Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 21.04.1697

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

AbschriftSchreiber

Dankt für EMTs Geburtstagsgratulation. – Dankt für den Abschluss der Heiratsverträge für seine Schwägerin, die verwitwete Pfalzgräfin, und den Prinzen Gian Gastone von Toskana ; ebenso für die Protektion bezüglich seiner Subsidien und für die Überlassung Ballerinis . Allerdings wird die Hochzeit nicht vor Anfang Juni einzurichten sein und der Geburtstag des Kaisers ist schon am 9. Juni; wenn es nicht anders geht, wird JW aber sein Fest gerne opfern.

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000121 aprilis 97 0002copia 0003Allerdurchleuchtigste etc. 0004Mit deß Graffen von Zinzendorff zuruckh 0005gekommenen courier, habe ich ewer kayserlichen Mayestät 0006allergnädigstes handtbriefflein vom 3ten dieses 0007mit tieffistem vnterthänigstem respect zue 0008recht erhalten. Erstatte vor allem aller vnterthänigsten 0009gehorsamsten danckh vor dero allzu gnädigsten 0010glückhwunsch zue meinem geburths tag; die- 0011selbe vnderthänigst versicherendt, daß ich mich 0012eusserist befleissen werde, daß jenige so 0013ich in denen vorigen jahren verabsaumet, dieses, 0014vnd alle andere vom aller höchsten mir miltiglich 0015ertheilende jahren, mit desto eifrigeren 0016vnd nachtrückhlichsten allervnderthänigsten diensten 0017widerumb möglichst beyzubringen. Daß 0018ewer kayserliche Mayestät sonsten meine vnderthänigste bitte 0019in puncto der heyratß tractaten zwischen 0020meiner fraw schwägerin, der verwittibten 0021fraw Pfalzgräffin Liebden vnd deß Prinzen 0022Giovanni Gastone di Toscana Liebden so allergnädigst durch 0023dero mägtigste protection, bey ihro Mayestät 0024meinem allergnädigsten Kayser vnd herrn appoggirt 0025haben, und dadurch zum höchst verlangenden 0026endt gebracht, auch dero fernere allergnädigste 0027protection, so allergnädigst versicheret, sonderen


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0028auch meine wenige anligen so generos und 0029kräfftigst wegen der subsidien, vnd sonsten pro- 0030tegieren vnd treiben, dauor erstatte ewer kayserlichen 0031Mayestät ebenfahls schuldigsten vnterthänigsten danckh, 0032wie auch wegen der allergnädigsten concedierung 0033deß Ballerini, gleichwie auch wegen deß ersteren 0034das ganze haus Toscana nicht allein auf den 0035höchsten grad sich deuincieren, sondern von dero- 0036selben auch völlig dependent machen, vnd un- 0037auflößlich verbinden, also thue ich nicht weniger 0038vor alle dise drey verliehene hochste kayserliche 0039gnaden, mich auff den höchsten grad verpflicht er- 0040kennen, und werde selbige mit vnnachlässigen 0041trewist vnterthänigsten diensten eusseristen kräfften 0042nach bis auf den lezten bluetstropffen vnuer- 0043änderlich zu demerieren mir höchstens ange- 0044legen sein lassen. So viel sonsten den Ballerini 0045anlanget, wolte ich selbigen herzlich gerne gegen 0046ihro Mayestät meines allergnädigsten liebsten Kaysers 0047und herrens glorwürdigstem vnd höchst er- 0048frewlichen geburts tag nicht allein, sondern auch 0049mit allem was in meinem geringstem ver- 0050mögen ist, jahe mich selbsten, mit den grösten 0051frewden der welt, zue dero allergnädigsten füessen


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0052vnd disposition so willigst, als schuldigst darstellen, 0053nachdemahlen aber, dero allergnädigste so willfährigste 0054approbation und confirmation der obangezogenen 0055heyrathß verschreibungen, etwaß späth angelanget, 0056vnd der Prinz, ohnerachtet ohne einige die geringste 0057zeith verliehrung, zue dessen heraus kommung 0058gleich nach empfahung dero hier angezogener allergnädigster 0059approbation vnd confirmation abgefertiget 0060worden, wann er auch seinen eusseristen fleis ahn- 0061wendete, vnmöglich vor anfangs junii hier sein 0062kan, ihrer kayserlichen Mayestät glorwürdigster geburts tag 0063aber den 9ten selbigen monats oder doch gar wenig 0064tag darnach kommet, so laß ich ewer kayserliche Mayestät aller- 0065höchsten prudenz vnd dijudicatur vnderthänigst an- 0066heimb gestellet sein, obs möglich ist, daß ich den 0067Ballerini gegen die gnädigst vorgeschribene zeith, 0068sistieren kan. Dieses thue ich aber ewer kayserlichen Mayestät 0069sancté vnterthänigst versprechen, daß, sobaldt die 0070wenige festell, so in einer kleinen gesungenen 0071opera, so man etwahe auffs allerhöchste 3 mahl 0072repraesentieren wirt, vnd einem carosell, be- 0073stehen, vorbey sein werden, ich obgemelten Ballerini 0074ohne die geringste zeith verliehrung immediatè 0075per posta zue dero allergnädigsten füessen beförderen 0076werde. Befehlen aber ewer kayserliche Mayestät ein anders 0077werde ich demselben, so schuldigst als willigst


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0078ohne die geringste replica allervnderthänigst 0079blindt nachkommen, und alle meine vorhabende 0080festell gerne zue dero vnterthänigsten diensten und 0081ehren sacrificieren. So viel sonsten den 0082ehrlichen Graffen zu Nassau Weylburg anlan- 0083get thue ich umb demehr ewer kayserlichen Mayestät allervnderthänigst 0084fueßfälligen danckh erstatten, daß die- 0085selbe dessen vnderthänigstes anligen, vnd bitt allergnädigst 0086protegieret, alß ich, obwohlen nicht mit selbigem 0087zue ruckh geschicktem courrier dannoch mit lezterer 0088angekommener post, vom Graffen von Stahrenberg 0089Hoff Kriegs Raths Praesidenten die nachricht 0090nicht allein einer allergnädigst gewührigen, vnd fa- 0091vorablen resolution, sondern auch, das derselbe die 0092expedition ehistens überschickhen würde, erhalten, 0093derowegen dann diser so erwünschter effectus 0094allein ewer kayserlichen Mayestät allerhöchsten interposition 0095und mächtigsten protection zuezueschreiben, vnd er 0096so wohl, als ich, deroselben hierüber die gröste obli- 0097gation, und verpflichtung allein tragen, so wir 0098auch mit trewisten vnterthänigsten diensten abzue- 0099dienen, vnß höchstens angelegen sein lassen 0100werden. Waß sonsten den heyrath mit dem0101allerliebstem römischen Konig und der Mademoi-0102selle anlanget, bleibt es billigst dahin gestelt, 0103waß ewer kayserliche Mayestät hierinfahls allergnädigst befehlen,


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0104allein bitte ich dieselbe vnterthänigst, mir dise 0105meine gethane proposition vmb deweniger 0106in vngnaden zu vermerckhen, als ichs in bester, und 0107auffrichtigster meinung gethan, und einmahl 0108hisce rerum circumstantiis kein näheres, besseres 0109noch adaequateres mittel gewust, ihro kayserliche Mayestät, 0110das höchstlöbliches erzhause, daß Reich, daß publi- 0111cum vnd unsere religion, auß der gar zue klahr 0112vor augen ligender vnfehlbahrer gefahr vnd totalen 0113revolution vnd euersion zue retten, als eben 0114dises, vnd ich zum wenigsten in meinem ge- 0115wissen, vnd gemüeth anjezo vmb so ruhiger, alß 0116ich mein ambt, schuldigst, redtlich vnd auffrichtig, 0117meinen ihro kayserlichen Mayestät meinen gewissen, vnd 0118gemüeth ahnjezo v Kayser vnd dem Reich so theur 0119geleisteten pflichten, nach meinem besten wissen 0120vnd gewissen vertretten, vnd also extra omnem 0121culpam fals es schlecht ablauffen mögte, wie 0122alle apparences seind, bin, vnd mich entlich 0123gerne getröste mit denen vnder zue gehen, 0124von welchen ich, vnd mein chur hauß all vnsere 0125auffkombst haben, vnd das jenige so wir gehabt, 0126willigst sacrificiert, vnd noch ferner das wenig 0127vorige trewlichst sacrificieren werden. Den däni-0128schen heyrath betreffendt, beziehe ich mich mit 0129dero allergnädigsten erlaubnuß auff mein lezthin


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0130abgangenen vnderthänigsten bericht, vnd dem beyge- 0131füegtem extract, ich erwarthe aber stündtlich die 0132entlige, vnd finale resolution, welche ich nicht er- 0133manglen werde ewer kayserlichen Mayestät also gleich nach dessen 0134empfang zue überschickhen. So viel die so höchst- 0135nöthige campagne ihro Mayestät vnseres liebsten 0136römischen König betrifft, hatt es billig bey deme, 0137waß ewer kayserliche Mayestät hierinnfahls allergnädigst befehlen, 0138sein vnueränderliches bewenden, obwohlen die summa 0139necessitas publico, et imperii, auß vnwiderdreyb- 0140lichen argumentis, auch sonsten aus anderen releuan- 0141tisten vrsachen, indispensabiliter erforderet, 0142vnd wann es nichts anders wehre, als die, 0143leider! nuhnmehro im Reich völlig darnider- 0144ligende kayserliche auctoritet, dauon ewer kayserliche 0145Mayestät mehr als zu viele exempla täglich, jahe 0146stündtlich vor augen sehen, vnd das disem höchsten 0147muneris allein anklebendem arbitrio pacis 0148et belli, wider empor zu bringen, vnd zue man- 0149tenieren. Ich möchte vor mißmueth crepieren, 0150wann ich nur darahn denkhe, vnd sehe, wie wenig 0151vnser allergnädigster liebster Kayser und herr im 0152Reich, vnd in der ganzen welt respectieret, und 0153geachtet wirt, dessen der Graff von Sinzendorff 0154mir gnuegsamb zeugnuß geben kan, vnd wirt, 0155und wann mein allergnädigster Kayser nicht bald


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0156hierzue mit nachtruckh mittel schafft, so 0157werden dieselbe nichts, als den blossen titulum 0158übrig behalten, vnd ganze compages Imperii 0159auseinander fallen, dann kein so geringer standt 0160im Reich ist, der nicht mehrere auctoritet vnd 0161respect darinnen hatt, vnd braucht, als mein 0162Kayser, wohe wirt daß entlich hinkommen? 0163Allergnädigste fraw, ewer kayserliche Mayestät bitte ich vnderthänigst 0164fueßfällig, sie nemmen mir dises mein so 0165freyes schreiben nicht vngnädigst, sonderen glauben, 0166daß es, ex puro, sincerissimo et fidelissimo ex- 0167cessiuo (si quis esse possit) zelo vor meinen 0168Kayser, und das Reich herfliesset, vnd das 0169ichs, so wahr mir gott helffe, redlich auffrichtig 0170vnuerfalscht, und trew mit demselben meine, 0171vnd den herren liebe, als meine sehle. Vor 0172die gnade so ewer kayserliche Mayestät dem Landtgraffen 0173Friederich von Hessen gethan, erstatte ich eben- 0174falß allervnderthänigsten danckh, der allerhöchste 0175wirts zeitlich vnd ewig vnentlich vergelten. 0176So viel den Hamilthon anlanget, bitte ewer kayserliche 0177Mayestät vnderthänigst mir die gnade zuthun, vnd 0178zueschreiben, ob derselbe die communication bey 0179ewer kayserlichen Mayestät gesonnen, vnd sich über mich bey 0180ihnen beschwehret, nachdemahlen derselbe mir 0181selbsten bey seinen lezten audienzen höchstens


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0182ahngelegen vnd gebetten, daß ich die vrsachen 0183seiner dimission mögligst vertuschen solte, und 0184mögte, und daß er nicht allein haubtsächlich mit 0185mir content, sonderen sich haubtsächlich aller von mir 0186empfangener (wahrhafftig wohl vnuerdienter) gnaden 0187gar hoch und unaußlässig zue rüehmen hette. Ich 0188versichere ewer kayserlichen Mayestät allervnderthänigst, daß 0189dise eine der signaliertisten gnaden vor mich 0190sein würde, die mir ewer kayserliche Mayestät obwohlen 0191vnuerdient, thuen können, vnd ichs vor ein 0192wahres kenntzeichen dero mir jederzeith be- 0193zeigten kayserlichen gewogenheith, und recht inniglichen 0194schwesterlichen liebe vnd affection erkennen, auch 0195mich jederzeith, wie bis dato, zue dero dienst, 0196gerne vnd willigst sacrificieren, vnd unver- 0197änderlich ersterben werde. Düßeldorff den 019821ten aprilis 1697 0199Von 0200ihro churfürstlichen Durchlaucht zu Pfaltz etc. 0201ahn 0202ihre kayserliche Mayestät die Kayserin aygenhändig 0203also abgelassen. 0204Ewer kayserliche Mayestät wollen die erlaubnuß vor den Landtgraffen 0205Philipp ahm oberen Rhein die campagne zue thuen, nicht 0206vergessen, dann ers einmahl mit seinen wenigen mittlen 0207nicht mehr bestreitten kan.