Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 05.02.1688

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich sage ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh vohr bede dero gnädigste 3schreiben vom 23ten vnd 27ten passato, welche ich mit 4vnterdehnigstem respect empfangen. In dem ersteren aber 5hab ich solche entschuldigungen wegen vnterlasung 6des schreibens gefunden, das ich sorge, in vngnaden 7zue sein, weil euer ewer Durchlaucht mit dero vnterdehnigster dochter 8soliche cerimoni machen. Sie wißen iah, das mein gröste 9freüdt, wan ewer Durchlaucht nuhr dero gelegenheit beßer in 10acht nemmeten vnd sich nit so oft meinet- 11wegen mit schreiben bemüehten, welches mich ganz confus 12machet, ist mihr schon genug, wan ich sonst ver- 13nemmen due, das sich ewer Durchlaucht in guettem wohlstant 14befinden. Das zue Cöllen die wahl so übel abgeloffen, 15wirt gott schon ein mittel schiken. Vnterdeßen duen


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16ihr Mayestät niks vnterlaßen, auf Rohm vnd an die 17Cuhrfürsten ist schon geschriben worden, wirt auch zue 18Rohm wegen Lüttig mögligst gearbeit werden. Das 19schlimmeste ist, das die stiffter im Reich vermeinen 20das priuilegium zue haben, das ihnen der Papst 21die wall nit verbieten könne, sey auch kein 22exempel, das solches geschen sey. Doch mues man 23duen, was man kan. Wan mein bruder vnd der Kauniz 24werden her kommen, so wirt man sehn, was weiters 25zue duen wirt sein. Es wehr woll gutt, wan mein 26bruder möglist sein reis beförderete, dan ein mahl zu 27Preßlaw sein gegenwart höchst vonöten ist. Der Cauniz 28ist schon zue München ankommen, schreibt aber seinem 29schweher vatter, dem Oberst Burgrauen, das er den dortigen 30hoff in schlimmestem stand gefunden. Die reis auf 31Venedig sey festgestelt, woh sie nit gahr auf Turin 32geh. Der Villors ist ganz confident mit ihm Cuhrfürsten . Er wirt 33schon wekh sein von München, also wirt auch der 34Cauniz balt hier sein. Ewer Durchlaucht aber in vnterdehnigstem vertrawen, 35der Cuhrfürst hatt dem Fuker gesacht, Wie kan ich auf Wien gehen, 36ich derf mich dort nit sehen laßen, ich bin in ein 37imbroglio, hab ein brief an die Caunizin an die Fehlen


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38überschriben, vnd ein an die Vehlen der Kaunizin überschriben, 39so derf ich mich bey keiner sehen laßen. Er schaut halt 40nuhr auf dise poßen, vnd nach denen richt er 41seine negotia, gott woll es beßeren. Bitt aber vnterdehnigst, 42das in höchster geheim mag bleiben, sonst keme der 43gute Fuker in ein üble wesch. Wegen Nider- 44landt werden ewer Durchlaucht schon vom Hoffkanzler vernomen 45haben, wie es steht, müeßen also sehn, was zue duen 46wirt sein, wan der Cauniz wider kumbt. Ist aber 47woll höchsterleücht geschen, das der Deutschmeister sich nit 48zue Lüttich prostituiret, welches vnfehlbar geschehn wehr. 49Freüdt mich, das die portugesische botschafft kommen 50wirt. Ich bitt vnterdehnigst vmb vergebung, hab nechsten 51ein vnwahrheit geschriben, das mein fraw schwester 52ihr Mayestät, mein Keiser, nit geschriben hab als Königin. Sie 53hatt ihm geschrieben, aber nit in Schpanien, dan ewer 54Durchlaucht werden sich gnädigst zue erinnern wißen, das sie mihr 55geschriben, sie könne nit in Schpanien schreiben, weil 56der Botschaffter nit informirt sey, wie sie es 57mit den cerimonialien soll halten, also müeße 58sie es biß in Portugal verschieben, das sie 59sich dort disfals informiren könne, vnd darum hatt sie


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60vohr der desponsation als cuhrpfalzische Prinzeßin, aber nit dar- 61nach als Königin geschriben, auf welchen brief die Königin 62in Schpanien auch geantwortet hatt. Mein brif ist 63nit hinein gangen, dan ich selbige post auch einen bekomen 64vnd mich verwundert, das ich zwehn brif hab, bis ich 65darnach gesehn, das der eine an mein fraw schwester wahr. 66Die nachricht vom Locowiz haben ihr Mayestät auch. Der 67francos ist hier, hatt aber bis dahto noch nit 68audienz begert. Man sagt, er sey krankh, steht 69also dahin, ob er dis anbrengen wirt oder 70nit. Ich hoff auf gott, der wirt ein mittel 71schiken, allem dißen übel vohrzukommen. Überschik 72hierbey vnterdehnigst bede brief, von dem aus Portugal vnd 73Landgrau Carl . Ich werd mich befleisen ewer Durchlaucht 74gnädigstem befehl nachzuleben, ihr Mayestät werden auch gahr 75gern duen, was sie können, dise sehlen zue erretten. 76Ich vermein aber, wan man eine begert, soll man 77die andre lieber mit nemmen, so gehts in einem 78hin, doch wies ewer Durchlaucht gnädigst schaffen vnd ihr Mayestät es 79werden vohr guett finden. Due mich hirmit ewer Durchlaucht vnterdehnigst 80befehlen vnd werde sterben 81ewer Durchlaucht 82vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 83EMT 84Wien den 5ten februarii 1688