18verlangen zue aufnahm vndt bester einikeit 19beder haüßer. Darumb ich dan nochmahlen dero Liebden inni- 20klich bitte, das wan so was vohrfallen duet, dero Liebden 21zueuohr, ehnder sie resolutiones faßen oder einige 22demonstration duen, mihr dero beschwerden vnd verlangen zue 23comuniciren. Versicher dero Liebden, das ich mich zu dero 24dienst nach allen krefften anwenden werde, bin 25auch versichert von der lieb vnd hochschäzung, 26so mein geliebster sohn, der Keiser Mayestät, vohr dero Liebden bestendig 27hatt, das er alles möglige gern duen vndt 28condescendirn wirt, dero Liebden in allen deren verlangen 29möglist zu contentirn. Ich aber bleib vt in literis.


