Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Laxenburg am 30.05.1688

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herz allerliebster herr vatter 2Ich hab mit vnterdehnigstem respect dero gnädiges schreiben vom 21ten dis 3empfangen. Sage ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh, das sie wegen 4Stulweisen Burg so gnädig sich mit mihr erfreien wollen vnd 5solche gutte wuntsch darzue sezen, gott woll selbige 6erfüllen zue seiner ehr. Mit dem Herzoch ist beßer, 7hoff, er wert balt widerumb im standt sein 8hinunter zue reisen. Der Cuhrfürst in Beyrn aber kombt 9nit. Wie die andren negotien werden gehen, müeßen 10erwarten, gott wirt alles zumb besten schiken. 11Branden Burg, der iezige Cuhrfürst, zeigt sich auch 12gahr deuot gegen dis haus, mag auch den Freitag 13woll leiden, aber die autoritet vnd polso, so sein 14herr vatter gehabt hatt, geht ihm ab, förchte ich, dan 15er scheint zimlich floch zue sein. Wegen des Staren- 16bergs hab ich ewer Durchlaucht schon negsten vnterdehnigst überschriben, 17das ihr Mayestät wegen der Erzherzogin nit duen konnen,


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18weil sie schon mit dem Fuker gahr zwe weit 19impegnirt vnd auch der Starenberg alle 3 dienst nit 20möglich woll verichten kan. Es geht ihm aber niks darbey 21ab, dan ihr Mayestät vebleiben bey dem decret, das 22sie ihm geben, wan die zeit, so in demselben 23benent wirt, verloffen sein wirt, ers haben soll. Vnd wan 24er gleich bey der Erzherzogin Obristhoffmeister wurd, 25so wurdens ihr Mayestät ihm iezt nit geben aus andern 26vhrsachen, so sie haben, wie dan auch der Fuker 27nuhr ein solches decret wie der Starenberg bekombt, 28welches ihm schon verschprochen ist, vnd also mit dem 29Starenberg kein competenz wirt haben. Ich seh auch 30nit, was vohr vneinichkeit daraus enstehen kan, 31dan der Fuker ihm in niks in weg stehen wirt vnd 32ist er ein gutter erliger man, der sich auf 33alle weis mit ihm guet comportiren wirt. 34Wegen Portugal ist woll also, wie ewer Durchlaucht schreiben. 35Weil aber ewer Durchlaucht gnädige meinung nit gewust vnd sie mihr 36geschriben, sie trawen nit, das man ihnen das tractament 37geben werde, haben ihr Mayestät gemeint, ich soll ihrs 38halt klar schreiben, welches ich schon vohr 2 posten 39gedahn. Sie ist aber gescheidt, wan sie wirt meinen, 40das dis etwas wirt verhindren, wirt sie es 41woll dissimuliren, hoffe ich. Wegen der anulatio 42wirt man vnserseits das beste duen, förchten aber, der


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43Papst werd schwerlich darzue zue bringen sein, doch 44wirt mans sentiren. Das der Deütschmeister so 45krankh gewesen, ist mihr woll herzlich leidt, gott 46geb, das ihm das bad woll möge bekommen. Ist 47mihr angst darbey, dan vnsere medici meinen, 48wan der leib nit vohr ahn oder durch den saur- 49bronnen oder andre weis darzue disponirt sey, 50werde es ihm mehr schaden als nuzen, gott geb 51sein gnad. Das ewer Durchlaucht beys gut abgeht, freüt mich. 52Vnsere geht zimlich schlecht, haben wehnig vögel, 53ist die krak drunter kommen vnd hat die meisten 54vnd besten verdorben. Ich bitt ewer Durchlaucht vnterdehnigst, laßen 55ihr Durchlaucht, mein geliebste fraw muter, sich nit mit schreiben bemühen, 56weil sie den schmerzen in der hand haben. Mit 57disem befehl mich vnterdehnigst vnd werde sterben 58ewer Durchlaucht 59vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 60EMT 61Laxenburg den 30 maij 1688