Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 30.03.1690

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

180 r
Faksimile

1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr vatter 2Weil, wan das wetter morgen guet wirt sein, welches 3doch heündt nit das ansehn hatt, ihr Mayestät auf Laxen- 4burg beyßen wollen, so komme ich heündt in vohrsorch, 5dero gnädige schreiben vom 17ten vnd 21ten vnterdehnigst zue beanworten, 6welches ich bey vohriger post vnterlaßen hab. Sage vnterdehnigsten 7dankh vohr dero gnädige wuntsch zue disen heiligen fest vnd 8auch zue meines sohns nahmendag. Ewer Durchlaucht seindt 9ihme vnd mihr gahr gahr zue gnedig, können doch 10versichert seyn, das sie allezeit an mihr vnd ihm vnterdehnigste, 11trewgehorsamste kindt vnd enikel haben werden. Der almechtige 12wolle nuhr ewer Durchlaucht bey bestendigstem wohlstandt erhalten. 13Ich verhoffe jezt balt ein gutte zeitung von vnserer 14Königin zu vernemmen, das sie wirt ankommen sein. 15Weil man aus Frankreich schreibt, das man vill schiff 16bey Brest passiren sehn, das werden sie hoffentlich geweßen 17sein, vnd hoff ich, sie werde die verwitbte Königin auch


180 v
Faksimile

18in guettem wohlstandt antreffen. Ich verlang deswegen sehr 19auf die könftige post, glaub aber nit, das mihr noch 20mit selbiger einige zeitung von meiner schwester werden 21haben, mihr werdens ehender über Engelandt wißen. 22Gott gebs, das mihrs balt hören vnd der liebe Deütschmeister 23balt mit freüden mögen widrumb sehen. In der polnischen 24sach mueß man erwarten, was der Schirofski weiters 25berichten wirt. Was mihr ewer Durchlaucht gnädigst anbefehlen wegen 26des Grau von Windischgräz, so haben ihr Mayestät bis dato 27wegen Graw Wallenstein niks resoluirt, solte ein ver- 28enderung geschen, so werde ich von ihr Mayestät, mein Keiser, 29erwarten, wen sie mihr geben werden. Ich glaube aber 30schwerlich, das der Windischgräz, welcher vom podagra 31schon zimlich stropirt, disen müeßamen vnd 32strapazirligen dienst, welchen er wehnig wurd versehen 33können, selbsten verlangen wirt, auch, so vill ich merkh, 34ihr Mayestät das absehn auf ihne haben, ihn mehrer in publi- 35cis zue gebrauchen. Ich werd aber seine person allezeit 36ihr Mayestät gern recomendiren vnd ich disen cauaglier 37allezeit absonderlich wegen seiner capacitet vnd inte- 38gritett vnd noch estimirt hab. Den Prinz Iorch werde ich39ihr Mayestät auch fleisig reccomendiren. Der Hoffkirchen 40hatt das regiment bekommen, mit den andren haben


181 r
Faksimile

41ihr Mayestät bis dato noch niks resoluirt, werd nit vnter- 42laßen, ihn zue reccomendiren, wie woll ich hör, das 43dise regimenter in zimlich schlechtem standt sein 44vnd hart wider woll auf zuebringen sein werden. 45Heündt ist aus vnserem ausgehen niks worden, hatt 46den ganzen dag geregent vnd geschniben. Vohrgestern 47wahrs so schön bein carmeliten, wahren in ihrem garten, 48aber gestren hatt sichs verendert. Mihr hoffen, morgen 49soll es beßer werden, das werden aus können. Sonst 50gibt ganz niks, das meritiret, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zu 51berichten, also due ich mich in dero gnade vnterdehnigst 52befehlen, die ich sterben werde 53ewer Durchlaucht 54vnterdehnigste trewgehorsamste 55dochter 56Eleonora 57Wien den 30ten merz 1690