Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Laxenburg am 09.05.1688
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster her vatter 2Ich hab mit vnterdehnigstem respect dero gnädiges schreiben vom lezten 3passato empfangen vnd mit hochsten freüden dero 4gutten wohlstandt vernommen, darbey der almechtig 5ewer Durchlaucht verners gnädigst erhalten wolle. Ewer Durchlaucht 6seindt mihr gahr zue gnedig, das sie mein 7vnterdehnigste wuntsch so gnädig aufgenommen, gott wolle 8dieselbe erfüllen. Wegen des Starenbergs, so 9hab ich ewer Durchlaucht schon vohr etligen posten ihr Mayestät 10resolution gehorsamst veberschriben. Iezt, hör ich aber, wirt 11der Starenberg große conditiones machen, welche 12das werkh leicht wider verderben kunten. Dan wirt 13man avhiezt hardt hierin können einiges mitel 14finden, dan sich iezt diese sachen deils schwehrlich, vnd die
15meisten gahr nit wurten duen laßen. Villeicht aber wirt 16er sich beßer bedenken vnd den bogen nit so hoch 17schpannen. Wegen Cöllen arbeit man zue Rohm was 18man kan, ob man aber was erhalten wirt, stehen zue 19gewarten, dan der Papst wirt sorchen, das sie durch ein 20newen wahl in widerumb möchten elegiren vnd 21auf ein solchen furm, das mans nit widrumb 22anulliren kunte. Wan man aber die gemüeter 23kundt sondiren vnd sich auf ein newe wall 24verrsichern, das sie auf dises subiectum nimmer 25gedenken wurden, möchte es ehender gehen. Mit 26Beyren mueß man izt in allem schon erwarten, 27bis er her kombt, doch, hoff ich, wirt sich 28vill aiustiren laßen. Brandenburg ist schon 29desabusirt von dem, das die franzosen ihm haben 30vohrgeben, dan den Cuhrfürst woll mit dem Cardinal 31brief gewekselt vnd höfflige, aber nuhr in materi 32des testaments vnd niks vom andren gemelt worden. 33Es freüdt mich, das die corespondens mit Schpanien 34so guett ist eingericht. Mein schwester schreibt 35mihr, das sich die schikung darumb stekh, weil sie 36noch im kopf haben, man möcht sie nit andren königen
37gleich tractiren, vnd wegen Polen, das man dort soll 38kein comparation machen. Die portugeser seint 39woll artlich, in diser sach wollens sie nit mit 40Pollen comparirt werden, seys mit Frankreich vnd 41wem sie wollen, dan man hier vnter den königen 42kein vnterschit macht im tractament, man halt 43sie alle gleich, außer das man den schpanischen Botschaffter 44mehr famigliar tractirt, das er in der retirada 45priuat zue ihr Mayestät kombt, vnd bey denen camer- 46festen derf sein, welches ist, weil es ein haus ist. 47Vnd das macht im kein prerogatiu vohr den 48andren, dan er iah dem Cardinal Nuntio weicht, 49vnd dißer ebenfals diese familiariteten nit 50godirt, sondern allzeit in der audienz zimmer 51audienz hatt vnd zue keinem cammerfest 52kommt, woh man nit alle botschaffter zue lad. 53Im übrigen in cerimonialien wirt er in allem 54dem schpanischen Botschaffter vnd Nuntio geleich 55tractirt werden, welches ich auch alles meiner schwester 56schreiben werde. Mit disem due ich mich ewer Durchlaucht 57vnterdehnigst befehlen vnd werde sterben 58ewer Durchlaucht 59vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 60EMT 61Laxenburg den 9ten maij 168862Vnser beiz geht noch zimlich schlecht, gestren 63vnd heünt haben nit auskönnen, ist alleweil so 64starker windt, doch die vohrigen dag haben ihr Mayestät milan vnd etlig kezer hüpsch gefangen.







