Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 04.08.1688

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig
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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Weil mihr morgen über nacht aus gehen auf 3ein iagen vnd ich villeicht kein zeit zum 4schreiben haben werde, als hab ich hiermit 5meine vnterdehnigste schuldichkeit ablegen wollen, verhoffent, 6das ewer Durchlaucht sich in bestem wohlstand befinden 7werden. Wegen Lüttich hetten ihr Mayestät gern Cuhrbeyern 8weiter zuegeschprochen, das sies auf den Deütsch 9Meister möchten helfen bringen, haben aber gefunden, 10das die zeit schon zue curz vnd kein courir 11mehr a tempo kommen könte. Es wirt aber 12der Karch selbsten hoffentlich es erkennen, 13dan der Ekh schreibt ihr Mayestät, das auf 14Prinz Clement ganz kein inclination sey, also


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15wirt der Karch sich auch vermuetlich nit weiter 16opiniatriren, sondern zue meinem bruder helfen, 17auf welches in solchem vall der Ekh schon in- 18formirt ist. Ich förcht allein, weil ihrer so vill sind, 19werd es mit der postulation schwer her gehen, 20gott wirt alles zumb besten schiken. Mihr 21erwarten hier mit verlangen, wie die wall 22zue Münster wirt abgeloffen sein, gott geb 23sein gnad, was zumb besten ist. Ewer Durchlaucht werden 24schon vom Freitag vernommen haben, wie die 25sachen zue Berlin stehn, vnd förcht ich, die dame 26hab alle bedrogen vnd allezeit Polen resoluirt 27gehabt. Wies der Cuhrfürst in diser sach meint, 28weis ich nit recht auszuenemmen, dan eines 29deils hatt er zeigt, es nit gern zwe sehen, 30in dem er die zwehn franzosen aus dem 31landt geschikt hatt, andren deils zeigt er dem 32Princen alle ciuilitet hatt, welches er zwar nit 33woll wehniger duen kan, dan sie ist entlich frey 34zue nemmen, wen sie will. Er hatt aber gesacht,


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35er hoffe es noch mit den eh pacten zue verhindern, 36die zeit wirts lehren. Wegen Parma hab ich dem 37Hoffkanzler comission geben, sich zue erkundigen 38vmb sein elter vnd alles, hatt mihr aber 39bis dahto noch kein antwort gebracht, 40also werde es ewer Durchlaucht mit nechstem alles 41berichten. Mit dem Herzoch gehts gottlob alleweil 42beßer, er hofft balt wekh zue können. Er ist 43vohr ein pahr dagen bey vns gewesen, ist woll 44starkh mager worden, mueß bekenen, hett ichs 45nit gewust, ich hett ihn nit gekent, ist doch 46beßer als wan er so gebläht ist. Mit disem 47due ich mich in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen 48vnd werde sterben 49ewer Durchlaucht 50vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 51EMT 52Wien den 4ten august 1688