Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Passau am 23.07.1683
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Ewer Durchlaucht seindt gahrzuegnedich vohr mich, das sie 3mihr so vill gnädige glükwüntschungen duen wollen zue dem 4dag der heiligen Madlena. Wan ich nuhr etwas nuz wehr, das 5ich ewer Durchlaucht vnterdehnigst meinen verlangen gemeß dienen 6könte, dises were mein gröste glükhsehlichkeit. 7Sage auch ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh vohr dero alzue 8große güette vnd gnade, das sie den Grav Fuker 9haben wollen herunter schiken, welcher ewer Durchlaucht berichten 10wirt können, das gottlob alle wohl, außer 11die Erzherzogin hatt vohrgestern ein fieber 12bekommen, welches gestren ausgesezt, aber heünt 13widerumb kommen. Zeicht also, als wolt es ein 14terzana werden, ist aber nit starkh. Von meinem 15bruder Carl hab ich heündt durch einen curier 16schreiben bekommen, das es sich mit bruder Ludwich gottlob 17merklich beßert. Der Herzoch von Lottring hatt sie
18beyde aus Wien genommen, wehles sie zwar gahr 19vngern gedahn, abers gahr woll daran geschen 20ist, dan der eine hette kranker drinnen 21niks nuzen können vnd wäre also ohne glori in 22großer gefahr geweßen, der andere wehr ebenso 23wehnich dienlich gewesen, in demes der effect 24zeiget, weil Wien izt gahr geschpert. Wan etwas 25gehling mit Portugal wehr aus kommen, 26hetten mihr ihn nimmer herraus bekommen 27können. Er hatt aber per forza hinein wollen 28vnd sich gahr abstehlen wollen, das der Herzoch 29hatt müeßen ihm wacht vohr die dür sezen, 30sonst hett er ihn nit erhalten können. Er 31schreibt mihr vnd ist ganz vngeduldich 32über den Herzoch, das er in nit hinein geloßen, 33auch zue denen scharmüzlen, welche zwischen 34den brüken vnd in der Leopolt Statt geweßen,
35nit laßen wollen, wohbey er aber wehnig glori 36vnd große gefahr hett hohlen können. Also 37vermeinet ich ohne vnterdehnigste maßgebung, wenn ewer Durchlaucht 38ihnen beyden zueschreibeten, das sie fein dem 39Herzoch sollen gehorsamb sein, dan er sie 40in occassionen, woh sie einige glori 41werden können erwerben, nit schpahren wirt, 42wie er es dan schon mit meinem bruder Ludwig 43vohr Neüheüsel gezeiget hatt, aber das sie 44sich so precipitiren solen, wirt er ihnen nit 45gestatten. Sie werden gloire genuech haben, 46wan sie ihm gehorsamb sein. Der Wachten- 47dunkh hatt große eil mit bruder Franz seiner 48reis, hatt alles auf könftigen montag 49anstellen wollen, vnd ich hett nie niks 50daruon gewust, wan es mihr nit gestren 51der Fuker vnd heündt der Schellerer gesagt.
52Es ist ihm halt nitt gelegen, lenger hie zue sein, 53wie er dan auch gesacht, wan mein bruder 54nit am montag wekh wolt, so geh er 55allein. Ich vermein aber nit, das mein bruder noch 56vereisen soll, bis der Cardinal her kommt, welcher 57in wehnig dagen kommen wirt, vnd das 58man die expedition nacher Rohm wegen der 59confirmation mit ihme aiustire und mein bruder 60bey ihme die proffesssionam fidei ablege. Er 61hatt wollen hin schiken vnd mit ihm aiustiren, 62das wehr ohne vohrwißen ihr Mayestät, meiner 63vnd des ganzen hoffs geschen, wan es der Scheller 64nit verhindert hette, vnd förcht, es wehr nit 65woll aufgenommen worden, weil bisdato 66ihr Mayestät alle sachen selbsten aiustirt vnd 67durch dero canzlei expediren laßen. Also 68bitt ich auch, ewer Durchlaucht wollen sich wegen seiner 69hoffstatt auf des Wachtendonkh einrahten nit impegniren,
70dan ich vermein, man soll ihr Mayestät darin sorgen 71laßen, wie es der Fuker dan schon hier einrichten 72wirt können. Im vbrigen steht dahin, wan der Wachten- 73donkh auf keine weis lenger bleiben wolte, wie 74ich besorge, ob ewer Durchlaucht etwan den Fuker so lang 75die bedienung meines brudern aufdragen wollen, 76wo es doch iezt balt kan aiustirt werden. Beyren 77duet eifrich helfen, wie dan heüt schon ein compagnia 78zu pferd hiedurch marchirt, vnd sollen in wehnig 79dagen zue Scharding zuesammen kommen, woh 80der Kuhrfürst selbsten wirt hin kommen, vndt etlige 81meinen, das ehr gahr auf ein pahr dag herunter 82kommen möchte. Gott geb, das allerseits balt 83sucurs kommen möge, dan die türken die statt 84mit großer furi angreifen vnd nuhnmehr 85alle corespondens geschpert, das man niks 86heraus vernemmen kan, gott woll ihnen bey- 87stehn. Wegen Portugal müeßen halt erwarten, was 88weiters einkommen wirt. Iezt ist eben der Wachten-
89dunkh bey mihr geweßen vnd hat gemeld, das er 90einmahl nit lenger bleiben könt wegen sein 91ordens sachen, vnd er hette auch schon erlaubnus 92von ewer Durchlaucht, das er derfe wekh reisen, also 93hab ihm niks wißen zue repliciren, ihn aber 94animirt, wan in der portugesischen sach meines 95bruders reis möchte vohrsich gehn, er mit ihm gehn soll, 96welches er zue duen gesacht, wohfern es 97sein orden erlauben wurde. In der pfälzischen 98wie auch beyerschen sach wegen der coadiutori 99werd ewer Durchlaucht alles mit nechstem 100berichten. Due mich in dero gnade vnterdehnigst 101empfehlen. Weilen diser curir vast mit der 102post ankommen wirt, als hoff ich, wan etwan 103morgen die zeit nit erleiden wurde zue 104schreiben, ewer Durchlaucht mihr solchs nit in vngnaden 105nemmen werden, wie ich sterben werd 106ewer Durchlaucht 107Paßaw den 23 julij 1683108vnterdehnigste gehorsamste dochter 109EMT





