Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 14.05.1687

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich bitt nachmahlen vnterdehnigst vmb vergebung, das ich nit ehender 3dero gnädiges schreiben vom 15 vnd 17ten passato, vnd zwahr dis leztere durch 4den Starenberg, auch mit lezter post eins vom 2ten dis vnterdehnigst 5beantwort hab. Die vrsach deßen werden ewer Durchlaucht schon aus 6meinem vnterdehnigsten schreiben bey vohrig posten ersehen haben. Mit dem 7Josephl aber ist schon wider ganz guett, wahr nuhr aus 8dem magen vnd das er sich gahr zue vill erhizt 9hatt. Er hatt so ein freit mit dem hezen vnd hatt 10kleine wintschpil von der Kaiserin sehlig, die hatt er selbst 11am strik gefürt, zwahr nuhr zuefues, aber darnach 12dem haßen so nachgeloffen. Habens ihm nit können erwehren, 13so hatt er sich erhizt, vnd er ist gahr einer hizigen natur, 14darumb hatt ihm desto ehnder geschatt. Jezt steht er schon 15wider auf, wirt balt wider ausgehn, hatt gleichwoll 16das fieber continue 4 dag gewert vnd zimlich starkh. 17Es erfreut mich woll von herzen, das ewer Durchlaucht sich 18in so guettem wohlstandt befinden, der almechtige 19wolle verners sein gottlige gnad verleyen. Das der 20König in Engelandt mit sollicher prontezza die 21schiff nit allein bewilligt, sondern auch so vill ciui- 22litet darbey erzeicht, hatt mich nit wehnig erfreüdt.


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23Dis wirt Frankreich gewaltig gedanken machen vnd auch dise heirat, 24das er so balt woll niks anfangen wirt. Der holendische 25gesante hatt ein guette abfertigung bekommen, gott 26geb, das die reis woll möge abgehn, waran ich nit 27zweifle. Es wirt woll guet sein, wan ein corespondenz 28mit Portugal wirt eingericht. Ihr Mayestät werden kein 29bedenken haben, ihme gleiches tractament zue geben 30als dem König in Polen, auch wan einmahl ein 31inuiato solte geschikt werden, gleich den andren königligen 32inuiati selbigen zue tractiren. Hier haben zwar keine 33inuiati, vom wem sie auch sein, kein posto, aber 34doch erzeigt man ihnen alle ciuilitet, wie es 35dan der franzosische, schwedische vnd von andren kronen nit 36anderst pretendiren wirt. Das ewer Durchlaucht der Königin in 37Schpanien brif nit haben leßen können, ist woll gahr ein 38üble schrift. Sie schreibt nit allein drin, das das gelt 39werde geschikt werden, sondren solliche expressionen von 40rechter lieb gegen meine schwester vnd das ganze 41haus, das nit genuech sagen kan. Es wirt woll 42gahr guet sein, wan mein schwester wirt ihr schreiben 43vnd sie wird darmit ein freüdt haben. Das die


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44franzosen wegen Germersheim neben der wahrheit spazirt 45sein, ist bey ihnen niks newes. Ist mihr aber lieb, das 46ich weis, wies ist, werd auch den heisigen Cardinal Nunti 47informiren laßen, welcher es schon zue Rohm berichten wirt. 48Des Stahrenberg sein vohrschlag hab ich von ihr Mayestät, mein 49Kaiser, vnd vom Stratman vernommen, wehre woll ein 50guette sach, wan die mittel darzue vohrhanden wehren, 51dan von dennen röhmer monaten fast niks zue hoffen ist. 52In seinen andre angelegenheit wie auch zue balder 53expedition werd ich von herzen so vill ich kan cooperiren, 54nit zweiflendt, das er niks begeren wirt, welches sich 55nit duen wirt laßen. Wegen meines bruders Carl mues ich 56bekennen, das ich förchte, er an reputation leiden wurd, 57wan er, weil er nit in Portugal geht, nit dise 58campagne verichten wurd, insonderheit, weil er erst 59General Wachtmeister promouirt ist worden, ihm auch dises 60auf in beiden heiraten vorteilhaftiger sein wirt. Wie 61mehr glori er in felt wirt haben, ie mehr ihn bede, 62so woll die Infantin als Markgrauin, estimiren werden 63vnd desto ehender auf ihn incliniren. Die spesen 64betrefendt wirt er sich mit wehnigem contentiren


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65vnd ein beßerer wirt als bishero abgeben. Gott auch 66wirt ihn hoffentlich auch dise campagne wie die 67vohrigen behüeten. Er mues aber verschprechen, sich in 68acht zue nemmen vnd nit ohne noht in gefahr zu 69sezen, insonderheit dem Herzoch vnd Pater Marco 70gehorsamb sein. Der wirt durch sein segen von ihm 71alles übel abzuewenden von gott erbitten. Was 72ewer Durchlaucht wegen des von Altheim mihr gnädigst befehlen, so ist kein 73gedanken, das der Gabriani annoch diesen dienst verlaßen 74solt, vnd sein decret ist so, das er in keiner gefahr, 75das ihme andre solten vohrgezogen werden. Wan aber ein 76apertur sein wurde, werde ich ewer Durchlaucht gnädigem befehl 77allezeit gehorsammen. Das die opera nit in zwey 78dag kan abgedeilt werden, ist woll schad, dan es vill 79angenehmer wehre gewesen. Ich hette aber glaubt, 80den dag der desponsation hette woll ein deil könen 81gehalten werden, dan wan es nuhr der halbe deil, so 82wirts nit über 3 stundt wehren, also kunte es 83schpehter anfangen. Ich suponire, das die desponsation 84vohrmitag geschicht, so wehr gleichwoll noch zeit nach 85der tafel, das sich anlegen kunten, dan die opera doch 86vohr 4 oder 5 vhren nit anfangen wurde. Zum nacht 87eßen wehren sie balt abgezogen, vnd kund auch selbige


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88music bey der taffel mehr in geigen vnd instrumental 89mußic als in singen bestehen, mit disen kunte bedes 90bestritten werden. Also haben mihrs hier in gleichen 91occasionen gemacht an großen gale dagen, wan selbigen 92dag comedien seint gewesen. Abkürzen wirt es 93schwerlich sich laßen vnd wehre schad, wan etwas 94daruon solte ausgelaßen werden. Dem Minati hab 95ich ewer Durchlaucht gnädiges schreiben geschikt, wirt ihm woll ein 96große freüdt sein wegen der recompens. Weil ewer Durchlaucht so gnädig 97schaffen, das ich mein meinung schreiben solt, so glaubet ich, dem 98Minati wurd etwan ein ring mehr apropos sein, dem Draghi 99aber etwas von silber, den wert wust ich woll selber 100nit, doch vermeinet ich, vngefehr gegen ein fünf hundert 101gulden. Dem andren etwas wehnigers, weil das silber 102ohne das mehrer ansehen hatt als was von geschmukh. 103Ich hab heündt die kinder laßen heraus kommen, die 104Maria Lißel wider hier zue bleiben vnd die andren habens 105begleidt, ist ein große freüdt geweßen, der Carl ist 106gahr lustig gewesen. Das wetter ist bis dahto noch 107gahr guet, außer heündt ist windig. Ich hab dises 108mahl heündt müeßen vohrschreiben, dan morgen werden


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109ihr Mayestät, mein Kaiser, einemmen. Heündt werden schwerlich 110aus können, ist gahr ein starker windt. Diese dagen 111haben mihr aber etlige reiger, kraen, milan vnd elster 112gefangen, absonderlich ein reiger gahr schön vnd hoch, 113auch gestren ein milan. Haben gahr vill durchgeng 114gemacht vnd wahr so hoch, das schier ein vatterunser 115hetten betten können, weil er gefallen ist. Dem portugeßer 116werden alle dise sachen gahr gutt gefallen haben, in- 117sonderheit die hez von saw vnd wolf, das wirt 118er woll nit gewist haben, wies zuegangen ist. Ich 119will ewer Durchlaucht nit lenger mit mein lehren brif 120bemüehen, due mich in dero gnad befehlen vnd werde 121sterben 122ewer Durchlaucht 123vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 124EMT 125Laxenburg den 14ten maij 1687