Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Favorita am 20.07.1698

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

Ausfertigungeigenhändig

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120 julij 1698 2Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 3In dem ihr Mayestät, mein Keiser, den Grav von Sinzendorf 4zue dero Liebden abschiken, hab ich ihnen mit disen zeilen accom- 5pagniren wollen. Er wirt dero Liebden mit mehren mein bestendige 6affection versichern, bitte, dero Liebden wollen ihm in allem, was 7er in dißen vndt andern sachen ihnen vohrbringen wirt, 8volligen glauben beymeßen, auf welchen ich mich dan 9rze halber bezihe. Die spanische 10sach anbetreffent, stehn halt die sachen im 11altem standt vndt ists niks beßers zu 12hoffen, weil die Königin kei 13nen anderen raht folget als 14der Perlips und bring 15en den Landgraf auch dahin, gott woll


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16alles zum besten wenden. Meines sons hey 17raht betreffent, so stehn mir noch 18in der alten iresolution, hoff aber, 19es werde balt ein mahl, vndt villeicht auf 20meins sohns geburtstdag einige 21heraus kommen. Werde nit vnterlaßen, 22dero Liebden also balden es zu berichten. Es wehr in disen 23vill zue sagen, wehr aber alles zu lang zu 24schreiben, gibt vill geschwez vndt vill remissio lugen, 25das es ein schandt ist. Gott aber wirt alles 26zumb besten schiken. Wegen der neapolitanischen 27gütter wehr es woll zum höchsten preiudiz 28des ganzen cuhrhaus, vnd wurden dero Liebden 29nachkömling nit an den contract gebunden 30sein, sondern alzeit selbige widerumb 31billich anschprechen können, darumb auch der 32Grosherzog sich woll bedenken wirt 33es einzugehn. Es werden sich iah ander mittl 34finden, die franzosische pretension zu bestreiten. 35Ihr Mayestät, mein Keiser, werden auch alles möglich 36ihme seits der subsiden halber duen. 37Wegen der troupen wirdt es izt consultirt,


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38vndt ich werde dero Liebden nachgehns berichten. Freilich wehr es gutt, 39wan man den Forstmeister con bell modo könt 40wekh bringen, ich seh aber nit, wie vndt zu 41was man ihn promouiren könne. Bruder Carl betreffent, 42so wehr freilig gutt, wan man ihm ein ge- 43mahlin finden könt, welche so vill mittel 44hette, das er vndt seine könftige kinder daruon 45nach ihrem standt leben könten, aber ieziger zeit 46weis ich warhofftig keine vndt mues 47bekennen, das ich wehniger preiudiz finde 48vohr vnser cuhrhaus, das es mit ergrößerung 49des apanagio etwas mehrers grauirt werde, 50in dem ohne das gott durch absterben bruder Pfilip 51Wilim vndt Friz ire apanagni zurukh fallen laßen, als das 52aus mangel der erben einist alles in 53ein anders haus oder wehnigst lini, vndt deils 54gahr in vncatolische hendt kommen möge. 55Dero Liebden wollen es woll consideriren, bruder Carl wirt 56auch alle dag älter, vndt bey dem leben, 57so er fürht, ist zu beförchten, das wan er


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58nit balt heirat, er wehnig oder keine kinder 59mehr bekommen werde. Das dero Liebden etwas von dero 60landen sollen abtretten, werde ich in ewichkeit 61nit einrahten, dan dises woll dem haus 62ein preiudiz wehre, das aber ein großers 63apanagio so großen schaden brengen solle, kan 64ich nit finden, beßer etwas als hernach 65alles verlohrn. In Schpanien ist doch niks zu 66hoffen, vndt mein Keiser ist auch vnmöglich, 67meine brüder zu erhalten, dah er schon so vill 68gnaden dahn vndt selbst ein großen last mit 69den krig auf dem hals hatt. Die saxen- 70lauenburgische sach werd ihr Mayestät gern recomen- 71diren, welcher so ein gerechter herr, das sie allen 72die iustiz administrirn, also auch ihnen nit aus 73bleiben wirt, vndt man in dem reichshoffraht 74wirt sehen, was in der sachen zu duen sein wirt. 75Das aber weder der Prinz Don Guaston noch der 76no ch der Margrau andre schädlige mesures 77faßen solten, kan ich mich in ewichkeit nit 78einbilden, dan sie bede vill zu generoß


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79vndt dankbar sein, das, nach dem sie so vill gütte 80vndt gnaden von mein Keiser empfangen, einige 81resolution faßen solten, welche ihr Mayestät vndt 82dem ganzen Reich preiudicirlich fallen möchte. 83Den franzsösichen engel betreffendt, weil ehr 84so modest, ist wehnige zue trawen, dan die schleicher 85die schlimsten seindt. Den Saurman werd ihr Mayestät 86reccomendirn. Mit disen due mich dero Liebden befehlen 87vndt werde sterben 88dero Liebden 89getrewste vndt dinstwilig 90schwester 91Eleonora 92Fauorita den 20ten iulij 1698