Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Linz am 24.06.1684

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Aus beyden dero gnädigen schreiben vom 16ten vnd 20ten hab 3mit großen freüden dero wohlstandt vernomen, gott 4erhalte ewer Durchlaucht verners zue vnser aller trost. Das 5ewer Durchlaucht die wahl, so ihr Mayestät am Fuker gedan, 6ein contento haben, freut mich, hoff, die Erzherzogin soll wohl mit ihm 7bediendt sein. Den franzosen ist auch entlich ein mahl ein 8anschag zurukh gangen, der Bournonuile schreibt, das sie Girona 9belegert. Er hab gleich alle fanterie, so er gehabt, die zwar 10wehnig, hinein geworfen mit einem gewisen menschen, ders 11comandirt, den ich nit nennen kan, er in deßen überall zuesamen 12gesucht völker, den ort zue securiren. Die franzosen, wie 13sies gemerkt, haben es überdreiben wollen vnd ihm 143 reuelin wekh genommen vnd ein große bresche 15gemacht, den ort noch einmahl zur übergabe aufordern laßen, woh nit, wolten16sie plündern vnd sollen sich die weiber vnd kinder 17in die kirchen retiriren. Sie haben ihnen aber geantwort, 18wolten ihrer erwarten. So haben sie ein general sturm 19gedahn, den 24ten gedan von 9 vhr bis vmb 2 nach


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20miternacht vnd sind würklich in die statt kommen, die drin- 21nigen sich aber abgeschniten, dapfer gewert vnd zugleich 22ein ausfall gedan und damit nit allein die franzosen hinaus geiagt, 23die 3 reuelin wider genommen, sondern auch alle ihre 24aprochen verderbt mit, wie er schreibt, 4000 man verlust, 25das sie gleich die belegrung müeßen aufheben. Bornonuile 26schreib es dem heiligen Narcis zue, welcher die statt schon 27von 20 belegerungen erett hatt. Mit Luxenburg ist 28nit so glükhlich abgangen, gott verzei den hollendern, 29wan sie aparte tractiren. Man schreibt, ob solten der 30Crequi schon dem Cuhrfürst von Trir haben andeuten 31laßen, er solle Trir rasiren, oder er woll es duen. Ich 32förcht, er geht ins Reich, gott wolle verleyen, was zu 33seiner ehr ist vnd der gerechtichkeit beistehn. 34Wegen bruder Franz werden ihr Mayestät zu Rohm gern 35alle officia einwenden, vnd wirt desto leichter 36sein, weil man wegen Beyern sicher ist. Die zeitung 37von der polnischen victori continuirt nit. 38Die vnsrigen haben Wischegrad wekh genommen in 2 39dagen. Den ersten dag hat mein bruder Ludwig den attacco


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40gefürt vnd selbigen dag die statt wekgenommen, den 41andren hatt das schloß gleich sich ergeben. Der Herzoch 42halts wegen der situation beßer als Gran vnd 43das es mehr die Donaw hersche als alle andre 44ort. Er lob bede brüder gahr sehr, das sie sich haben 45dapfer gehalten, ist ihnen gottlob niks geschen, wiewoll 46sie nahet dran gangen, das dem eltern ein matte 47kugel an fues getrofen, aber nit die kraft gehabt das 48eingangen. Der andre ist durch den ermel geschoßen 49worden, gott sey gelobt, das ihnen niks geschen, der 50wirt sie verners behüetten. Indeßen seint 6000 51türken auf die bagage kommen, welche der 52General Halleweil bedekt. Er hatt sich mit 300 53pfert zueweit hinaus begeben, so ist er blieben. 54Ist aber das rabatische regiment darzue kommen 55vnd hatt nit allein dise sustinirt, sondern allein 56alle türken zuerukh geschlagen, das der turken 200, 57vnserer aber 70 bliben. Haben ein türkischen fahn bekommen. 58Ist woll schad vmb den Halleweil. Ihr Mayestät haben


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59meinem bruder Carl das dietrichsteinische regiment 60gnädigst conferirt, welches ewer Durchlaucht vnterdehnigst berichten wollen. 61Wegen des canonicat von Baßau wirt heütt geschriben, 62ich hör aber, soll schon zue schpaht sein. Wegen des 63Redinghoven wollen ihr Mayestät auch duen. Wegen des priorat 64hab ich aus ihr Mayestät befehl den brif dem botschafter 65durch den Fürsten geschikt vnd die sach recomen- 66diren laßen, ihr Mayestät haben aber gleich wie es 67vacirent worden es schon getan . Befehl mich vnterdehnigst 68ewer Durchlaucht 69vnterdehnigst gehorsamste dochter 70EMT 71Lins den 24ten junij 1684