Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 29.07.1688
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr vatter 2Ich hab mit vnterdehnigstem respect dero bede gnädige schreiben 3mit der post vom 20ten dis, wie auch durch den Locowiz 4eins vom 27ten pasato, empfangen. Ewer Durchlaucht seint mihr 5gahr zue genedig, das sie mihr zu dem dag der heiligen 6Magdalena soliche gutte vnd vätterlige wuntsch duen wollen, 7daruohr ich ewer Durchlaucht vnterdehnigst dankh erstatte. Wünschte 8nuhr, das so gelükhlich möchte sein, einige gelegen- 9heit zue haben, ewer Durchlaucht einige vnterdehnigste dienst zue erweisen, 10dißes wurde vohr mich die gröste glükhsehlichkeit sein. 11Erfreüet mich auch von herzen, aus selbigen zue 12ersehen, das sich ewer Durchlaucht in guettem wohlstandt 13befinden, darbey der almechtige dieselbe bestendigst 14noch vnzahlbare iahr erhalten wolle.
15Das die collnische wahl so guet ist abgangen, haben mihr 16gott zue danken vnd dem Deütschmeister, ohne 17welchem niks geschen were. Ich kan ewer Durchlaucht nit ausschprechen, 18was er vohr ein vniuersal aplausum nit allein 19von dem vohrnemmen, sonderen von dem ganzen 20pöuel wegen dißer action hatt, welche sie nit 21genuechsamb rüemen vnd loben können. Der Prinz Cle- 22ment hatt mihr auch deswegen gahr höfflich geschriben, 23vnd wie obligirt er sein lebdag gegen vnser 24ganz haus bleiben werde, das er dises allein 25von ihr Mayestät, ewer Durchlaucht vnd meinen brudern erkenne. 26Der herr ist allezeit woll inclinirt geweßen zu 27dißem haus vnd guet deütsch, wan man nuhr 28sicht, das man guette leüt zue ihm bringt, 29darauf man sich verlaßen kan, vnd den Fürsten- 30berger ganz auf die seiten raumbt, so, hoff ich, 31werde alles woll gehen. Gott geb, das zue Lüttich 32vnd Münster auch woll abgeh, wan Beyrn mit auf 33meinen brudern wolten helfen, so möcht es leichter 34gehen. Das schweriste ist, das er mueß postulirt 35werden, vnd sein vill canonici wunderlige köp,
36so förcht ich, wirts hart her gehen, doch gott kan 37alles. Die brief an Freitag wegen bruder Carl seint 38schon lengst wekh, werden schon dort ein weil an- 39kommen sein, gott geb ihm glükh. Das die medici 40nit rahten wollen, das mein bruder ein deil diser cam- 41pagne soll duen, so förcht ich, wan die wahlen vohr- 42bey sein werden vnd er gesunt, möchten es ihm die schlim 43welt nit gutt auslegen, in dem der Herzoch, der erst 44von einer solchen großen krankheit aufsteht, noch hin 45wirt. Die wahl ist erst den 19 des könftigen monat, 46wan er erst darnach her kombt, so wirts vmb 47etlich wehnig wochen zue duen sein. Doch wan er solt 48herkommen vnd man das geringste beförchten könte, 49wolten mihr in woll hier behalten. Ihr Mayestät werden ihn 50auch gahr nit lang drunten laßen, vnd wan er sich 51darbey etwas in acht nimbt, welches leichter wirt 52sein können, weil es vermuetlich nit vill marchen 53als wie die vohrigen jahr geben wirt. Den wan vns 54gott Belgrad soll geben, wie ich verhoffe, so wurden 55ihr Mayestät ihn darnach nit lenger drunten laßen, 56vnd bey der belegrung können sie mehr ordentlich sein.
57Doch steht als zue ewer Durchlaucht gnädigem belieben. Heünt seint 58ihr Mayestät auf ein iagen vnd bekommen ich izt 59gleich nachricht, das sie heünt vohrmitag 4 hirsch 60geschoßen. Es wirt aber nachmitag auch eins gewesen 61sein, sie meinen 6 gutte hiersch drin zue haben. Was 62der callender vohr ein auslegung hatt, mein ich, das 63bedeüt hat, das er mit der langen naßen hatt müeßen 64abzihen. Der Locowiz hatt gahr guette die relation 65von Frankhreich geben vnd gezeigt, das er ein 66capabler mensch ist, hatt vill penetrirt, darnach 67man sich richten kan. Ihr Mayestät werden ihn auch nit 68verligen laßen, von den mehrer gebrauchen. Sonst gibt 69hier ganz niks ewer Durchlaucht zue berichten, also will ich 70auch deroselben mit meinen schreiben nit lenger vnge- 71legenheit machen. Due mich in dero beharligen gnade 72vnterdehnigst befehlen vnd werde sterben 73ewer Durchlaucht 74vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 75EMT 76Wien den 29ten julij 1688







