Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 20.11.1688
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6
1Durchleüchtiger Fürst, herzallerliebster herr bruder 2Ich hab dero liebstes schreiben woll empfangen vnd 3den beyschluß ihr Mayestät, mein gnädigsten Kaiser, fleisig 4überantwort, warauf dero Liebden werden durch selbige 5wie auch durch den Graf von Öting haben aus- 6fürlige antwort empfangen, also ich selbiges 7nit widerhole. Der almechtige gott wolle beystehn 8vnd disen bedrüebten zuestandt zum besten wenden, 9ich glaub vestiglich auf sein güette, das geschen 10wirt. Man vnterlast hier keine menschlige mitel, 11gott aber wirt es duen vnd zeigen seine 12almacht, wan nuhr Frankendal vnd Coblens 13nit verloren wurden. Aufs wehnigst eins von disen, 14hoff ich, werde succurirt werden, gott geb sein gnad.
15Dise beyligende ordre wolle dero Liebden so balt 16möglich dem Grav Bekh zueschiken, ist, das wan er 17kan, er in Coblens sich werfen soll. Ich kan dero Liebden 18auch in vertrawen nit verhalten, wie das ihr 19Durchlauchten, meine gnädigen eltern, sehr empfinden, das dero Liebden 20meiner fraw mutter so gahr niks von ihren deputat 21übermacht, das sie gahr ihr leüt nit besolden 22kan. Bitt, dero Liebden wollen sie in ihrem alter 23mit disen consoliren. Ich kan mihr woll 24gedenken, das es dero Liebden schwehr wirt vallen bey 25disen zeiten, aber gott wirt ihnen ersezen 26die lieb, so sie dero alten eltern in diser 27ihrer großen not bezeigen. Due mich dero Liebden 28hiemit befehlen vnd werde sterben 29dero Liebden 30getreweste schwester 31EMT 32Wien den 20ten novembris 1688



