Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 27.09.1685
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, herz allerliebster herr vatter 2Ich bitt vnterdehnigst vmb vergebung, das ich so lang meine 3schuldichkeit nit hab abgeleget, die abreis des Cuhrfürsten, 4welche von dag zue dag aufgeschoben worden, ist vhrsach 5daran geweßen. Vergangen montag ist es geschen vnd 6das scheiden allerseits gahr hart her gangen, wie sich ewer 7Durchlaucht leicht einbilden können. Ich hab mich aber dabey 8nit gnuech verwundern können, wie sich die Cuhrfürstin 9so wohl gouuernirt hatt vnd gewiß ein groste standhafftickeit 10gezeicht, welches den Cuhrfürsten bilig vnerhört obligiren 11soll. Der Pork hatt sein schreiben vom 26ten passato mihr wohl 12überliuert, auch des Grav Starenberg sein Obristwachtmeister eins 13vom 28ten, so dan mit der post hab ich empfangen eins vom 147ten dis vnd eins vom 14ten, vnd auß allen disen mit 15großen freüden ewer Durchlaucht gutten wohlstandt vernommen, 16vnd das sie schon den ersten stein gelegt zue einer kirchen, 17auch die leüt kein widerwillen gegen vnser religion
18zeigen, man sicht augenscheinlich die handt gottes in dißer sach. Der 19wirt auch dirigiren, das des Morell sein schnarchen bey 20den worten bleiben wirt. Auf dise weis, wie ewer Durchlaucht ihm 21hochsterleücht geantwort, so impegniren sie das ganze Reich 22vnd ihr Mayestät vohr sich, wan sie sich bey deme halten, was 23ihr Mayestät erkenen, werden vnd ersehn das Reich sazung sein. Frankh- 24reich wirt sich woll bedenken, ihm das ganze Reich auf 25den hals zue laden. Sag ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh vohr die gnädigen 26wuntsch durch den von Porkh, er hatt die lehen bereit 27empfangen vnd hatt sich niemant einfallen laßen zu 28contradiciren. Wegen des testament duen ewer Durchlaucht wohl, sich 29draus zue halten so vill es sich duen last, vnd mögens 30die übrigen miteinander ausdragen. Was ewer Durchlaucht mihr 31gnädigst wegen des Stahrenbergs befehlen, hab bis dahto mit 32ihr Mayestät noch nit reden können, weil sie so mit gescheft 33vberheüft. Der Stratman aber hatt mihr schon lengst 34verschprochen, das wegen der bezahlung das gelt schleunich 35erfolgen soll, ich will ihm widerumb zueschprechen. 36Mein brueder erwarte alle dag, hab vermeint, er
37solt heündt kommen. Die Erzherzogin verlangt auf alle 38weis vohr dem winter drunten zue sein, also derfen 39ewer Durchlaucht nit sorgen, das sie sich hier saumen werden. 40Bruder Carl ist zwar wider zue der armee, weil er 41gesunder hier nit woll wegen der curalien stehn können, 42so lang der Cuhrfürst hie. Weil aber iezt niks mehr 43zue duen, wirt er auch balt wider hir sein. 44Ich due mich auch ewer Durchlaucht vnterdehnigst befehlen, werd filleicht 45vohr der niderkunft nit mehr schreiben, dan ich jezt 46alle dag erwarte. Bitt vnterdehnigst vmb vergebung, das 47der Josephl nit sein schuldichkeit abgelegt, hab die 48brif vergeßen hinauf zu schiken. Befehl mich noch- 49mahlen vnterdehnigst vnd werde sterben 50ewer Durchlaucht 51vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 52EMT 53Wien den 27ten septembris 168554Pater Marcus bitt ewer Durchlaucht vnterdehnigst vmb vergebung, 55das er nit auf dero befehl kommt. Er hatt kein obedienz, vnd ohne selbige 56duet er kein passo, anderstens kan er in winter hiraus nit bestehen. 57Er verschpricht aber, wan er könftige campagne wider heraus 58kombt, so vill fruehr zue kommen, das er noch eh zue ewer Durchlaucht komm.









