Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 16.06.1696

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

AbschriftSchreiber

Bittet um rasche Beantwortung der Fragen seines Kanzleischreibens bezüglich der Friedensverhandlungen und des dänischen Heiratsprojekts. – Hofft, dass das neu angeworbene Regiment inzwischen in Wien angekommen ist. Bittet um Protektion beim kaiserlichen Proviantamt, damit ihm die ausstehenden Zahlungen zum Unterhalt seiner Truppen für 1695 und 1696 und die versprochenen Subsidien bezahlt werden. Da er seine schöne Infanterie zu Gunsten des nun nach Ungarn geschickten Regiments ruiniert hat, wird er sie erst im kommenden Jahr wieder einsetzen können; schickt ohnehin drei Kavallerieregimenter mehr als Bayern ins Feld. – Empfiehlt den Grafen Althann für eine Propstei und den Grafen von Liechtenstein wegen einer oberösterreichischen Geheimratsstelle. – Verweist bezüglich der Neubesetzung der Reichsvizekanzlerstelle auf sein Schreiben an den Kaiser .

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000116. junii 96 0002copia 0003Allerdurchleuchtigiste etc. 0004Waß ich mit nebengehenden vnterthänigstem cantzley 0005schreiben berichtern in materia pacis und der mit0006dem d' Harcourt gehalltenen conferenz sowohl, alß 0007in der danischen heyratssach mit übersendu0008ng des portraits der daselbstigen prin0009zessin gehorsambist sambt meines Hoffcanze0010lers relation über die obangezogene confe0011renz anzufragen mich gemüeßiget befunden, daß geruhen 0012ewer kayserliche Mayestät allergnädigst darauß zue ersehen und mir0013dero gnedigste resolutiones umb sovil sch0014leiniger allergnädigst zue zue schickhen, alß der d' Harcourt 0015der endtwegen aigentlich sozusagen ohne commando oder0016empoy zue Trier auff weitere resolution wartet, 0017der Douuen auch sambt dem Schonjans ehister tagen mit 0018den portraiten wider hier sein werden, vnd dan jezunder daß 0019eissen geschmidt werden muß, weilen eß noch warm. Bitte 0020auch aller vnterthänigst, mir eine wenige gnädigste apertur 0021zuegeben von deß Couvenges negotiation zue Inßruckh. 0022Waß der Callier angebracht wirdt zweiffels ohne der 0023Graff Caunitz vnterthänigst berichtet haben, von welchem 0024ich gleichfalls einige gnädigste communication zue meiner 0025nachricht undt umb mich darnach in der negotiation0026mit dem d' Harcourt darnach regulieren zu können. 0027So vill daß neü angeworbenes regiment betrifft, hoffe ich 0028gäntzlich, eß werde nunmehro selbiges glückhlich zue 0029Wien angelangt sein, vnd ewer kayserliche Mayestät darab 0030ein satsames allergnädigstes contento gehabt, vnd darauß


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0031gnädigst erkhennt haben, mit waß eiffer ich mir dero 0032allergnädigste befelchere lasse angelegen sein. Dahero ich 0033dan auch vnterthänigst vmb gottes willen fueß fälligist 0034bitte, wegen des dabey gelittenen so grossen schadens, wegen 0035meiner trouppen dero mächtigiste protection mir 0036allergnädigst dahin zue verleihen, daß nachdemahlen ich 0037zuebezeigung meiner vnterthänigsten devotion wegen 0038der vom kayserlichen proviant-ambt mir ruckhständiger 0039so großen summa, ich mich auff selbig mit 200.000 gulden conten- 0040tieren lassen, auch fürs künfftig von continuation 0041der 150.000 gulden allt versprochener subsidien desistiren will, 0042mir erstlichen die sowohl im jahr 1695 ad 150.000 gulden alß 0043in diesem 1696ten den 11ten aprilis auffs neüe verfallene 0044150.000 gulden anjezo gleich bezahlt werden. Zu erhalltung meines 0045credits zweytens die 200.000 gulden von ruckhständig commiss- 0046vnd fourage sowohl, alß 300.000 gulden zue recroutier- vnd re- 0047montierung meiner trouppen jährlich gnädigst bewilligte 0048subsidien nicht allein auff daß 1697te jahr würcklich 0049an guete öhrter angewisen, sondern selbige assignationen 0050auch an den ohrten, wohe sie hin verwisen werden, würcklich 0051acceptiert werden, auff daß ich gellt darauff negotieren 0052könne, dan an der acceptation ihro Mayestät dem Kayser 0053doch nichts abgehet, indeme die gellter doch nit ehender 0054alß im künfftigen 1697ten jahr bezahlt, vnd von den 0055einnehmmeren erhebt werden, die 15.000 reichstaler mohnatlich vor 0056commiss- vnd fourage mir auch an gewise ohrt assigniert, 0057vnd dauon gleich ein mohnat paar anticipato nach 0058geschloßenem recess erlegt werde, so baldt ich meine 0059trouppen an marchieren lasse. In betracht ich meine 0060aigene mesnage, vnd magazinen formieren, vnd machen


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0061will, dauon mir aber so wenig, alß von obgenannten 300.000 gulden 0062subsidien, in ansehung ich meine infanterie solcher 0063gestallt vmb ewer kayserlichen Mayestät mein wohrt wegen 0064deß anjezo in Hungarn geschickten vnd dem herrn Hoch- vnd 0065Teütschmaister gegebenen regiments zuehallten, 0066vnd selbiges zue completieren, ruiniert, daß ich 0067diesen ganzen sommer hindurch gnug werde zuethun 0068haben, wan ich auch schon alle gelltere richtig bekhomme, 0069selbige zue completieren, damit ich sie auffs jahr 0070völlig completter inß feldt stellen könne, nichts abzu- 0071ziehen bitte. Herentgegen versprich ich ewer kayserlichen Mayestät, 0072daß ich auffs jahr die versprochene 6000 man 0073ohne den geringsten abgang inß feldt stellen werde, 0074vnd zwahrn in solchem standt, daß man allerseits 0075höchste satisfaction, vnd guete dienste dauon haben 0076khan. Ich habe bloß vmb ewer kayserlichen Mayestät zu dienen 0077meine so schöne infanterie ruinirt, also wollen ewer 0078kayserliche Mayestät auch mich allergnädigst protegieren, 0079daß ich es derentweg nicht entgellten möge, dan eine 0080vnmöglichkeit ist, ohne totale- vnd gäntzliche ruinie- 0081rung derselben, einen man dauon inß feldt heüer 0082stellen zu können. Herentgegen mueß man auch be- 0083trachten, daß ich drey ganzer regimenter cavalleria 0084mehr inß feldt heüer stelle, alß Bayren, vnd eines der- 0085selben mehr kostet zu vnterhallten, alß zwey zue fueß. 0086Verlasse mich also gäntzlich auf ewer kayserliche Mayestät, die- 0087selbe versicherent, daß, wofern ich diese in höchster 0088billichkeit bestehende vnterthänigste petita nicht 0089erhallte, ich ohne ressource ruiniert bin, vnd inca- 0090pabel gemachet, die geringste diensten mehr laisten


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0091zue können. Schließlichen bitte ich nochmahlen vnter- 0092thänigist deß armen Graffen von Allthan wegen 0093seiner probstey, vnd deß Graffen von Liechtenstein 0094wegen der oberösterreichischen geheimben rhatts-stelle 0095vnterthänigst vorhin von mir gebettener massen 0096sich allergnädigst zuerinneren, vnd meine vnterthänigste 0097bitte, vor beyde in gnaden zuegewehren, der ich in 0098vn veränderlicher devotion lebe, vnd sterbe. 0099Düsseldorff den 16ten junii 1696 0100Postscriptum 0101Waß ich wegen ersetzung des reichß 0102vice cancellariats an ihro Mayestät 0103meinen allergnädigsten Kayser, vnd 0104herren vnterthänigst antwohrte, geruhen 0105dieselbe von ihro kayserlichen Mayestät zu vernehmmen, 0106darauff mich kürtze halber vnterthänigst 0107beziehe. 0108An ihre Mayestät die Kayserin 0109von ihrer churfürstlichen Durchlaucht zu Pfaltz also aigen- 0110händig abgangen.