Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 21.04.1697

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

AbschriftSchreiber

Dankt für EMTs Geburtstagsgratulation . – Dankt für den Abschluss der Heiratsverträge für seine Schwägerin, die verwitwete Pfalzgräfin, und den Prinzen Gian Gastone von Toskana ; ebenso für die Protektion bezüglich seiner Subsidien und für die Überlassung Ballerinis . Allerdings wird die Hochzeit nicht vor Anfang Juni einzurichten sein und der Geburtstag des Kaisers ist schon am 9. Juni; wenn es nicht anders geht, wird JW aber sein Fest gerne opfern. - Dankt für die kaiserliche Unterstützung des Grafen (Johann Ernst) zu Nassau-Weilburg ; der Hofkriegsratspräsident Graf (Ernst Rüdiger von) Starhemberg hat JW über die positive Entscheidung informiert. - Hat seinen Vorschlag zur Heirat des römischen Königs (Joseph I.) mit der Mademoiselle (Elisabeth Charlotte von Orleans) nur gemacht, weil er kein besseres Mittel zum Schutz des Kaisers, des Erzhauses, des Reichs, der Allgemeinheit ("publicum") und "unserer" Religion weiß. - Bezieht sich zu den dänischen Heiratsverhandlungen auf seine vorigen Schreiben und erwartet weitere Anweisungen. - Die Teilnahme des römischen Königs am Feldzug ist unbedingt zur Wiederherstellung der kaiserlichen Autorität im Reich erforderlich; Graf (Philipp Ludwig von) Sinzendorf kann bezeugen, wie wenig der Kaiser respektiert wird. - Dankt für die Gnade, die der Kaiser dem Landgrafen Friedrich von Hessen (-Darmstadt) erwiesen hat. - Bittet EMT, ihm mitzuteilen, ob (Johann Jakob von) Hamilton sich selbst an sie gewandt und über JW beschwert hat; JW hat er gebeten, die Gründe seiner Entlassung möglichst zu vertuschen. - Erinnert an die Bitte des Landgrafen Philipp (von Hessen-Darmstadt) um Erlaubnis zur Teilnahme an der Kampagne am Oberen Rhein .

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121 aprilis 97 2copia 3Allerdurchleuchtigste etc. 4Mit deß Graffen von Zinzendorff zuruckh 5gekommenen courier, habe ich ewer kayserlichen Mayestät 6allergnädigstes handtbriefflein vom 3ten dieses 7mit tieffistem vnterthänigstem respect zue 8recht erhalten. Erstatte vor allem aller vnterthänigsten 9gehorsamsten danckh vor dero allzu gnädigsten 10glückhwunsch zue meinem geburths tag; die- 11selbe vnderthänigst versicherendt, daß ich mich 12eusserist befleissen werde, daß jenige so 13ich in denen vorigen jahren verabsaumet, dieses, 14vnd alle andere vom aller höchsten mir miltiglich 15ertheilende jahren, mit desto eifrigeren 16vnd nachtrückhlichsten allervnderthänigsten diensten 17widerumb möglichst beyzubringen. Daß 18ewer kayserliche Mayestät sonsten meine vnderthänigste bitte 19in puncto der heyratß tractaten zwischen 20meiner fraw schwägerin, der verwittibten 21fraw Pfalzgräffin Liebden vnd deß Prinzen 22Giovanni Gastone di Toscana Liebden so allergnädigst durch 23dero mägtigste protection, bey ihro Mayestät 24meinem allergnädigsten Kayser vnd herrn appoggirt 25haben, und dadurch zum höchst verlangenden 26endt gebracht, auch dero fernere allergnädigste 27protection, so allergnädigst versicheret, sonderen


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28auch meine wenige anligen so generos und 29kräfftigst wegen der subsidien, vnd sonsten pro- 30tegieren vnd treiben, dauor erstatte ewer kayserlichen 31Mayestät ebenfahls schuldigsten vnterthänigsten danckh, 32wie auch wegen der allergnädigsten concedierung 33deß Ballerini, gleichwie auch wegen deß ersteren 34das ganze haus Toscana nicht allein auf den 35höchsten grad sich deuincieren, sondern von dero- 36selben auch völlig dependent machen, vnd un- 37auflößlich verbinden, also thue ich nicht weniger 38vor alle dise drey verliehene hochste kayserliche 39gnaden, mich auff den höchsten grad verpflicht er- 40kennen, und werde selbige mit vnnachlässigen 41trewist vnterthänigsten diensten eusseristen kräfften 42nach bis auf den lezten bluetstropffen vnuer- 43änderlich zu demerieren mir höchstens ange- 44legen sein lassen. So viel sonsten den Ballerini 45anlanget, wolte ich selbigen herzlich gerne gegen 46ihro Mayestät meines allergnädigsten liebsten Kaysers 47und herrens glorwürdigstem vnd höchst er- 48frewlichen geburts tag nicht allein, sondern auch 49mit allem was in meinem geringstem ver- 50mögen ist, jahe mich selbsten, mit den grösten 51frewden der welt, zue dero allergnädigsten füessen


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52vnd disposition so willigst, als schuldigst darstellen, 53nachdemahlen aber, dero allergnädigste so willfährigste 54approbation und confirmation der obangezogenen 55heyrathß verschreibungen, etwaß späth angelanget, 56vnd der Prinz, ohnerachtet ohne einige die geringste 57zeith verliehrung, zue dessen heraus kommung 58gleich nach empfahung dero hier angezogener allergnädigster 59approbation vnd confirmation abgefertiget 60worden, wann er auch seinen eusseristen fleis ahn- 61wendete, vnmöglich vor anfangs junii hier sein 62kan, ihrer kayserlichen Mayestät glorwürdigster geburts tag 63aber den 9ten selbigen monats oder doch gar wenig 64tag darnach kommet, so laß ich ewer kayserliche Mayestät aller- 65höchsten prudenz vnd dijudicatur vnderthänigst an- 66heimb gestellet sein, obs möglich ist, daß ich den 67Ballerini gegen die gnädigst vorgeschribene zeith, 68sistieren kan. Dieses thue ich aber ewer kayserlichen Mayestät 69sancté vnterthänigst versprechen, daß, sobaldt die 70wenige festell, so in einer kleinen gesungenen 71opera, so man etwahe auffs allerhöchste 3 mahl 72repraesentieren wirt, vnd einem carosell, be- 73stehen, vorbey sein werden, ich obgemelten Ballerini 74ohne die geringste zeith verliehrung immediatè 75per posta zue dero allergnädigsten füessen beförderen 76werde. Befehlen aber ewer kayserliche Mayestät ein anders 77werde ich demselben, so schuldigst als willigst


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78ohne die geringste replica allervnderthänigst 79blindt nachkommen, und alle meine vorhabende 80festell gerne zue dero vnterthänigsten diensten und 81ehren sacrificieren. So viel sonsten den 82ehrlichen Graffen zu Nassau Weylburg anlan- 83get thue ich umb demehr ewer kayserlichen Mayestät allervnderthänigst 84fueßfälligen danckh erstatten, daß die- 85selbe dessen vnderthänigstes anligen, vnd bitt allergnädigst 86protegieret, alß ich, obwohlen nicht mit selbigem 87zue ruckh geschicktem courrier dannoch mit lezterer 88angekommener post, vom Graffen von Stahrenberg 89Hoff Kriegs Raths Praesidenten die nachricht 90nicht allein einer allergnädigst gewührigen, vnd fa- 91vorablen resolution, sondern auch, das derselbe die 92expedition ehistens überschickhen würde, erhalten, 93derowegen dann diser so erwünschter effectus 94allein ewer kayserlichen Mayestät allerhöchsten interposition 95und mächtigsten protection zuezueschreiben, vnd er 96so wohl, als ich, deroselben hierüber die gröste obli- 97gation, und verpflichtung allein tragen, so wir 98auch mit trewisten vnterthänigsten diensten abzue- 99dienen, vnß höchstens angelegen sein lassen 100werden. Waß sonsten den heyrath mit dem 101allerliebstem römischen Konig und der Mademoi- 102selle anlanget, bleibt es billigst dahin gestelt, 103waß ewer kayserliche Mayestät hierinfahls allergnädigst befehlen,


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104allein bitte ich dieselbe vnterthänigst, mir dise 105meine gethane proposition vmb deweniger 106in vngnaden zu vermerckhen, als ichs in bester, und 107auffrichtigster meinung gethan, und einmahl 108hisce rerum circumstantiis kein näheres, besseres 109noch adaequateres mittel gewust, ihro kayserliche Mayestät, 110das höchstlöbliches erzhause, daß Reich, daß publi- 111cum vnd unsere religion, auß der gar zue klahr 112vor augen ligender vnfehlbahrer gefahr vnd totalen 113revolution vnd euersion zue retten, als eben 114dises, vnd ich zum wenigsten in meinem ge- 115wissen, vnd gemüeth anjezo vmb so ruhiger, alß 116ich mein ambt, schuldigst, redtlich vnd auffrichtig, 117meinen ihro kayserlichen Mayestät meinen gewissen, vnd 118gemüeth ahnjezo v Kayser vnd dem Reich so theur 119geleisteten pflichten, nach meinem besten wissen 120vnd gewissen vertretten, vnd also extra omnem 121culpam fals es schlecht ablauffen mögte, wie 122alle apparences seind, bin, vnd mich entlich 123gerne getröste mit denen vnder zue gehen, 124von welchen ich, vnd mein chur hauß all vnsere 125auffkombst haben, vnd das jenige so wir gehabt, 126willigst sacrificiert, vnd noch ferner das wenig 127vorige trewlichst sacrificieren werden. Den däni- 128schen heyrath betreffendt, beziehe ich mich mit 129dero allergnädigsten erlaubnuß auff mein lezthin


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130abgangenen vnderthänigsten bericht, vnd dem beyge- 131füegtem extract, ich erwarthe aber stündtlich die 132entlige, vnd finale resolution, welche ich nicht er- 133manglen werde ewer kayserlichen Mayestät also gleich nach dessen 134empfang zue überschickhen. So viel die so höchst- 135nöthige campagne ihro Mayestät vnseres liebsten 136römischen König betrifft, hatt es billig bey deme, 137waß ewer kayserliche Mayestät hierinnfahls allergnädigst befehlen, 138sein vnueränderliches bewenden, obwohlen die summa 139necessitas publico, et imperii, auß vnwiderdreyb- 140lichen argumentis, auch sonsten aus anderen releuan- 141tisten vrsachen, indispensabiliter erforderet, 142vnd wann es nichts anders wehre, als die, 143leider! nuhnmehro im Reich völlig darnider- 144ligende kayserliche auctoritet, dauon ewer kayserliche 145Mayestät mehr als zu viele exempla täglich, jahe 146stündtlich vor augen sehen, vnd das disem höchsten 147muneris allein anklebendem arbitrio pacis 148et belli, wider empor zu bringen, vnd zue man- 149tenieren. Ich möchte vor mißmueth crepieren, 150wann ich nur darahn denkhe, vnd sehe, wie wenig 151vnser allergnädigster liebster Kayser und herr im 152Reich, vnd in der ganzen welt respectieret, und 153geachtet wirt, dessen der Graff von Sinzendorff 154mir gnuegsamb zeugnuß geben kan, vnd wirt, 155und wann mein allergnädigster Kayser nicht bald


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156hierzue mit nachtruckh mittel schafft, so 157werden dieselbe nichts, als den blossen titulum 158übrig behalten, vnd ganze compages Imperii 159auseinander fallen, dann kein so geringer standt 160im Reich ist, der nicht mehrere auctoritet vnd 161respect darinnen hatt, vnd braucht, als mein 162Kayser, wohe wirt daß entlich hinkommen? 163Allergnädigste fraw, ewer kayserliche Mayestät bitte ich vnderthänigst 164fueßfällig, sie nemmen mir dises mein so 165freyes schreiben nicht vngnädigst, sonderen glauben, 166daß es, ex puro, sincerissimo et fidelissimo ex- 167cessiuo (si quis esse possit) zelo vor meinen 168Kayser, und das Reich herfliesset, vnd das 169ichs, so wahr mir gott helffe, redlich auffrichtig 170vnuerfalscht, und trew mit demselben meine, 171vnd den herren liebe, als meine sehle. Vor 172die gnade so ewer kayserliche Mayestät dem Landtgraffen 173Friederich von Hessen gethan, erstatte ich eben- 174falß allervnderthänigsten danckh, der allerhöchste 175wirts zeitlich vnd ewig vnentlich vergelten. 176So viel den Hamilthon anlanget, bitte ewer kayserliche 177Mayestät vnderthänigst mir die gnade zuthun, vnd 178zueschreiben, ob derselbe die communication bey 179ewer kayserlichen Mayestät gesonnen, vnd sich über mich bey 180ihnen beschwehret, nachdemahlen derselbe mir 181selbsten bey seinen lezten audienzen höchstens


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182ahngelegen vnd gebetten, daß ich die vrsachen 183seiner dimission mögligst vertuschen solte, und 184mögte, und daß er nicht allein haubtsächlich mit 185mir content, sonderen sich haubtsächlich aller von mir 186empfangener (wahrhafftig wohl vnuerdienter) gnaden 187gar hoch und unaußlässig zue rüehmen hette. Ich 188versichere ewer kayserlichen Mayestät allervnderthänigst, daß 189dise eine der signaliertisten gnaden vor mich 190sein würde, die mir ewer kayserliche Mayestät obwohlen 191vnuerdient, thuen können, vnd ichs vor ein 192wahres kenntzeichen dero mir jederzeith be- 193zeigten kayserlichen gewogenheith, und recht inniglichen 194schwesterlichen liebe vnd affection erkennen, auch 195mich jederzeith, wie bis dato, zue dero dienst, 196gerne vnd willigst sacrificieren, vnd unver- 197änderlich ersterben werde. Düßeldorff den 19821ten aprilis 1697. 199Von 200ihro churfürstlichen Durchlaucht zu Pfaltz etc. 201ahn 202ihre kayserliche Mayestät die Kayserin aygenhändig 203also abgelassen. 204Ewer kayserliche Mayestät wollen die erlaubnuß vor den Landtgraffen 205Philipp ahm oberen Rhein die campagne zue thuen, nicht 206vergessen, dann ers einmahl mit seinen wenigen mittlen 207nicht mehr bestreitten kan.