Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 01.06.1679

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Dero gnädiges schreiben vom 29 maij hab ich mit schuldigem 3respect vndt höchsten freuden empfangen, in deme 4ich so wohl daraus ewer Durchlaucht guetten wohlstant 5als auch ihr Durchlaucht, meiner geliebsten frawen muetter, 6föllige beßerung des catars vndt fiebers 7vernommen, gott gebe weiters seine gnadt. Ich 8vermeine, ich könne der zeit nit erwarten, 9bis ich die fröhlige zeitung der glükligen 10entbindung verneme, hoffe aber auf die 11nechste post. Was ewer Durchlaucht gnädig befehlen wegen 12des Bischoff von Münster, solliches werde ich 13ihr Mayestät vnterdehnigst vohrdragen vndt zweifle 14nit, sie werden in diesem wie in allem 15dero gnade erzeigen. Was die coadiutori anbe- 16langt, werden ewer Durchlaucht vom Schellerer alles 17weitleufich vernemmen, was so wohl mit


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18dem Fürst Wilhelm im fohrschlag, vndt werdt ich 19mich befleisen, so vill alls möglich hierinnen 20zue richten, auch was vohr ein antwort 21vom Cardinal von Heßen kommen zu berichten. Der brief 22an mich ist gahr höfflich, habe ihn 23ewer Durchlaucht mit dießer post wollen einschließen, 24bin ihn aber zue Laxenburg vergeßen, 25will es aber mit nechstem duen. Er 26offerirt sich darin, wan ich einzigs zue 27erineren hätte, das das votum, welliches er 28mihr überschiket, nit nach verlangen eingericht 29seye, so solle ich es angeben, er wolle es 30machen wie ich es verlange. So hab aber 31das votum überleßen vndt gefunden, das 32es wohl könte beßer eingericht sein. Also 33wir ich ihme mid heüntiger post widerumb 34schreiben vndt ein extract von des Mark- 35grauen seines schiken. Es haben ihr Mayestät vermeint, 36weil er sich gegen mihr so willich oferirt,


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37so sey es weiters nit nötig ein eigen caualir 38zu diesem negotio comission zue geben, weillen 39hoffentlich der Cardinal nit allein sein votum 40wie er es offerirt nach verlangen mihr ehist 41überschiken wirt, sonderen auch den Fürsten von 42Naßau disponiren wirt selbiges zue duen. Iezt 43aber ist mihr noch ein sach an die hant 44geben worden, welches hoffentlich reusiren 45wirt, gahr leicht vndt nit von geringer 46importanz. Es hatt sich der Wangen bey durch47den Pater Isidorum, welcher dieses werk gewis 48gescheidt vndt mit nachdrukh angegrifen, 49offerirt zue verhelfen, das einer von meinen brüdern 50die coadiutori des Deutschmeisters möge bekommen. 51Dieses habe ich gleichsam am anfang ganz in 52windt geschlagen, aber dem Pater Isidoro heimlich 53aufgeben, die sach aus sich dahin zue befürdern, 54das ohne mein vohrwißen solliches ihr Mayestät 55vohr den dem augen vndt ihme durch 56den Hoher, welchem ich aber mein intention 57durch Pater Isidorus eröfnet, ihr Mayestät vohrgedragen


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58werde. Dieses hatt der liebe Hoher wohl mit 59guettem sucess gedan, denn ihr Mayestät sich allsobalt 60offerirt darzue zue cooperiren. Nachgehns hab ich 61ihr Mayestät auch daruon gesacht, welcher alles approbirt 62vndt mihr gnädigst erlaubt, den Wangen ruefen zue 63laßen vndt ihme comission disfals an den Deutsch 64Meister zue geben. Ich hätte zwar von allem dießem 65ewer Durchlaucht zuefohr bericht, aber weil der Deütsch 66Meister eben kommen, nit wohl auf war vndt balt 67widerum wekh gewolt, hab nit darauf warten können. 68Er hatt auf dießes anbringen anfangs ein wehnich 69gestuzt, nachgehns aber ein dag zeit begert, sich zue 70resoluiren, andren dags den Wangen wider zue 71mihr geschikt vndt sich zue allem willich offerirt und mir72an hant geben, ich solle den selben abent, wan er 73werde zue vns auf die beys kommen, machen, das 74ihr Mayestät ihn ersueche, wen von meinen bruedern 75in den orden auf zue nemmen, vndt das soll ich 76auch duen. Im übrig woll er darnach schon 77durch den von Wangen alles an hant geben, was zue 78der coadiutori vonöten zue gelangen. Das vohrnemste 79aber seye das secretum, wie auch hier kein sehl 80als der Hoher, Pater Isidorus und Schellerer, welcher gahr fleisig, 81der Wangen vndt er darumb wißen. Iezt verlangt


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82man nuhr, das ewer Durchlaucht sich erkleren, welichen von 83meinen bruederen, vndt in was vohr einer baley ewer 84Durchlaucht ihn verlangen. Es vermeinet aber der Deutschmeister, 85das entweder bruder Wolf oder Ludwig sein müeße, 86dan sie bey den andern wegen des alters bedenken 87haben wurden. Weil der liebe allte auch sehr abnimt, 88so ist kein zeit zue versaumben. Man mueß 89es aber auch nit gahr zu sehr übereilen, ich 90werde ewer Durchlaucht schon alles selber oder durch den 91Schellerer berichten laßen. Hierbey ist aber vohr 92allem nötig, das ewer Durchlaucht in diesem fall 93dem Wangen einige confidenz zeigen vndt 94die sach allein durch ihn negotiren, weil der 95Deutschmeister es also verlangt vndt, wan die 96sach nuhr geheim bleibt, schier dem ansehn nach 97ganz sicher an gehn wirt. Meine vnterdehnige 98meinung ist ohne gehorsamste maßgebung, das, weil 99bruder Wolfgang iezt in dem coadiutori werkh noch 100impegnirt ist, man auf meinen bruder Ludwich 101könte gehen, der es doch nachgehens, wan ein andre 102coniunctur sich begebe, einen von seinen brüedern 103resigniren kunte. Bitte vnterdehnig das nuhr 104in der still möcht bleiben, dan dieses vohr 105allem von 1nöten. Der Schellerer wirt alles


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106weitlaüfiger berichten. Ich due mich in deßen in 107ewer Durchlaucht gnade befehlen vndt sterbe 108ewer Durchlaucht vnterdehnigste 109ganzergebenste trewgehorsamste 110dochter 111EMT 112Wien den 1 juni 1679113Der gehlinge doht des Kuhrfürsten ist wohl 114ein geschwinde sach, gott sey ihm gnädig. Iezt 115werden sich auch vill sachen entren. 116Wegen ihr Durchlaucht herunterkunft, scheindt es, wollen sich 117ihr Mayestät noch nit resoluiren bis nach einer 118fröligen zeitung. Bitte aber vnterdehnig das 119verhüett werde, das leütt nit von Neuburg 120die sach hier her schreiben vndt ganz gewis machen, 121das das macht nuhr, das es härter her geht. 122Bitte hierauf kein antwort.


1Falte im Blatt