Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 1685.10.18
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
Ausfertigungeigenhändig
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0001Durchleüchtiger Cuhrfürst, herz allerliebster herr vatter 0002Vohr dero gnädige schreiben vom 20ten, 22ten, 28ten passato vnd 2ten dis 0003sage ich vnterdehnigsten dankh. Freütt mich von herzen, dero 0004gutten wohlstant vnd das ewer Durchlaucht ein guetten schpas 0005bey der bürst gehabt, wie ich auch alles von meinem 0006herrn bruder vernommen. Wegen der pfälzischen sachen wie auch 0007wegen des Starenbergs werden ewer Durchlaucht von dem Stratman 0008wie auch meinem bruedern selber, zue vodrist aber 0009von ihr Mayestät schon alles beantwortet haben, das ich ewer Durchlaucht 0010nit mehr darmit vngelegenheit machen will. Was 0011aber die sach anbelangt wegen meines bruder Carl, 0012so hab ichs auf keine weis dahin verstanden, als solten 0013ewer Durchlaucht gesint sein mit den landen etwas anders 0014zue machen, sondern nuhr, das ewer Durchlaucht in den landen, 0015nit sie zue vergeben, einige disposition wollen machen. Ist 0016nuhr so ein geschrei gewesen aber nit kein spetialien, 0017darumb hab mich darin informiren wollen, dan ich 0018nit glaubt, das noch solches nötig, weil mein
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0019brueder noch iung vnd succession noch hoffen kan vnd 0020hoffentlich haben wirt. Das mihr aber solt sein gesacht 0021worden, das ewer Durchlaucht die landen wolten verteilen oder wek 0022geben, stimmt auf keine weis. Es ist aber auch das andre 0023ein wichtiges werkh, vnd noch, wie ihr Mayestät auch vermeinen, 0024gahr früezeitich. Mit mein brueder zwahr hab noch nit recht 0025daraus reden können, dan ich izt noch in arest vnd 0026er das meiste druben bey seiner Erzherzogin oder 0027mit ihr Mayestät auf den iagen geweßen. Ich ken aber so woll 0028sein gehorsamb zue ewer Durchlaucht vnd sein lieb gegen seine 0029brüeder, das ich nit zweifle das er gehorsam in allem 0030sein wirt. Aber ihr Mayestät meinen woll auch, es seye nit 0031zue des haus nuzen sich zue vbereilen, dan solt er kinder 0032haben, der andre auch, so würden die leztern arme 0033pfalzgrauen werden, dauon vnser haus wehnig er wurde haben. 0034Das mein bruder Carl auch nimmer ins felt soll gehen, 0035wehre woll schad, hatt in gott diße 2 campagnen erhalten, 0036wirt er hoffentlich weiters sein gnad geben. Er ist 0037so beliebt bey der ganzen armée, das nit zue sagen, 0038aplicirt sich wohl, fragt alles nach, das recht scheindt, 0039er krieg sey zum krieg gebohren. Also wehr woll
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0040schad, wan er es izt interompiren solte. Er verlangt es0041auch selbsten gahr sehr vnd hatt mich vnerhört 0042gebetten, vohr ihn zue solicitiren. Ich weis auch nit, ob es 0043im nit möchte in der portugesischen sach schaden, wan 0044er solte aus dem felt bleiben, dan diese leütt solchs 0045hoch estimiren. Ich bitt ewer Durchlaucht vnterdehnigst vmb vergebung, 0046das ich meine einfaltige gedanken so frey schreibe, seint 0047weiber einfall, aber aus trewem kintligem herzen. 0048Due mich in dero gnade vnterdehnigst befehlen vnd werde 0049sterben 0050ewer Durchlaucht 0051vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 0052EMT 0053Wien den 18ten octobris 1685