Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Linz am 27.07.1680
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8
1Durchleüchtiger Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Dero gnädiges schreiben vom 18 dies durch die staffetta 3hab mit großen freüden empfangen, weil daraus 4ersehen, das sich ewer Durchlaucht in so guetter 5gesuntheit befinden vndt des übelen steins 6seint völlich befreit. Wan ich gewust, das 7dies die vhrsach wehre gewesen, das ewer Durchlaucht 8dero gnädiges schreiben nit selber überschrieben, 9wehre ich wohl diese zeit in höchsten 10sorgen vndt angsten gestanden, bis ich dero 11völlige beßerung hätte vernommen. Gott 12seye in ewichkeit gelobt, das so wohl 13ist abgangen, der wolle ewer Durchlaucht verners 14in bestendigstem wohlstant langists erhalten 15??? fer zue aller dero gehorsamen kinder absonder- 16ligem absond trost. Ich kan nit genuechsamb 17meine schuldigste dankbarheit ablegen vohr 18das gnädige anwüntschen, so mihr ewer Durchlaucht zue 19dem dag der heiligen Maria Magdalena duen wollen. 20Mein gröste glükhsehlichkeit wirt in deme
21bestehn, wan mihr gott gelegenheit vndt capacitet 22verleyen wirt, ewer Durchlaucht zue dienen, wie ich es 23verlange. Die expedition in der auschpur- 24gischen sach werden ewer Durchlaucht hoffentlich schon 25empfangen haben, dan es durch ein staffetta 26verwichenen son oder erchtag wekh ist, auch wegen 27des Fukers alles eingericht worden, wie es 28ewer Durchlaucht gnädig verlangt haben. Der almechtige 29verleye einen gelükhligen effect in 30dieser sachen, welches ich wohl von herzen 31wüntsche. Hier seint mihr auch alle wohl auf, 32haben kein andere zeit verdreib außer der 33iagen, der mihr mihr noch eins gehabt vnt 34bis könftigen erichtag das andre haben werden, 35als des abens ins gertel zue gehn, welches 36wohl gahre klein ist, ein wehnig größer 37als das paradeis gertel zue Wien, woh mihr 38als des abens geßen haben, dah schpilen 39ihr Mayestät kegel. Auf Sankt Maria Magdalena dag haben 40ihr Mayestät dorten ein musikh halten laßen,
41welche ich ewer Durchlaucht hiermit gehorsamst überschike, 42dan sie gahr herzig wahre. Mein kleiner 43hatt ein große freüdt darmit, ist ihm 44niks über geigen vndt musik, laße ihn 45des abens schier allezeit zur taffelmusikh 46herumb dragen, dah ist ein große freüt 47vndt er gewohnt auch darmit, vntter 48vill leütten zue sein vndt fremde gesichter 49zue kennen, deren es allezeit genuech bei 50der taffel gibt, wie ewer Durchlaucht wohl wißen. 51Gottlob, er förcht sich noch vohr niks, 52laß ihn in die kirch dragen, wan sie pauken 53vndt trumbeten, ist sein gröste freüdt. 54Das schießen acht er auch ganz nit, wan ein- 55mahl ein nahetes iagen wehre, so wolt 56ich ihn mitnemmen, aber sie seindt hier 57alle weit. Heütt haben ihr Mayestät auch an 58Cuhr Cöllen geschrieben, das danksagung schreiben. 59Ich vermein, heütt werde der Nostiz 60kommen, so will gleich mit ihm reden laßen




