Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 24.04.1688

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

177 r
Faksimile

1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Sag ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh vohr dero gnädiges schreiben, ist gahr 3zue vill, das sich ewer Durchlaucht in der heiligen zeit, dah sie 4sonst so vill zue duen, wegen meiner die vnge- 5legenheit machen mit schreiben. Ich kan auch nit 6wort finden, vnterdehnigst dankhsagung abzuelegen vohr die 7abermahlige gnädigste wuntsch zu den heiligen osterfest, wan 8ich nuhr ewer Durchlaucht vnterdehnigst bedienen könt meinem 9herzligen verlangen nach, wehre mein gröste glük- 10sehlichkeit. Den Starenberg betreffendt, so hab ichs 11ewer Durchlaucht gnädigem befehl gemeß ihr Mayestät vnterdehnigst vohr- 12gedragen, welche mihr gnädigst befohlen, nachmahlen ewer 13Durchlaucht der schon offter überschribenen rationes zue 14widerholen, nemlich, das ihr Mayestät schwehr sey, das 15gouerno von Pfilipsburg darbey zue laßen, 16welches wohl ein man allein braucht, insonderheit,


177v
Faksimile

17wan ein krieg solte aufkommen, auch darbey die 18gelosie, so die benachtbarten cuhr- vnd fürsten darob 19möchten faßen, das ewer Durchlaucht einen würkligen minister 20von ihr Mayestät zue dero Obristhoffmeister hetten. 21Mit dem Öting vnd Fuker seys ein andres 22geweßen, die seyen nit in meines herrn bruedern 23dienst imediate geweßen, sondern nuhr als der 24Erzherzogin Obriste Hoffmeister. Das mein herr bruder25aber sich ihrer consilien auch gebraucht, sey 26nuhr als aus confidenz vnd nit, das sie seine 27Geheime Räht oder in seinen dienst gewesen wehren. 28Zuedeme kombt auch das bedenken, so ihr Mayestät 29wegen des Castell gehabt, im zum Geheimen Raht 30zue machen, das villeicht Beyren darauf argo- 31mentiren (wie wohl der Starenberg nuhr das 32decret hatt) vnd den Cauniz auch zum Obrist 33Hoffmeister begeren wurde. Iedoch demme allen 34vnangesehn, weil ewer Durchlaucht ein so starkes 35verlangen gezeigt vnd sonst vermeinen, mit 36ruehigem gewißen von Heidelberg nit wekh gehen zu 37können, woh durch sie dero gesuntheit schaden


178 r
Faksimile

38möchten, welche der almechtige ville iahr gnädigst erhalten 39wolle, auch die Erzherzogin vnd mein herr bruder 40ihr Mayestät vnd auch mihr darumb geschriben vnd 41gebetten, so haben ihr Mayestät resoluirt, ewer Durchlaucht 42dero lieb in der daht zue erkennen zue geben, 43das, wan es ewer Durchlaucht annoch also verlangen, 44den Starenberg ihnen zue erlauben, wan auch gleich 45in etwan dero dienst dardurch leiden solte, zue 46der Erzherzogin Obristhoffmeister, aber welche, wan 47sie gleich mit dem Starenberg auch zuefriden, wie sie geschriben, hoffen 48ihr Mayestät, ewer Durchlaucht werden es bey dem Fuker bewenden 49laßen, dan ein mahl, das er alle drey dienst woll 50könne versehen vnmöglich vnd ihr Mayestät dienst 51zue Pfilipsburg desto mehr leiden wurde. Kan 52auch ewer Durchlaucht vnterdehnigst nit bergen, wie das die reso- 53lution, so mihr ewer Durchlaucht in dero vohrigen gnädigstem schreiben 54überschriben, das sie den Fuker vohr die Erzherzogin 55placidirt haben, nit wehnig facilitirt hatt die 56resolution, so ihr Mayestät wegen des Starenbergs 57genommen, vnd solte dort wider etwas drein 58kommen, möchte auch dises wider dificil gemacht


178 v
Faksimile

59werden. Wegen Lüttig, meinen ihr Mayestät, wehr woll 60guett, wan man man den Deütschmeister darzue bringen 61könte, mueß aber sehn, das es ohne Beyern gelosia 62zue geben geschen mögen, darüber man mit dem 63Cauniz conferiren wirt, welcher iezt nit hier, ist 64auf sein gutt, wirt aber balt kommen. Mit 65disem due ich mich ewer Durchlaucht vnterdehnigst befehlen 66vnd werde sterben 67ewer Durchlaucht 68vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 69EMT 70Wien den 24ten aprill 168871Postscriptum Hab vergeßen, vnterdehnigst zu schreiben, das ihr 72Mayestät verlangen, ewer Durchlaucht möchten dem Fuker 73gnädigst erlauben, das er derf auf etlige 74dag herunter kommen, das man mit ihm 75die sachen aiustiren möge.