Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 29.12.1695
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenzakten 1147
Hofft, dass EMTs Katarrh vorbei ist. – Bittet, in der „abgeschmackten“ hohenlohischen Angelegenheit (Bruder Karl Philipp wollte eine Gräfin Hohenlohe heiraten) das jüngst von JW entworfene Schreiben des Kaisers an seinen Bruder (Karl Philipp) ihm zu senden, damit er es gegebenenfalls zurückhalten kann. – Bittet, dass Vetter Philipp vom Kaiserhof nicht weiter so stark zum Nachteil JWs und der Seinigen gefördert wird. – Erwartet wegen des Herzogs von Sachsen-Zeitz weiteren Befehl. – EMT möge über den Hamilton frei verfügen. – Die dänische Heiratssache stockt, weil der Urbich den Pater Wiser als Geistlichen und gar als Jesuit „ausgeschrien“ hat; Urbich sagt selbst, im Auftrag des Fürsten Salm, des Hamilton und des Schellerer gehandelt zu haben. – Was die Ehepläne des Prinzen Gian Gastone von Toskana betrifft, will JW keineswegs, dass EMT ihrem kaiserlichen Wort untreu wird, sondern nur, dass sie nicht dagegen sein soll, falls die Schwägerin sich ohne ihr Zutun für den Prinzen entscheidet. – Kann dem Angebot für seine Truppen nicht zustimmen; wenn er nur die besprochenen 150.000 Gulden richtig erhält, wird er gerne seine Truppen verpflegen.
000129 decembris 95
000229 decembris 95 0003copia 0004Allerdurchleüchtigiste etc 0005Zue schuldigister vnterthänigster beantwortung ewer kayserlichen Mayestät 0006allergnädigsten hanndtbriefflein vom 17ten diß zu endt lauffenden 0007mohnats- vnd jahrs, so ich mit vorgestriger ordinarie post 0008zue recht erhallten, verhallte deroselben ich gehorsambist nit, 0009welcher gestallten ich mit höchster betrüebnus darausersehen, 0010daß ewer kayserliche Mayestät nebenst dem billichen verdruß, so ihnen 0011daß abgeschmachtes hochenlohisches weesen veruhrsachet, noch mit 0012einem catharen seyen incommodiert gewesen, welche dan veruhr- 0013sacht, daß ewer kayserlichen Mayestät mir nicht ehender dero allergnädigsten be- 0014felch in einem vnd andern haben ertheillen können. Ich will aber 0015nunmehro zue gott hoffen, eß werde dise vngelegenheit völlig 0016verschwunden, vnd dieselbe ab meinem nebengehenden vnter- 0017thänigistem cantzley schreiben in der hohenlohischen abgeschmachten 0018sach wenigistens einige allergnädigste consolation ab meines 0019armen bruders resolution gnädigst geschöpffet haben, wie ich 0020dan zue gott hoffe, er werde sich nach- vnd nach besser 0021in dieser sachen begriffen, vnd villeicht ehistens dauon abstehen. 0022Vnerdessen aber wird höchst nöthig sein, jedoch ohne vnter- 0023thänigiste maaßgebung, daß die jüngst von mir projectier- 0024te, vnd gehorsambist überschickte schreiben von ihro kayserlichen Mayestät 0025meinem allergnädigsten Kayser vnd herren, an meinen bruder 0026vnd den den allten von Hohenlohe, vnd zwahren, wie eher, je beßer 0027abgehen, ewer kayserliche Mayestät mir aber die gnade thun, vnd den ersteren 0028mir zueschickhen, damit, wan villeicht vnterdeßen mein bruder
0029völlig noch vor einlauffung obangeregten allergnädigsten 0030schreibens, von diser seiner begangenen narredey abgestanden 0031wehre, ich alßdan daß schreiben, vmb ihne nicht völlig de- 0032sperat zumachen, zueruckhhallten könne, vor dem anderen 0033aber mir eine allergnädigste notizia gebeten, damit ich meiner 0034seits zuegleich auch dem allten mündtlich ein rechtschaffe- 0035bes gebiß möge einlegen lassen können. Sonsten hab 0036ich von ihr Durchlaucht vnserer gnädigsten vnd liebsten frau muetter 0037entzwischen schon vernohmmen, daß ewer kayserliche Mayestät nur sowohl 0038wegen meines vettern Philipps, alß auch deß Herzogen 0039von Saxen mir haben allergnädigst anbefehlen lassen. Nun thue 0040ich mich mit dero allergnädigsten erlaubnus dieser beyden 0041sachen halber, auff daß jenige beziehen, waß theilß obge- 0042mellte vnserer gnädigsten vnd liebsten frau muetter Durchlaucht 0043diesertwegen vorläuffig auff mein vnterthänigstes bitten, geant- 0044wohrtet, theilß auch ich so wohl mit vorigen, alß jetzt ab- 0045lauffender post an beyde ewer kayserliche Mayestät Mayestät mit vnterthänigster 0046cantzleyberichteren in tieffsterm respect habe abge- 0047hen lassen, mit vnterthänigsten bitten, sich meines vettern 0048zue meinem- vnd der meinigen höchstem praejudiz, vnd 0049schaden nicht mehr so starckh anzuenehmmen, wegen deß lieben 0050Herzogen von Saxen aber, dero allergnädigste fernere 0051befelch, waß ich demselben bedeüten solle, zue kommen zuelassen, 0052deme in allem gehorsambste folge laisten werde. 0053So vill den Hamilthan angehet, haben ewer kayserliche Mayestät mit dem 0054selben nach dero allergnädigsten belieben ledigklich zuedisponiren
0055vnd ist mir hertzlich laydt, das seine frau so übel auff ist gewesen, 0056bin von herzen frohe, daß es sich wider mit ihr gebessert. 0057So vill daß haubtnegotium anlanget, weilen mein hoffcantz0058elers hinunterkunfft, sonderlich, dahe ihro Mayestät 0059mein allergnädigster Kayser- vnd herr vermeinen, daß des0060d' Arcourt bey der iungsteren conferentz getha0061ne andtwordt nur noch gahr zue sehr in gener0062alibus seye, ewer kayserliche Mayestät aber auch nebenst diesen 0063allergnädigst mellden, daß meines hoffcanzelers der0064malige dahinkunfft noch zue praematur, vnd wegen 0065der susspitionen, so die ministri, vnd andere dauon 0066nehmmen könnten, zue gefährlich seye, absonderlich dah man 0067Tiberium, obwohlen vnschuldiger weise, so in verdacht hat, alß 0068ob derselbe suechete einen particuar friden zue negotie- 0069ren, so will ich dessen dahinreise, vnd zwahrn vmb de- 0070mehr, biß auff ein anders mahl auffschieben, alß man tag0071lich vom d' Arcourt eine nahere vnd positivere0072resolution absonderlich wegen Straßburg, Lutzen- 0073burg vnd Lottringen gwertig ist. Das dani0074sches heyrathsnegotium betreffennt, beziehe 0075ich mich kürtze halber, auff daß jenige, waß ich jüngsthin 0076vom Pater Wiser ahn deroselben unterthanigst uber0077schicket, wahrinnen alles begriffen, waß der Urbig0078sowohl ahn ihn als andere wegen der ihme vom Hamil0079ten sowohl als anderen in dieser materia ihme auffge0080gebener collissionen gesagt und wie er allebenwohl 0081in vhrsach, daß man die bishero nur zwischen dem Konig
0082dem Grauen von Rebenclaw vnd dem Pater Wiser der religion0083halber allein gehaltene conderents nuhnmero in der0084predicanten handen gegeben vnd nebenst diesem da0085durch das gantzes negotium schier verderbt, daß er Urbig0086den Pater Wiser überall nicht allein vor einen geistlichen, vnd priester 0087sondern auch gahr vor einen jesuiter aus geschriehen, dardurch dan 0088leider dieses gantzes negotium in nicht geringen re0089tardat gerathen vnd sagt der Vrbich teütsch heraus daß 0090der Fürst von Salm, der Hamilthan vnd Schellerer ihne diese 0091commission vnd reiße zuethuen auffgetragen. Weilen aber ewer 0092kayserliche Mayestät ein anderes allergnädigst mellden, vnd daß es aus dero 0093selben gnädigstem befelch geschehen, so mueß ich wohl dabey vnter- 0094thänigist acquiescieren, bitte aber hinfüro mir die gnade zue 0095thuen, daß wan dieses hierdurch schier völlig verdorbenes, vnd 0096in so gueten terminis gestandenes negotium kheinen, oder 0097aber einen sehr schwehren gefolg haben sollte, mir eß nicht, sondern 0098denen, so es maisterlich vnter der handt, wegen ihrer privatpas- 0099sionen, so sye gegen einen dritten tragen, verdorben, zue zueschreiben, 0100vnd in vngnaden zue vermerckhen, vnd mich hinfüro von solchen 0101künstleren gantz zuebefreyen. 0102Waß meinen schwagern den Prencipe Giovanni Gastone anlanget, bitte 0103ich ewer kayserliche Mayestät allervnterthänigst vmb gottes willen, durch aus 0104nicht zueglauben, daß weder meine, noch meiner hertzaller- 0105liebsten gemahlin, noch deß liebsten herrn Großherzogen inten- 0106tion im geringsten seye, deroselben beyderseits zue zue 0107muthen, daß sye sollen von dero impegnio im geringsten abstehen, 0108oder sich vor meinen schwageren interponieren. Daß seye 0109weit von vnß, dan wir gahr wohl vnß zu verbeschaiden
0110verbescheiden wissen, 0111daß die kayserliche allergnädigste 0112inten impegni vnd ver- 0113sprechen heylig seind, vnd 0114billich also vnueränderlich 0115bleiben sollen. Vnsere 0116vnterthänigste innocenteste 0117vnd einzigste flehentlichste 0118bitte, gehet nur dahin, das 0119weilen dieselbe allergnädigst 0120wollen, das sie meine 0121fraw schwägerin gar nicht 0122in ihrer inclination zue 0123nöthen gedenckhen, sie auch 0124kein pupill mehr wehre, 0125ewer kayserliche Mayestät Mayestät 0126vnß nur dise höchste gnade 0127thuen wolten, allergnädigst 0128zu versprechen, daß, wann 0129wir die schwägerin zue 0130disem heyrath mit meinem 0131herrn schwagern ohne ewer kayserliche 0132ewer kayserliche Mayestät Mayestät im ge- 0133ringsten zu impegnieren 0134oder von ihnen zue melden 0135disponieren könten, die- 0136selbe vnß hierinfahls weder 0137directe noch indirecte
0138hinderlich fallen wolten, 0139vnd wann der heyrath alß- 0140dann auch erfolgete der- 0141selbe dann alßdann ewer 0142kayserliche ewer kayserliche Mayestät Mayestät nicht 0143zu wider sein wurde. Auff 0144die weise brechen sie jahe 0145im geringsten dero impegno 0146nicht, lassen meiner schwägerin 0147alle freyheit, wie es ewer 0148kayserliche Mayestät allezeit gesagt, 0149daß sie sie nicht forcieren, 0150noch ihren freyen willen zwingen 0151wollen, vnd obligieren sich 0152deß Großherzogen sein 0153mächtiges haus auff ewig 0154vnd vinculieren es sich, vn- 0155aufflöslich in dero hohen 0156erzhauses interesse, ich aber 0157werde nimmermehr andern 0158zu leben. 0159Waß ewer kayserliche Mayestät mir 0160wegen meiner troupen 0161allergnädigst melden, bitte mir 0162nicht in vngnaden zue ver- 0163mercken, daß ich darein 0164wegen deß gar zu grossen 0165dabey leidenden schadens 0166nicht eintretten kan, ewer








