Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Linz am 28.04.1684
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Vohr dero gnädiges schreiben vom 21ten dis sage ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh, 3vndt erfrewet mich von herzen daraus zue vernemmen, 4das sich ewer Durchlaucht in guettem wohlstandt befinden, 5der almechtige wolle sie verners darbey gnädig erhalten. 6Ich bin woll nit werdt, das ewer Durchlaucht so ein gnädigste sorchfalt 7wegen meiner kleinen gehabten alteration gehabt, befindt 8mich seidthero alleweil guett. Haben dise woch aus 9wollen hezen, so ist aber so ein schandtligs vnd kalts 10wetter von regen vnd ein dag gahr geschniben, das noch 11nit hatt sein können. Ihr Mayestät habens morgen im willen, 12darumb due ich heündt vohrschreiben, förcht aber woll, 13es werde es das wetter schwerlich zuelaßen. Wegen 14Heidelberg werden ewer Durchlaucht schon empfangen haben, dan 15es die vergangene post ist abgefertiget worden. 16Was meinen bruedren Franz Liebden anbelangt, so stellen 17es ihr Mayestät ewer Durchlaucht anheim, wie sie es wegen Münster 18machen wollen, dan 6 wochen auf oder ab wirt er 19dem preßlawischen niks versaumen. Ich förchte zwar, 20es werde auch dises vill kosten vnd zue keinem effect
21des haubt intent kommen, dan schwehr wirts sein, das sie 22ihn erwehlen, wan solte ein newe wahl geschen. Solten sie ihn 23auch erwehlen, wurde diser Papst wegen Preßlaw gleiche 24difficultet als mit dem Cuhrfürst zue Cöllen haben. 25Ich zwar wüntsche es von herzen vnd könte niks 26beßers vohr ihr Mayestät, mein Kaiser, sein, als Münster ver- 27sichert zue sein. Wegen der hoffstat seint fast alle 28gleicher meinung vnd wirt sich das übrige beßer 29einrichten laßen, wan er selber her kommen wirt, 30so kan er auch die leüdt selbsten sehn vnd nach 31seinem belieben aufnemmen. Der Gall ist schon fort, 32wirt alle anstalt machen, er hat woll vermeindt 33es in gahr curzer zeit einzurichten. Dem Pater 34Hippolit hab fleisig ewer Durchlaucht gnädiges schreiben überliuert, 35er hatt ein große lieb zu ewer Durchlaucht vnd allen mein 36brüdren, insonderheit den Frizen . Die zwehn andre wirt 37er hier schon sehen, wan sie werden zur campagne 38herunter kommen. Das ich wegen ihres beicht vatter 39geschriben vnd vermeint, es wehre guett, wan er die 40mathematik, geometria, fortiffication vnd historien erfahren
41wehre, ist zwar nit ohn, das sie es nicht in praxi verstehen, 42aber wan sie bey der armade, so conuersiren sie auch 43mit dennen ingenieurs vnd können die praxi von 44ienen sich im fondament, aber mehr vnd mehr bey 45diesem exerciren. Wan sie in fundament woll erfahren, 46so könen sie mit allen leüten daruon discuriren, die 47es verstehn, vnd sich ie mehr vnd mehr perfectio- 48nieren, werden auch selber, wan sie darbey sein, 49mit der übung vill lernen. Ihr Mayestät, zweifle 50nit, wurden ihnen gern den ingenieuren befehlen zu 51ihnen zue gehn, dise kerl aber werden hin vnd 52her geschikt vnd gebraucht, seindt vnfleisich, 53vnd man mueß ihnen darnach noch darzu 54vill schenken, welches nuhr spesen vmsonst sein. 55Ich hab auch nit vermeint, das ehr er solt zwey jesuiter 56mit sich haben, sondern das er ein zum beichtuatter 57hette, der dis derneben verstüendt, doch steht als zue 58ewer Durchlaucht gnädigstem belieben vnd ist nuhr ein weiber 59einfall von mihr geweßen. Der Rummel wirt mit 60nechstem declarirt werden, gott gebe vns auch ein 61guetten aio, ewer Durchlaucht gnädiger raht wirt vns auch disen helfen aus-
62klauben, ewer Durchlaucht kenen zum besten die qualiteten, die darzu 63vonöten seindt. Schike hierbey ewer Durchlaucht vnterdehnig ein brif von 64der Königin in Spanien, aus welchem ewer Durchlaucht gnädig ersehn 65werden, was sie mihr so woll wegen Portugall als 66wegen des tituls antwortet. Was ich vnterstrichen, hab 67ich nit lesen können, so haben mihrs ihr Mayestät gelesen. 68Ewer Durchlaucht werden auch nit so balt lesen, dan die guette 69fraw schreibt alleweil schlimmer, machts als wie 70ich. Der Cardinal ist gestren bey mihr geweßen, zeigt 71lieb gegen ewer Durchlaucht vnd meine brüeder . Er sagt 72mihr, er hab zeitung aus Portugal, das der 73König noch bestendich in dem verbleibe, er wolle 74gahr nit heiraten, also rett man noch von nümandt. 75Er zeige noch bestendig sein inclination gegen vnser 76haus, vnd er halt vohr gewiß, das, insonderheit wan 77der König nit heiraten solte, keiner als mein bruder 78die Infantin bekommen wurde. Wan er solt heiraten, 79möcht es mehr gefahr wegen Florenz haben, welche 80stark drin negotireten, er aber vnd der drinige Nunti 81wurden alles vohr vns duen vnd verlangeten niks 82als ewer Durchlaucht in disem zue dienen. Er hatt mihr auch
83gesacht, er hab gehört, es werde der König etlige caualieri 84heraus schiken, die bey der armada dienen solten, das hielt 85er vor ein guetts zeichen, vnd kundt sich mein 86bruder dort mit ihnen bekant machen vnd sie einemmen, 87das sie gutte relationes hinein schreibeten. Ich will 88ewer Durchlaucht auch nit lenger mit mein wilden schreiben 89bemüehen, hab es so zue lang gemacht, due mich 90in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen vnd werde sterben 91ewer Durchlaucht 92vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 93EMT 94Lins den 28ten apprill 168495Postscriptum den 29ten, iz gleich kommen 96von der hez, ist gahr guett ab- 97gangen. Das wetter ist recht gahr schön geweßen 98vnd warm, jezt ist schen g, werden gleich zum eßen. 99Befehl mich nochmahlen vnterdehnigst .










