Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Linz am 23.01.1684

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Dero beyde gnädige schreiben vom 14ten vnd 21ten dis hab mit höchsten 3freüden empfangen, weil ich daraus vernommen, nit allein das sich 4ewer Durchlaucht wohl auf befinden, sondern sich auch beßer conseruiren vnd 5acht auf dero gesuntheit haben wollen. Zweifle nit, der almechtige 6werde ewer Durchlaucht verners ville jahren also darbey erhalten, vns 7allen dero gehorsamsten kindern zum trost. Das ihr Durchlaucht, mein geliebste fraw mutter, 8sich auch widerumb woll auf befinden, duet mich gleichfals herzlich 9erfrewen, der almechtige verleye weiters sein gnad. Es 10were woll zue wüntschen, das die vngereimbte competenzen 11zue Regenschpurch möchten beygelegt werden, vnd wehren ewer Durchlaucht 12mihr alle vnd das ganze Reich ewigen dankh schuldich, wan sie 13dises richten kunten. Ich werde vom Stratman ewer Durchlaucht gnädigsten vohrschlach 14hierin vernemmen, bey welchem ich mich auch wegen des Heimans 15weiters erkundigen werde. Ich hab mihr woll gedacht, das der 16zorn gegen Frankreich dem Cuhrfürst von Collen balt wurde 17ausgeret werden, ist mihr aber leidt, das er die meinung 18von ihr Mayestät, meinem gnädigsten Kaiser, vnd von ewer Durchlaucht hatt, als 19solten solten sie an seiner confirmation zue Rohm verhinderlich 20sein, warin er woll beyden großes vnrecht duet, vnd wurden 21ihr Mayestät gern, wan sie nuhr einen modum wüsten, wie es zu duen,


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22ime disen scrupul zw benemmen. Bey Cuhr Beyern were woll guett, 23wan die obrist cammeren stell widerumb durch ein guettes vnd 24woll intentionirtes subiectum ersezet wurde. Ich hab woll 25auch einmahl gehört, ob solte der Cuhrfürst einige 26inclination auf den Fuker haben vnd andren seits auch 27gehört, als solte des Fuker intention sein, sich nit lenger 28in ewer Durchlaucht dienst aufzuehalten. Also hab ich vermeint, 29wan er doch von ewer Durchlaucht wekh wurde, so würde es ewer Durchlaucht 30gleich gelten, ob er in beyerische oder andre dienst trette, 31woh ewer Durchlaucht vnd ihr Mayestät noch guette dienst leisten 32kunte. Vom Gall hab ganz niks gehört, vermein aber, 33es kom daher, das der Schellerer zue Wels vnd selten 34herein komt, das ich also niks daruon vernommen, will 35aber auch den Stratman vnd Schellerer darummen befragen. 36Was ewer Durchlaucht vohr gnädige intentiones wegen Costniz, Schpeir vnd 37Paßaw, habe ich von ihr Mayestät vernommen, welche 38von herzem zue allem cooperiren werden, woh sie 39werden können. Wan die franzosen ein general armistitum 40wolten eingehn, würden es ihr Mayestät nit allein nit verwerfen, 41sondern gahr gern acceptiren, zeigt sich aber noch niks drauf,


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42gott schike alles noch seinem willen. Sage ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh 43vohr dero gnädige vohrsorch vohr mich wegen meines obristhoffmeister. 44Noch ist zwar keiner declarirt, vnd hab ich schon einmahl ihr Mayestät 45den vohrschlag gedahn, sie mochten auf ein zeit den Fürsten noch 46continuiren laßen, ihr Mayestät mihr aber zur antwort geben, es 47könne nit sein, vnd seyen diese 2 dienst incompatibel, 48welches mihr woll leidt ist, dan ich gewis keinen mer bekomen 49werde, mit dem ich so woll als mit dem Fürsten werde 50bedient sein. Es freüt mich aber zue sehn, das der guette 51Fürst nicht refusiret, länger bey mihr zue sein, wünschte von herzen, 52das es sein könte. So wie jezt ohne vice oder einer, der 53imermahl statt seiner bey kleinen functionen dienet, würd 54es ihm schwer fallen, das andre wollen ihr Mayestät nit, aus vrsachen, 55das es gahr zue vill scheinet, als wan ehr es lang bleiben soll, 56welches nit sein könne, also mues gedult haben. Was ewer Durchlaucht 57gnädigst melden wegen der schleßingischen völker, werden sie zwar ihr Mayestät 58nit nemmen, aber ihr Mayestät hatten schon geschriben an Deütschmeister 59vnd andere, das sie meinem brudern sollen auf alle weis 60an handt stehn, seine recruten zu befördern. Das ewer Durchlaucht 61ein gnädigen gefallen an dem leüchter haben, so ich geschikt, 62freüdt mich, ist nuhr weil ein newe inuention ist, so hab mich 63vnterstanden, in zue schiken, weil es guett vohr die augen vnd ewer Durchlaucht vill


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64schreiben. Bitt vnterdehnigst, mihr dise meine kühnheit nit in 65vngnaden zue nemmen. Due mich hiermit in ewer Durchlaucht gnade 66vnterdehnigst befehlen, die ich sterben werde 67ewer Durchlaucht 68vnterdehnigste trew gehorsamste dochter 69EMT 70Lins den 23 jener 1683