Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 13.02.1687
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, herzallerliebster herr vatter 2Ich hab bede dero gnädige schreiben vom lezten passato vnd 38ten dis mit schuldigstem respect empfangen vnd daraus 4mit großen freüden vernommen, das ewer Durchlaucht sich in gutem 5wohlstandt befinden vnd mit dem fueß wider ganz guett 6ist. Der allmechtige wolle ewer Durchlaucht bestendig bey bestem 7wohlstandt erhalten. Was ewer Durchlaucht wegen der limiten tractaten 8melden, ist schon auf Regenspurg befohlen worden, vnd hoff 9ich woll nit, das die östereichische gesantschaft etwas 10werde darwider gedahn haben. Ich will aber mit dem 11Hoffkanzler daraus reden, welcher selbige instruirt. 12Wegen was Meins angeht vnd was die mediation 13des Papsten betrift, wie auch, das ihr Mayestät dem 14Seiler erlaubt, werden ewer Durchlaucht iezt schon alles 15vernommen haben. Vnd wan nit balt antwort kombt, 16ist nit ihr Mayestät schuld, dan sie es woll befohlen, aber 17es lernt sich hier balt der wienerische brauch, das 18man langsamb ist. Ich werde aber dem Stratman 19so woll als dem Schellerer zueschprechen, welcher 20die schuldt hatt, weis ich nit, aber ich wils beden sagen,
21das fleisiger sollen sein. Bey Schpanien vnterlaßen ihr Mayestät vnd 22ich nit, fleisig zue dreiben. Die Königin schreibt mihr 23auch mit der lezten post, das sie auf alleweis 24daran wolle sein, das balt die resolution heraus 25komme, ahn ihr wirt es woll nit ermangelen. 26Sie schreibt mihr auch, das wan villeicht mein 27schwester so nahet bey Madrit vorbey reiset, das sies 28sehn kunte, wurd es sie sehr frewen. Weil ich die freüdt 29nit haben kan, mues mich halt der geduldt ergeben, 30weil gott es so geschikt hatt. Das der Deütschmeister 31zue Mariendahl wohl ankommen, freütt mich, hoff, sein 32vnpaßlichkeit werde wider guett sein. Ewer Durchlaucht werden 33iezt schon gnädig vernommen haben, warumb mein bruder Carl 34so lang ausbleibt. Geht ihm aber gottlob beßer, 35hatt nit gahr laßen konnen, vohrgestern in cammera 36ein kleins dänzel zue wagen. Das bein hatt sich schon 37gesezt, in ein dag 8 oder lengstens 14 wirt er hoffen- 38lich wider reisen können. Wegen Portugal ist das meiste 39wegen den curialien, dan ihm leicht kunt von dennen 40leüten, welche gahr hoch gehen, ein schlechtes tractament 41geben werden vnd er darbey sein intent doch nit ereichen. 42Insonderheit wan der Botschaffter sein caracter 43behalt, wirt er ihm auf der reis als in loco tertio
44schwehrlich weichen. Wan aber der Botschoffter selber etwas 45zeigen solte, das mans drin nit vngern sehen wurde, 46so wurden sie auch schon beßeres tractament geben. 47Dragt mans ihm aber ahn, wan es ihnen auch nit lieb 48wehre, wurden sies nit widerschprechen, aber er wehnig 49ehr vnd mein schwester wehnig consolation daruon 50haben, dan sie ihn vermutlich schnöde tractiren wurden, 51welches ihr auch schwehr wurde vals zue sehn vnd wurd 52sie sich im anfang starkh drumb anemmen, möchte 53sie des land vnd woll auch des Königs importun 54scheinen. Doch, wan sie ein weil dort wehr vnd die 55gemüeter gewunen hette, sie dises leichter kunte richten 56vnd mein brueder mit mehrer sicherheit vnd 57reputation stehen können, auch der heirat, wan etwas 58zue hoffen, wehre leichter gehn. Dies seint ihr Mayestät 59vnd des Stratmans bedenken. Es wirt sich aber 60alles beßer zeigen, wan der Botschaffter hinn kommen 61wirt, gott geb sein gnad, das alles zum besten auschlagen 62möge. Mit mein Josephl geht es gottlob guett, es 63haben ihm seine caualieri ein comedi gemacht im fasching, 64weil er noch nit ausgeht, dah hatt er ein große 65freüdt mit gehabt. Ich mein aber, könftige woch 66wirt er wider aus gehen, wans das wetter nit zue
67übel ist. Das ewer Durchlaucht ein gutten schpas mit der schwein 68hez gehabt, freüdt mich, die liste aber hab nit bekommen, 69wirt sein vergeßen worden einzueschließen. Der Minati 70vnd Dragi werden sich auch befleisen, ewer Durchlaucht gnädigsten 71befehl balt zue exequiren. Mit disem due ich 72mich ewer Durchlaucht vnterdehnigst befehlen vnd werde sterben 73ewer Durchlaucht 74vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 75EMT 76Wien den 13ten februarii 1686 77Es ist ein guetter 78danzer aus Frankreich kommen, 79bruder Carl meint, wehr gutt, wan er dort wehr. 80Wan ihn ewer Durchlaucht verlangen zur comedi, will 81ihm auf so lang erlaubnus aus bringen, so 82kan er mit bruder Carl schiken.










