Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 28.11.1688
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich hab dero gnädiges schreiben vom 19ten dis vnterdehnigstem 3respect empfangen, heündt aber bin ich mit einem 4eigenhendigen vom 18ten dis begnad worden. Weis nit, welchs 5bey mihr hatt preualirt, die freüdt zue sehen, das ewer 6Durchlaucht gottlob nachvnd nach die kreften wider erholen, oder 7die sorg, das dises schreiben ewer Durchlaucht widrumb 8auf das newe möge schaden, welches der almechtige 9gnädig verhüetten wolle. Bitte demnach aller vnterdehnigst 10vnd fueßfallendt, ewer Durchlaucht wollen sich doch verschonen 11vnd nit mit schreiben bemüehen, an dero conseruation 12mein höchste glükhsehlichkeit vnd aller dero vnterdehnigsten kindren 13hanget. Es ist mihr ia schon genuech, wan ich durch 14iemant andren dero wollergehn vernemme, vnd das
15das mich ewer Durchlaucht in dero gnade erhalten. Es wurd mich iah 16bis in doht bedrüeben, wan wegen meiner ewer Durchlaucht an 17dero gesuntheit sich schaden möchten. Das Manheim schon 18verlohren, Frankendahl berent, ist mihr woll herzlich 19leidt, der allmächtige wirt hoffentlich geben, das er alle diser ort 20so geschwint wirt müeßen verlaßen, als er sie ein- 21genommen. Ich hab ein festes vertrawen, ist doch gutt, 22das sie Coblens verlaßen, gott wirt bey stehen. Ewer Durchlaucht 23können gnädigst versichert sein, das ich kein größeresorch 24bey allen disen hab, als das diese vnlusten ewer Durchlaucht 25werden schaden, dan gewis wirt gott vns nit verlaßen 26in diser gerechten sach. Mein gröster st trost wehre, 27wan ich auch mit mein leben ewer Durchlaucht einige vnterdehnigste dienst 28leisten kunte, werde mich deßen gewißlich befleisen 29nach aller möglichkeit. Weil ich auch seh, das ewer 30Durchlaucht annoch den Stratman verlangen, so werd 31mich befleisen, ihme die erlaubnus auszuebrengen, 32wan nuhr diß wetter wolte noch ein zeit anhalten, 33damit er geschwinder reisen könte. Ich traw mihr 34schir niks mehr zue schreiben wegen des Öting,
35dan er soll alle dag wekh vnd kombt alleweil 36wider etwas drein. Mit dem Herzoch von Lottring gehts 37beßer. Ich zweifel nit, zue München werde alles 38woll abgangen sein. Hier ist auch die comedi gutt 39abgangen, hett wüntschen mögen, die gnade zue haben, ewer Durchlaucht darbey 40zue sehen, dan ich weis, das ihnen nit übel gefallen 41hette, sie habens alle gutt gemacht. Mit disen due 42ich mich in ewer Durchlaucht gnade ganz vnterdehnigst befehlen, 43die ich sterben werde 44ewer Durchlaucht 45vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 46EMT 47Wien den 28ten novembris 1688




