Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Favorita am 24.06.1695
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenzakten 1147
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Ich hett ehnder auf dero liebste schreiben antworten sollen, 3hab aber alleweil gemeindt, diser curir werd 4expedirt werden. Wüntsch dero Liebden vill glükh zum heündtigen 5dag, das sie vill mahl mit freüden erleben mögen. 6Den Landgraf Pfilip werd mihr bestens laßen reccomendirt 7sein. Den brif, der an Sigmundt abgangen per errorem, 8werden dero Liebden schon empfangen haben, ist zue allem glükh 9niks bedenkligs drinnen gewest. Wegen des regiment 10acceptiren ihr Mayestät dero Liebden generose offerte, hoffen, das regiment 11soll balt kommen, allein weil dero Liebden das new regiment 12schon oferirt gehabt vndt es hatt sollen den nahmen eins 13keiserligen regiments füren, wie ich dero Liebden alzeit geschriben, das 14ihr Mayestät verlangen vndt selbiges der Deütschmeister hette 15commendiren sollen, also verlangen ihr Mayestät, das es bis
16dahin, das das keiserlige neüe regiment kombt, 17dises regiment den nahmen eins keiserligen laßen 18sollen vndt das es in deßen der Deütschmeister als Obriste 19comendiren möge. So balt das newe wirt kommen, 20wirt der Deütschmeister dißes abtretten und es wider den 21nahmen eins cuhrfürstligen füren wirt. Jezunder wirt 22darnach dahin stehn, obs dero Liebden wider wollen hin nemmen 23oder, weil dero Liebden auch ihre übrige troupen offe- 24rirt haben, wan man in deßen sich deßen vergleichen 25möchte, zur könftigen campagne bleibt, so erschpart 26man den marsch, der Pater Wißer wirt dero Liebden dis 27alles weitleüfich berichten. Dero Liebden werden schon ein mitl 28finden, indeßen den Herzoch von Sachsen zu contentiren, 29ich hoff, dero Liebden werden mihr dis nit abschlagen vndt 30mich nit steken laßen, dan ich mich auf dero Liebden generositet 31verlaßendt impegnirt hab mit mein Keiser . Es ist es 32doch als eins, dan so balt das ander kombt, haben 33dero Liebden dis wider wie iezt vndt könns dem Herzoch 34wider geben, ist nuhr die etlich monat zuduen. 35Wegen der werb gelder könts mit nechst aiustirt sein, 36das Pater Wißer wirt mit nemmen können.
37Wegen der subsidien wirt der Deütschmeister dero Liebden schon geschrieben 38haben, wie eifrich er ist, deils ist schon beissammen, 39vnd der rest wirts balt sein. Den Autel vndt Velen 40werdt bestens reccomendiren, wie es dero Liebden verlang, obs 41aber so gleich geschen wirt, weis ich nit, weil auch von 42den vnserigen vill pretendiren, ich werd aber mein 43best duen. Wegen der gelder mit Florenz, so sacht der 44Montauti eins, der Windischgräz ein anders, wie sih 45sich verglichen hetten, also weis ich nit, wer recht 46hatt oder wie sie sich nit recht verstanden oder 47explicirt haben. Ihr Mayestät seindt aber so gnedig, das 48sie gern dun, waß sie können, hoffen, der Herzoch wirt 49seiner seits auch duen. Den Don Gaston betreffendt 50förcht ich, wirt weder er noch Modena den intent erlangen, 51dan so vill man von ihr abnemmen kan, will sie 52niks hören von einiger andern nation. Wan bruder Carl her 53kombt, werd sondiren, woh sein inclination hin geht. 54Iezt die jesuiter betreffendt, mues ichs nuhr meiner 55vngeschiklichkeit zue schreiben, das ich mich etwan nit 56genuechsamb explicirt oder mein vnglükh, das 57andern, die aus passion was vohrbringen, merer glau- 58ben zuegemeßen wirt als meinen offenherzigen vndt 59gewiß warhofften bericht, mues es also gott befehlen.
60Vndt in übrigen, wegen des Rummel werden ihr Mayestät dun, 61was sie zu dero sons besten finden werden, welche so 62höchst erleücht sein, das sie zum besten kennen, was 63ihme nuz ist, vndt destwegen die jesuiter nit 64vmb raht zu fragen haben noch werden. Müeßen sie 65deswegen vnschuldich die schuldt dragen, mus mans gott 66befehlen, es leiden mehr leüdt vnschuldich in diser 67welt, sie werden nit die ersten, auch nit die lezten 68sein. Der Pater Wißer plagt mich in diser sach, 69das mihr recht förcht, wan er zu mihr kombt, 70vndt der man will nit recht raison anhörn, ich 71weis nit, capirt ers nit oder wie es ist. Die heßische 72sach betreffent vndt wegen des regiments, wan der 73Schellerer die fehler aus maliz begangen, wehre es 74woll nit recht. Mein vnuohrgreiflich meinung 75aber wehr, man soll ihms vohr halten, dan man 76auch kein malefiz vnuerhörter condemnirt, ich will 77in aber nit entschuldigen, man mus halt hören wies 78ist. In der haubt sach mus man den erfolg erwarten, 79die eine notitia wegen Engeland und Hollant werden 80ihr Mayestät ihnen zue nuzen machen vndt suchen, allem 81übel vohrzuebiegen. Wegen der danichen heirat 82hab ich schon offt dem Pater Wißer gesagt, er soll
83dero Liebden schreiben, sie möchten ein vohrschlach duen, wenn vndt 84wie sie vermeinen, das sie hin wolten schike 85n, auch zuegleich ein proiect von der instructi 86on, wellche ihr Maiestet hernach corrigir 87n können. Der opobalsamb kombt hirbey, auch der 88ander balsam, ihr Mayestät zwar haben den von der Pandolfinin 89nit mehr weg weder das recept, habens dem Siluio 90geben gehabtt, welcher bey mihr guardedames wahr vndt 91ein treffliger man in solchen sachen, der ist gestorben, 92vndt nach sein doht ists verlohren worden. Disen 93aber hatt der Cardinal Golnitsch von vnsern 94frommen Papst Inocentio dem 11 bekommen, 95welcher aus lauter christliger lieb dem Cardinal 96das secretum geben vohr die armée, vndt versichert 97mich der Cardinal, das es eben der sey, den die 98Pandolfinin gehabt hatt. Bitt also, das dero Liebden das secretum 99wolle bey sich behalten, kombt alles herbey. Wan dero Liebden 100hingegen was mihr comuiniciren woll, insonderheit 101die corallen tinctur, gesche mihr woll ein großen 102gefallen, dan ihr Mayestät, mein Keiser, meinen, vnsere
103wurde ein rechte corallen tinctur gahr nuzlich 104sein zue bestendiger erhaltung der gesuntheit. 105Jezt gleich ist der Cuhrfürst von Saxen ankommen, 106gott geb, das etwas gutts in Vngarn richten möge. 107Aus Sibenbürgen schreibt man, das die moscowitter 108den tartern das belegrte ord schon genommen vndt 109ein große confusion vnter ihnen sey, das wer 110woll gutt, gott geb sein gnad. Ich werde sterben 111dero Liebden 112getreweste schwester 113Eleonora 114Fauorita den 24ten junij 1695














