Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wiener Neustadt am 26.07.1681

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8

Ausfertigungeigenhändig

261 r
Faksimile

1Durchleüchtiger Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 4 dis hab mit großer freüdt 3empfangen, weil daraus ewer Durchlaucht guetten wohlstandt vernommen. 4Gottlob das ewer Durchlaucht große sorchfalt, vor welche ich 5ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh erstatte, ohne noht geweßen, 6dan ihr Mayestät wegen remissio der diarea zue bett gelegen, 7sich wohl auch erbrochen, aber nuhr am anfang 8in der nacht ein wehnig von einer alteration 9empfunden. Befinden sich aber iezt aller wohl 10auf. Ich bitte ewer Durchlaucht vnterdehnigst, sie wollen ihnen 11hinfüro keine sorgen machen, wan ich nit selber 12schreib, dan das könen ewer Durchlaucht versichert sein, 13das ich allezeit aller auf das genaweste 14berichten werde. Gottlob, das iezt alles wider 15gahr guett ist. Es hatt mihr der Schellerer 16gesagt, das ewer Durchlaucht die herren brüder balt wolten auf 17Rohm schiken, vndt ob sie mögten hier dorch komen. 18So werden sie ihr Mayestät zwahr gahr angenehm 19sein, aber ich förchte, es wirt nit sein 20können, dan leider die üble sucht widerum 21in Steirmark eingerißen vndt allso zue 22besorgen, das die paß nit werden offen werden,


261 v
Faksimile

23wirt, welchs mihr wohl vnerhört leidt were. 24Iezt gehn mihr fleisig auf die iagen, haben gestern 25ain hirsch gefangen, welcher 500 pfund gewogen hatt. Izt 26brauch ich mein cuhr, vndt am samstag wirt 27ihr Mayestät die Kaiserin heraus kommen, vnt 28darnach werden mihr zu ihr auf Mainerstorf, 29das also, wan ich filleicht konftige post 30versaumet, ich aniezte daruohr vmb 31vergebung bitte. Will mich aber befleisen 32so fill ich kan. Due mich hiemit in ewer 33Durchlaucht beharlige gnadt vnterdehnigst emfehlen, die 34ich sterben werde 35ewer Durchlaucht 36ganz ergebenste trew 37gehorsamste dochter 38EMT 39Neüstatt den 26 julij 168140Es haben mihr ihr Mayestät der Kaiser gesagt, was der 41Grana geschriben wegen des priorat . Ich vermeine aber, 42ewer Durchlaucht solten sich mit meinem herrn bruder Liebden nit vber 43eilen, dan es noch flegt zeit vndt fe die sache doch noch 44nit desperat ist. Mich bedunkt einmahl nit, das er 45zu einem rechten pfafen daugt, wan er noch den


262 r
Faksimile

46degen führen derf, wirt es ihme noch leichter sein. Er ist 47noch iung, wirt schon noch ein glükh bekommen. Ich vermein, 48als wan ein gelegenheit aus keme, ewer Durchlaucht solten ihn 49laßen einwehnig den krieg probiren mit seinem bruder Liebden, 50kostet fast niks. Bitt vnterdehnigst vmb vergebung, das 51dises schreib, vermein es gewis aus trewem herzen. 52Ist zwar ein große vermeßenheit von mir, aber 53ewer Durchlaucht große güette macht mich verzeiung hoffen.