Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 11.07.1697
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
Entschuldigt sich für seine späte Antwort mit der Mobilmachung, einer Unterredung mit dem Kurfürsten von Köln und mit der Hochzeit seiner Schwägerin mit Prinz Gian Gastone von Toskana . – Der Pater (Pottier) ist unverrichteter Dinge aus Dänemark zurückgekehrt, da die Prinzessin und die Minister nichts mehr über die katholische Religion hören wollten. – Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel hat seine Enkelin (Elisabeth Ernestine von Sachsen-Meiningen) in Vorschlag gebracht; sie ist eine perfekte Schönheit, gesund, tugendhaft, fromm und von gutem Humor. Der Herzog würde sie für den Unterricht im katholischen Glauben zu sich nehmen und bei der Gelegenheit vielleicht auch selbst konvertieren. JW könnte den Pater in dieser und einer weiteren geheimen Angelegenheit so zu EMT schicken, dass es niemand bemerkt. – Akzeptiert die Entscheidung bezüglich des Grafen Clermont und dankt wegen des Fürsten von Heitersheim . – Wird sich über die übrigen unkatholischen Prinzessinnen erkundigen und versuchen, Portraits zu beschaffen. – Bittet um nähere Auskunft über den Tellier, den er mit dem Maler Douven nach Italien zur Prinzessin von Hannover schicken soll. Nach Auskunft von JWs Schwager Prinz Gian Gastone ist sie sehr ansehnlich, aber dick. – EMT kann sich in der rheinischen Sache auf JW verlassen. – Hält es für sehr ratsam, König Joseph I. die künftige Kampagne führen zu lassen, falls es zu keinem Friedensschluss kommt, damit das kaiserliche Ansehen im Reich wiederhergestellt wird. – Dankt wegen des Landgrafen Philipp (von Hessen-Darmstadt) und wird wegen der Landgrafen Heinrich und Friedrich nach Spanien schreiben.
000111 julii 97 copia 0002Allerdurchleuchtigste etc. 0003Ewer kayserliche Mayestät bitte ich allervnterthänigst vmb 0004verzeihung das ich auff deroselben allergnädigste 0005beyde schreiben vom 29ten maii und 22ten junii jüngst 0006nicht ehender gehorsambst- schuldigster massen 0007geantworthet, theils meine eine zeithero ge- 0008habte schwache gesundtheith, theils die mobil- 0009machung meiner wenigen trouppen, theils 0010die vnterredung, vnd reconciliation mit des 0011herrn Churfürsten zu Cölln Liebden, so dann die am 0012verwichenen vnser lieben frawen tag glücklich 0013vollendete copulation zwischen deß Prinzen 0014Giovanni Gastone di Toscana Liebden vnd der verwittibten 0015fraw Pfalzgräffin meiner schwägerin Liebden haben 0016mich dergestalten daran gehinderet, das ich 0017vnmöglich das ich vnmöglich meiner höchsten 0018vnderthänigsten schuldigkeit, ehender alß anjezo, 0019habe nachkommen können, weder dero allergnädigsten 0020befehl erfüllen. So viel zu forderist das0021dänisches heyrathswerckh anlanget, so0022ist der Pater unverrichtter sachen wie0023der zueruckh alhier ahngelangt ahn uns0024er lieben frawentag, indem die Princessin0025weder auch das daheselbstiges ministerium
0026nicht das geringste mehr von einiger reli0027gion hat hören wollen, dahero meines erachtens 0028dem allerhochsten vnendtlich zue danckhen, welcher 0029nach seinem vnerforschlichen heyligen willen dises 0030werckh also geschickhet, vnd zwahren vmb demehr, 0031alß der Pater durch die ihme beschehene 0032proposition des Hertzogen Anton Ulrichs0033von Braunschweig eine Prinzessin von0034Saxen mir vorgeschlagen, nicht mehr als003517 jahr alt, perfect schön, gesundt im höchsten0036grat, unerhört tugendtlig und fromb, eines0037unvergleichlichen gueten humors, in deren0038befreundtschaft nichts im geringsten von0039grafflichen hauseren sondern ahn seiten des0040vatters dem churhaus ahm negsten, an seiten0041der mutter aber dem furstligem haus Bra0042unschweig Lunenburg verwandt ist und in der0043freundtschaft hat, zuedeme so erbietet sich0044obgemelter Hertzog, dise Princessin als von0045welcher derselbe ahn der fraw mutter0046seytten grossvatter ist, zue sich zuenemmen und in0047unserem allein sehlig machendem römisch0048catholischen glauben, in welchem derselbe in0049der perfection wohlinformiert ist und selbsten0050gar ein grosses verlangen traget nur eini0051gen rucken zue haben umb davon professions
0052thuen zue können oder selbe bey dieser oc0053casion unfehlbar thuen würde zue instruieren0054dergestalten das ewer kayserliche Mayestät Mayestät beyder- 0055seits gewißlich alle ersinliche satisfaction0056haben würden. Ich habe ein solches vmb demehr 0057meiner allervnderthänigsten schuldigkeit zusein erachtet 0058ewer kayserlichen Mayestät in tieffistem respect zue berichten, 0059als ich gänzlich vermeine vnd hoffe, dise werde 0060die einzige vnd rechte partie sein, ich erwarte0061stundtlich des Hertzogen verass nach wie der0062selbe dem Pater tröstet derselben portrait0063soTiberius ohne dem dem Pater (welchen ich in 0064gewisen meinen anligen, so ich der feder nicht ver0065trawen darff zue ewer kayserlichen Mayestät abfertigen0066werde und zwahren dergestalten das kein0067mensch dessen abreisen nicht einmahl innen0068werden solle, weilen Tiberius wegen der ombrages 0069keinen seiner ministrorum in diesen in0070diesen anliegenheiten brauchen kann0071oder darff) vnderthänigst schuldigser massen 0072zue überschickhen nicht ermanglen wirt. Vnder- 0073dessen erstatte ich ewer kayserlichen Mayestät allervnderthänigst 0074gehorsamsten danckh vor die grosse gnade so dieselbe 0075mir thuen, mir ein so grosses werckh gnädigst anzue- 0076vertrawen, deren ich mich dann gewiß keines-
0077wegs mißbrauchen, sondern in allem ewer kayserlichen 0078Mayestät allergnädigsten befehl einhohlen, vnd deme auff 0079daß aller punctualiste vnderthänigst nachzukommen 0080vnd zue vollentziehen mich eusserist befleissen 0081werde. So viel den Graffen Clermont betrifft 0082hatt es bey ewer kayserlichen Mayestät allergnädigster resolu- 0083tion, vnd disposition sein billiges vnwidersprech- 0084liches bewenden, so viel den Fürsten von Heyters- 0085heimb anlanget erstatte ich nebenst ihm, vor 0086dise allergnädigste erklährung deroselben allervnderthänigsten 0087danckh, vnd werden der erwünschten 0088zeith mit schmerzen abwarthen. So viel den 0089modenesischengesandten anlanget habe ich den-0090selben bis dato annoch also in puris0091generalibus auffhaltten zue seiner0092grösten satisfaction und werde mich auch0093uber die ubrige uncatholische princessin0094nen im Reich mögligst erkundigen, auch mög0095ligst die contrafaiten suechen under der hand0096herbey zue bringen und demnegst dieselbe0097underthanigst zue uberschiken und alles0098accurate gehorsambist berichten. Ewer 0099kayserliche Mayestät befehlen mir gnädigst das wan ich in Italien0100jemanden zue machung der Princessin von Han-0101nover portrait schicken wolte nechst ge-
0102buhrender vorheriger anfragh einen0103meinen mahler einen gewisen geschei0104den und habilen mann nebenst dem Douven0105meinen mahler und einen gewisen Tellier0106schicken solle. Nun kenne ich keinen dises 0107nahmens bitte also vnderthänigst mir die gnade 0108zuthun und mich hierüber etwas mehrers 0109zue esclairiren, damit ich dero allergnädigsten 0110befehl desto besser vnderthänigst nachkommen könne. 0111Es hatt mich aber mein schwager der Principe 0112Giovanni Gastone, alß ich denselben dahe er mir mel- 0113dete, er hette die Princessin von Hanover0114zue Rovereid gesehen, fragete was ge-0115stalt dieselbe hette, gabe er mir zur ant- 0116worth sie seie gahr ahnsehentlich aber0117ziemblich dickh. Ich habe weiters nichts 0118darauff geantworthet, sondern mir vorgenohmen, 0119ein solches, wie hiermit geschehet, vnderthänigst ewer 0120kayserlichen Mayestät zue berichten. Ich werde vnder- 0121dessen keine zeith in sachen verliehren sonderen 0122alles nach möglichkeit vnd in höchster enge 0123zue veranstalten suechen. So viel die 0124rheinische sache anlanget können ewer kayserliche Mayestät 0125sich auff mich gnädigst verlassen das ich allem
0126den respect, deference, vnd deuotion gegen 0127ihro kayserliche Mayestät vnd deroselben tragenden 0128und jederzeith zeigen werde, alß sie 0129immer desideriren und verlangen können, 0130bitte nur vmb die beständige continuation 0131dero mächtigsten bisherigen protection, 0132absonderlich vbi sicut hic, de sanctae et ortho- 0133doxae nostrae religione egitur. Waß die 0134künfftige campagne im Reich, falß kein 0135friden erfolgen solte vor ihro Mayestät dem 0136liebsten römischen König anlanget, scheinet 0137es jezunder mehr dan niemahlen nöthig zue 0138sein das selbige den vngezweifleten fortgang 0139habe, primo ob religionem, secundo die numehro 0140gar zu boden ligende ligende kayserliche 0141auctoritet durch die waffen zue releuiren 0142vnd die insolente perturbatores welche 0143selbige, wie jezo erst frisch von Churbranden- 0144burg die durch die allzuvermessene vnd 0145impertinente schrifftliche erklährung, so dessen 0146Gesandte ihro Mayestät meines allergnädigsten Kaysers 0147vnd herren hochansehlichen bottschafft einge- 0148händiget, gethann, mit nachtruckh releuiren. 0149Tertio ist es numehro die höchste noth, das
0150wenigstens unser römischer König aggenerert 0151seye, vmb dem ganzen wesen so wohl im Reich 0152als apud exteros ein rechtschaffenes peso zue 0153geben, vnd dadurch selbsten die kron sich zue 0154affermieren, vnd denen ausländischen seine 0155potenz sehen zue machen, zue welcher vermehrung 0156ein jeder standt mit frewden alles was er 0157in seinem vermögen hatt contribuieren 0158wirt, mit einem worth sine hoc factum 0159nihil erit, über das arbitrium pacis 0160et belli so disem allerhögstem muneri 0161allein anklebet, wider zu acquerieren, 0162und was dergleichen mehr ist, seind dise 0163allergnädigste fraw nicht, nebenst meinen 0164vorherigen, gnuegsambe vnwidertreibliche ar- 0165gumenta vmb disen herrn ins feldt gehen zue 0166machen à qualunque paezzo che possa 0167essere? Ich gestehe ich gebe meinen geringen 0168verstandt gerne gefangen, und thue den 0169selbsen dero allerhöchsten prudenz gerne in 0170allem vnderwerffen, bitte nur hierauff 0171reifflich allergnädigst zue relectiren. Wegen 0172deß herrn Landtgraffen Philippß erstatte vnderthänigst
0173danckh, vnd wirt er sich befleissen ihro 0174Mayestät deß Kaysers interesse vnd dienst 0175desto besser im Reich in acht zue nehmen. 0176Wegen deß Landtgraffen Heinrich und 0177Friederich, werde in Spanien shreiben, 0178bitte aber vnderthänigst mich daheselbsten zue 0179secundieren, ich will auch sehen, ob ich ihme 0180in bayrische diesnte bringen könne vnd 0181in allem in der that erzeigen etc. Düßel- 0182dorff den 11 julii 1697 0183Ahn 0184ihre Mayestät die Kayserin 0185von 0186ihr churfürstlichen Durchlaucht aygenhändig abgangen .











