Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 02.03.1687
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleuchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Weil ich glaub, das villeicht könftige post nit werde 3können ewer Durchlaucht vnterdehnigst mit mein schreiben bedienen, vnd 4mein bruder Carl, weil er seine walfahrten verichten 5will, etwas lengsamer reisen wirt, also vntersteh 6mich, ewer Durchlaucht mit disen vnterdehnigsten zeilen auf dero gnädiges 7schreiben aufzuewarten, welches ich iezt gleich empfangen 8vom 21ten dis . Gottlob, das sich ewer Durchlaucht bede in guttem 9wohlstandt befinden, der geb weiters sein gnad. 10Sage auch ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh vohr die gnädige sorg, 11die sie vohr meine niderkunft haben. Die gnad, 12das ewer Durchlaucht in dero gebet meinen gedenken, kan es 13nit anderst als gut abgehen lassen, befint mich auch 14gahr woll auf. Der Josephl ist schon wider aus 15gefahren vnd wirt heündt wider das erste mahl 16mit vns eßen, dan die doctor nit es erlauben 17wollen, das er soll zue mihr kommen, bis 5 wochen sein.
18Die Mhißel ist auch wider woll auf, wahr nuhr ein 19cattar. Die antwort an Papsten haben ihr Mayestät schon 20an die höff publiciren laßen. Was ewer Durchlaucht weiters 21gnädigst vohrschlagen wegen der sicherheit am Rein, werde ich 22vom Stratman vernemmen. Bruder Carl wirt morgen sein 23reis vortsezen. Das man entlich wegen seiner dem 24Botschaffter sondiren will, mueß es aber sein, ohne 25gahr zue großen empressement zue zeigen, sonst 26wurd er sich niks trawen darwider zue sagen. 27Wegen der handt mit ewer Durchlaucht werden ihr Mayestät, 28wan sie können, selber schreiben. Wan sie aber nit 29könten, haben ihr Mayestät mihr befohlen zue schreiben, das sie 30vermeinen, das ewer Durchlaucht ihn tractiren sollen, wie 31es bey den cuhrfürsten stilo ist, welches ihr Mayestät 32nit gnuechsamb wißen, meinen doch, das es die 33weltligen cuhrfürsten nit duen, einen die hant 34zue geben, auser dem keiserligen. Also wan 35sich ewer Durchlaucht mit dem entschuldigeten, das sie 36es gern duen wolten, wan es ein andrer welt- 37liger cuhrfürst duen wurde, es auch keiner andren
38königligen gesanten, wehr es sey, geben wurden auser dem kaiserlichen, 39welchem es alle geben, so wurd er es auch nit können 40vohr übel nemmen. Bey dem actus der sponsalia könte 41villeicht einer von meinen brüedren supliren, wie 42in Bayren der Herzoch Max gedahn, oder entlich bey disem 43acta allein ihme die hand geben werden, nachdeme 44es ewer Durchlaucht finden wurden, das bey den andren 45cuhrfürsten wurde wohl aufgenommen werden. Den 46Starenberg belangent, vermeinen ihr Mayestät, das 47er keinen caracter solt anemmen vnd 48also als inuiato keinen posto zue pretendiren 49hette, sondern sich nuhr ah priuat halten solle. 50Was mein schwester vohr ein weg soll nemmen, wirt 51man nach dem, was der portugeser brengen wirt, 52einrichten. Die information vom denen musicis hab 53dem Draghi geben, er hatt aber schon zimlich 54vill componiret, welches sich aber woll wird dannach 55also richten laßen, wie ewer Durchlaucht es verlangen. Ich 56werd könftige post hoffentlich ewer Durchlaucht schon ein guetten 57deil vom ersten act schiken, wan ewer Durchlaucht gnädigst 58befehlen, wirt der Minati woll die intermedien
59machen. Aber wie er die opera einricht, glaub 60ich, so das gahr lang wirt werden vnd komen 61so hin vnt her mit dem bufon ridicule 62sachen hinein, so förcht ich, wan noch intermedien 63darzue komen, wirt gahr zue lang werden. 64Erwart aber weiters gnädigen befehl. Vohr die 65saw lista sag vnterdehnigsten dankh. Ist mihr leid, 66das wegen des fueß ewer Durchlaucht wehniger gefangen 67haben. Due mich vnterdehnigst hirmit in ewer Durchlaucht 68gnade befehlen vnd werde sterben 69ewer Durchlaucht 70vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 71EMT 72Wien den 2ten merz 1687









