Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Favorita am 22.08.1699
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6
1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Ich hab dero liebst schreiben vom 1ten vndt 11ten dis woll empfangen. 3Frewt mich dero gutter wohlstandt zu vernemmen, 4wüntsch dero Liebden ein glükhlige reis in die Pfalz vndt 5mehrer satisfaction aldorten als von dern vohrläufern 6vndt dennen nachbarn zu hoffen. Ihr Mayestät haben gleich 7dise expedition vortgeschikt, gott gebe, das es den efect 8erlange. Die nachricht von Brüßel kombt hierbey 9zurukh, ihr Mayestät, mein Keiser, haben sich in dises den 10Curfürsten betreffendt nie gemischt, diser auch nie 11zu ihr Mayestät recouriret, also haben ihr Mayestät auch das 12werkh laufen laßen vndt sich nichts darin gelegt.
13Wegen Engelandt vndt Holandt duet man, was man 14kan, sie auf ein beßeren weg zu bringen vndt 15dise gedanken, so man haben mochte, zu verhindern. 16Wan dero Liebden vnter der hantt was darbey duen können, wirt 17es gahr gutt sein. Von Rohm lauten die heüntige 18brif noch gahr nit beßer, der Papst hatt gesacht, 19er bleib fest bey seiner ersten resolution, die sey 20schon fest gestelt quia sic visum est spiritui santo et nobis, 21ich hoff, dero Liebden remonstrationes werden etwan einen beßern 22effect erhalten. Die Vogtin betreffendt mues ich bekennen, 23das ich auf sie geraten, wie ich es dan auch dero Liebden geschriben, 24aus vhrsachen, das ich sie hier hab sehr loben hören vndt 25sie sehr mortificirt ware wegen ihrer schwester conduite, auch 26iezt in der lezten krankheit ihren man mit solcher lieb vndt 27fleis gedient, das nit anderst als zue loben gewest. Also 28weis ich nit woll, wie ich iezt dise reccomendation an 29bruder Carl wider zuerukh nemmen soll vndt was ich 30vohr ein vhrsach deßen solle vohrwenden. Wan sie dero Liebden 31nit anstendig, geben sie ihr ein man, mit dem ist alles
32richtig, sie ist doch von gutten haus, so wirt sich woll einer 33vohr sie finden. Hierbey überschike ich dero Liebden, was ihr Durchlaucht, mein 34geliebste fraw mutter, mihr dise post überschriben, auch, was 35ich widerumb darauf geantwort. Vndt seh ich 36einmahl kein anders mittel, ihr Durchlaucht von diser in- 37tention abzubrengen als das bruder Carl sich drein mischet. 38Nit, das es ihm vill helfen wurde, aber nuhr ihr Durchlaucht 39von disen gedanken zu brengen, dan ich niks drin duen kan, 40dan wie dero Liebden sehn, so sagen ihr Durchlaucht, es geh mich niks an, 41wie es auch wahr ist, dan das nuhr dero Liebden antrift, vndt 42können sich dero Liebden auch mit niks ausreden als dan die vnter- 43dahnen derwider vndt das der garten, so ihr Durchlaucht verlangen, 44zue dem witibsiz gehört, der einer vom haus wirt 45angewisen werden. Das wirt aber nit vill aus geben, aber wan 46bruder Carl sie schen bitt, das sie dis, was sie dem closter 47will geben, ihm soll geben, vndt der Bischoff von Augschpurg 48ihm hilft bitten, so glaub ich, last sie sich übereden. 49Es ist zwar nit vill vndt wirt bruder Carl nit vill helfen, 50aber wan sie hin kommen, werdens alleweil ihr Durchlaucht mehr 51abbettlen, so bleibts aufs wehnigst im haus, es sey her-
52nach wehnig oder vill. Ich bitt hierauf schleünigste 53antwort, damit ich bruder Carl schreiben kann, dan wan mans 54nit balt duet, wirts hernach nit mehr angehen. 55Hier seint mihr ganz zerstreüt, mein kleine Maria 56Madlenrl hatt die blattern bekommen, so ist mein 57sohn, der König, mit seiner gemahlen hir wek, wirt in ein 58garten, die andern kinder in der Burg vndt mihr 59herauß, auch ganz separirt von der kranken. Gottlob, 60bis dahto gehts noch gutt, ich hab mein ganz vertraun 61zu vnser sehligen Pater Marco, welcher ein dag zu vohr 62gestorben, als sie ist krankh worden, vndt glaub festiglich, 63er wirt von gott erbetten, was sein heiliger will ist. Mit disen due mich dero Liebden 64befehlen vndt werde sterben 65dero Liebden 66getrewste schwester 67Eleonora 68Fauorita den 22ten august 1699
Beilage
69extract 70Es schmerz mich die forcht, so ich habe, ewer Durchlaucht vngnade verdient 71zu haben, in dem ich alzufrey mein vnterdehnigste meinung geschrieben 72habe. Hette michs woll auch nit vnterstanten, 73wan ewer Durchlaucht mihr nit gnädig befohlen hetten, meine 74meinung zu schreiben, so ichs halt aus vnterdehnigsten gehor- 75sam gedan. Wurde mich sonst woll deßen nit 76vnterstanden haben oder mich darein zu mischen 77oder etwas wollen daran zu hindern, dan ich woll weis, 78daß es mich nit angeht. Ewer Durchlaucht können auch dun, 79was sie gnädig wollen, vndt wirt mihr ia alles alzeit 80müeßen recht vndt lieb sein, was ewer Durchlaucht gnädig 81disponiren werden, werde auch den Curfürsten nie wehrn, in 82sein landt zue dun, was er will. Wan er aber mein 83meinung begert, hab ich ihms halt geschrieben, das ein 84sach, so woll zue überlegen, obs weder vnterdahn 85noch kein andren zu preiudiz. Das wirt er aber schon selbst 86beßer wißen, also ich mich darin nicht zu mischen hab, vndt 87verlange nichts mehr, als in allen ewer Durchlaucht satisfaction. 88Wirt mihr alzeit recht sein, als was ewer Durchlaucht in disen vndt 89andern, nit allein dort, sondern auch mit mihr desponirn vnd befehlen werden.








